Deutscher Pharmakonzern will Hinrichtung in USA stoppen | Aktuell Welt | DW | 09.08.2018
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Aktuell Welt

Deutscher Pharmakonzern will Hinrichtung in USA stoppen

Man nehme "keine Position zum Thema Todesstrafe" ein, betont Fresenius Kabi. Doch eine Hinrichtung mit seinen Substanzen will der deutsche Pharmakonzern nicht hinnehmen. Man befürchtet eine "erhebliche Rufschädigung".

Carey Dean Moore hat aufgehört, gegen seine Hinrichtung zu kämpfen. Seit 1979 sitzt er wegen Mordes an zwei Taxifahrern in der Todeszelle. Nun will der US-Bundesstaat Nebraska das Todesurteil vollstrecken. Es wäre das erste Mal seit 21 Jahren, dass ein Gefangener in Nebraska exekutiert wird - und die erste dortige Hinrichtung mit der Giftspritze.

Wo sich der Bundesstaat die dafür notwendigen Substanzen besorgt hat, ist noch das Geheimnis der Vollzugsbehörde. Doch der deutsche Pharmakonzern Fresenius Kabi ist überzeugt: Nebraska ist auf illegale Weise an zwei von dem Konzern hergestellte Substanzen gelangt. Mit einer Zivilklage will der Konzern die für kommenden Dienstag geplante Hinrichtung gerichtlich stoppen lassen.

"Nutzung vorübergehend oder endgültig unterlassen"

Nebraska will vier Substanzen in die Giftspritze füllen: das Beruhigungsmittel Diazepam, das Betäubungsmittel Fentanylcitrat, das Mittel Cisatracurium zur Muskelentspannung sowie Kaliumchlorid, das den Herzschlag beendet. Fresenius Kabi geht davon aus, dass die letzten beiden Substanzen aus seiner Herstellung stammen. Das Unternehmen hat bei einem Bundesrichter beantragt, die Nutzung der Mittel vorübergehend oder endgültig zu unterlassen.

Nebraska Hinrichtungskandidat - Carey Dean Moore (picture-alliance/AP Photo/Nebraska Dept of Correctional Services)

44 Jahre in der Todeszelle: Carey Dean Moore

Fresenius Kabi ("Wir helfen Menschen") handelt aus Imgage-Gründen. Der Konzern betont, keine Position zum Thema Todesstrafe einzunehmen. Er lehne aber die Nutzung seiner Produkte zu diesem Zweck ab. Deshalb würden "bestimmte Medikamente auch nicht an Vollzugsanstalten" verkauft. Folglich könnten die Substanzen nur entgegen geltender Vertriebs-Verträge an die Vollzugsbehörde gelangt sein.

Wie kommen US-Bundesstaaten an den Giftcocktail?

Fresenius Kabi fürchtet bei der Verwendung seiner Substanzen für eine Hinrichtung eine "erhebliche Rufschädigung", weil in Europa die Todesstrafe zumeist abgelehnt wird. 

Für US-Bundesstaaten, die noch hinrichten, wird es zunehmend schwerer, die Mittel für ihre Giftspritzen zu kommen. Immer mehr Pharmakonzerne lehnen einen Verkauf ihrer Substanzen für diesen Zweck ab. In Nevada hatte der Hersteller Alvogen im Juli den vorübergehenden Stopp einer Hinrichtung erwirkt.

rb/se (ap, afp)

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