1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Deutsches Tesla-Batteriewerk auf der Kippe?

15. September 2022

Tesla-Chef Elon Musk hat das Ziel ausgerufen, die Fabrik in Grünheide bei Berlin auch zur weltgrößten Batteriefabrik zu machen. Ein neues US-Gesetz könnte diese Pläne möglicherweise ausbremsen.

https://p.dw.com/p/4GvnL
Grünheide | Eröffnung Tesla Gigafactory
Tesla-Chef Elon Musk eröffnet im März 2022 die Fabrik in BrandenburgBild: Patrick Pleul/Pool/REUTERS

Die ehrgeizigen Pläne des Elektroautobauers Tesla für die Fertigung eigener Batterien in Deutschland stehen wegen möglicher massiver Steuererleichterungen in den USA auf dem Prüfstand. Das Wall Street Journal hatte am Mittwoch berichtet, Tesla habe sein Vorhaben, eigene Batterien in der neuen Autofabrik Grünheide bei Berlin zu produzieren, vorerst auf Eis gelegt.

Die Herstellung von mehr Batterien in den USA könne Tesla helfen, an zusätzliche Steuererleichterungen aus dem Inflation Reduction Act (IRA), dem Inflationsbekämpfungsgesetz von US-Präsident Joe Biden zu kommen. Von Tesla gab es dazu keine Stellungnahme.

Das Brandenburger Wirtschaftsministerium geht weiter davon aus, dass Tesla die Batteriefabrik für die eigene Zellfertigung bauen wird. Das Ministerium habe am Donnerstag erste Informationen dazu erhalten, sagte eine Sprecherin. "Möglich scheint, dass Tesla einzelne Prozessschritte in den Werken neu priorisiert, der Standort Grünheide jedoch in Aufbau und mit seinen Arbeitsplätzen so erhalten bleibt." Den Bericht wollte sie nicht kommentieren. Am Freitag hieß es dann, der US-Elektroautobauer setze weiter auf eine Batteriefertigung in Deutschland, wolle aber wegen der Aussicht auf umfassende Fördermittel die Priorität zunächst auf die USA legen. Das habe das Unternehmen am Freitag gegenüber Partnern in der Region Grünheide bei Berlin klargemacht, schreibt die Nachrichtenagentur dpa. 

Baustelle der Tesla-Batteriezellen-Fabrik in Brandenburg (November 2021)
Baustelle der Tesla-Batteriezellen-Fabrik in Brandenburg (November 2021) Bild: Patrick Pleul/dpa/Zentralbild/picture alliance

Washington will Wertschöpfungsketten in den USA 

Der Kongress in Washington hatte im August ein Gesetzespaket über Milliardeninvestitionen in den Klimaschutz und den Sozialbereich verabschiedet. Es sieht unter anderem finanzielle Anreize auch für den Bau von Werken für Elektroautos vor, die Energieforschung soll vorangetrieben werden. Das Brandenburger Wirtschaftsministerium forderte eine Reaktion der EU, weil das US-Inflationsreduktionsgesetz zu einem Wettbewerbsnachteil in Europa führe. "Hier muss die EU beihilferechtlich reagieren, um wieder Augenhöhe herzustellen."

Der Bau der Batteriefabrik in Grünheide in Brandenburg ist schon weit fortgeschritten, der Zeitplan für den Produktionsbeginn ist aber nach wie vor unklar.

Kehrtwende von Musk?

Tesla-Chef Elon Musk wollte das Werk bei Berlin auch zur weltgrößten Batteriefabrik machen, wie er im November 2020 sagte. Geplant ist dort bisher die Massenfertigung neuartiger Batteriezellen mit einer Herstellung von Trockenelektroden, die mit deutlich weniger Flächenverbrauch und Energieaufwand auskommen sollen. Das Unternehmen produziert seit März dieses Jahres in Grünheide E-Autos.

Deutschland Tesla Gigafactory Grünheide Tag der offenen Tür
Bei einem Tag der offenen Tür in Grünheide ließ Musk sich feiern (Oktober 2021) Bild: Patrick Pleul/dpa/picture alliance

Für die Batteriefertigung hatte Tesla 2021 überraschend auf eine mögliche staatliche Förderung in Milliardenhöhe verzichtet. Für eine solche Förderung müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Das Vorhaben muss zum Beispiel einen wichtigen Beitrag für die EU-Forschung und -Klimapolitik leisten.

Milliardenanreize für Investitionen in den USA

US-Präsident Joe Biden hatte im vergangenen Monat den Inflation Reduction Act unterzeichnet, der unter anderem milliardenschwere Steueranreize für E-Autobauer und Hersteller von Batterien für die Elektromobilität vorsieht. Käufer von E-Fahrzeugen haben dabei weiter Anspruch auf eine Steuergutschrift von 7500 Dollar pro Kauf, wenn die Batterien der Autos bestimmte Kriterien erfüllen.

Heute spielen die USA nur eine relativ kleine Rolle bei der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien, die Elektroautos antreiben und eine noch kleinere bei der Produktion der Roh- und Zwischenprodukte, aus denen die Batteriezellen bestehen. Nach Informationen des Marktforschungsunternehmens Benchmark Mineral Intelligence, auf die sich das Wall Street Journal beruft, verarbeitet China mehr als zwei Drittel aller Nickel- und Kobaltvorkommen weltweit, während die USA jeweils nur 1 Prozent oder weniger dieser Rohstoffe verarbeiten.

Das Gesetzespaket versucht, den US-Anteil in allen zentralen Bereichen der Elektromobilität nach oben zu schrauben. Washington bietet Autoherstellern und Batterieunternehmen Steuer-Anreize in Milliardenhöhe, wenn sie ihre Wertschöpfungsketten in die USA verlagern und so ihre Abhängigkeit von China verringern.

Üppige Subventionen von Onkel Sam

Zu diesen Anreizen gehört eine Gutschrift von 35 US-Dollar pro Kilowattstunde (kWh) für Batteriezellen aus US-Produktion. Das Gesetz sieht außerdem eine Gutschrift von zehn US-Dollar pro kWh für im Inland hergestellte Module oder Batteriezellen sowie zusätzliche Unterstützung für Unternehmen vor, die Roh- und Zwischenprodukte für E-Autobatterien in den USA herstellen.

Würden alle diese Produktionsgutschriften angewandt, könnten die Kosten für ein 75-Kilowattstunden-Batteriepaket, wie es in der Langstreckenversion des Kompakt-SUV von Tesla, dem Model Y, verwendet wird, um fast 40 Prozent sinken, zitiert das Wall Street Journal die Experten von Bernstein Research. Das ist äußerst attraktiv für Batteriehersteller, die ihre Batterieproduktion in die USA holen.

Man habe bei Tesla bereits darüber diskutiert, ob Produktionsmaschinen für E-Autobatterien, die für Grünheide vorgesehen waren, stattdessen in die USA verschifft werden sollen. Das WSJ beruft sich dabei auf Insider-Informationen.

Mit den neu gebauten Tesla-Werken in Grünheide und im texanischen Austin will der Elektroautohersteller irgendwann seine Stückzahlen massiv in die Höhe schrauben. Zurzeit sind sie aber laut Tesla-Chef Elon Musk "Geldverbrennungs-Öfen". Im Frühjahr hatte der exzentrische Unternehmer geklagt, dass man fast das "gigantische Rauschen, das Geräusch von brennendem Geld", hören könne. "Berlin und Austin verlieren im Moment Milliarden von Dollar, weil es eine Menge Ausgaben und kaum Produktion gibt."

Da könnten Steuergeschenke der US-Regierung gerade für den kostenbewussten Musk sehr gelegen kommen.

Dieser Artikel wurde am 16.9.2022 akktualisiert.

tk/hb (rtr,dpa, WSJ)

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen