Deutsche Wirtschaft - Nirgendwo in Afrika | Afrika | DW | 06.11.2013
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Afrika

Deutsche Wirtschaft - Nirgendwo in Afrika

Die meisten deutschen Unternehmer schrecken vor Investitionen in Subsahara-Afrika zurück, der bilaterale Handel ist niedrig. Ein Wirtschaftsverband will das ändern - und fordert mehr Engagement von deutschen Politikern.

Hafen (Foto: PIUS UTOMI EKPEI/AFP/Getty Images)

Der größte Seehafen Nigerias in Lagos

Internationale Investoren - die wünscht sich der togoische Botschafter in Deutschland, Comla Paka, für sein Land: Der kleine westafrikanische Staat am Atlantischen Ozean habe Aufholbedarf. "Wir brauchen Investitionen in Infrastruktur, in unsere Straßen und Häfen", so Paka. Togo hat traditionell gute Beziehungen zu Deutschland. Doch gemeinsame Wirtschaftskooperationen seien immer noch selten, sagt der Botschafter. "Viele afrikanische Länder lassen sich abschrecken, sie empfinden den Zugang zu europäischen Unternehmen als sehr schwierig und halten sich dann lieber an Länder wie China und Indien." Und das, obwohl die oft nicht mit der Qualität deutscher Produkte mithalten könnten.

Comla Paka, Botschafter der Republik Togo in Deutschland, während der 1. Africa Finance-Konferenz, die der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft am 05.11.2013 in Bonn organisierte. Copyright: DW/Philipp Sandner

Togos Botschafter in Deutschland, Comla Paka

Afrikas Wirtschaft wächst. Wachstumsraten von sechs Prozent sind auf dem Kontinent keine Seltenheit. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr gerade einmal um 0,7 Prozent gestiegen. Doch noch immer scheuen viele Unternehmer aus Deutschland die afrikanischen Märkte. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Afrika südlich der Sahara umfasste im vergangenen Jahr magere 26,6 Milliarden Euro - ein Sechstel des Volumens zwischen Deutschland und seinem kleinen Nachbarn, den Niederlanden.

Ein Grund: Das Image Afrikas als ein von Krisen und Korruption geschüttelter Kontinent hält sich beim deutschen Mittelstand hartnäckig - zum Bedauern von Stefan Liebing, dem Vorsitzenden des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft. Am Dienstag (05.11.2013) lud sein Verein zu einer Konferenz nach Bonn ein. Das Ziel: Wege zu finden, wie sich die deutsche Wirtschaft stärker für die afrikanischen Märkte begeistern lässt. "Deutschland hat enormen Nachholbedarf", sagt Liebing. "Wir werden den Anschluss in Afrika verlieren, wenn wir das jetzt nicht in Angriff nehmen."

Chancen für die Zusammenarbeit

(Foto: MARTIN BUREAU/AFP/Getty Images)

Erdöl ist Angolas Hauptexportgut

Ethnische Konflikte, stagnierende Wirtschaft - das Bild, das viele Deutsche noch immer von Afrika zeichnen, hält Florian Witt von der Commerzbank für überholt. Die Bank ist Herausgeberin der Afrikastudie "Renaissance in Subsahara-Afrika", die im Dezember zum zweiten Mal erscheint. Seit Beginn des Jahrtausends wachse Afrika durchschnittlich sogar stärker als Asien: Vorneweg lägen Länder wie Ölexporteur Angola - mit einem erwarteten Wachstum von mehr als acht Prozent 2013. Das zentralafrikanische Land profitiert von den hohen Rohstoffpreisen auf dem Weltmarkt und empfängt inzwischen sogar arbeitslose Akademiker aus dem krisengeschüttelten Portugal, seiner ehemaligen Kolonialmacht.

Mit seiner wachsenden Bevölkerung stehe Afrika gleichzeitig vor der Notwendigkeit, neue Arbeitsmärkte zu schaffen, so Witt. Dabei dürfe es nicht nur wie bislang um Rohstoffförderung gehen, sondern auch um den Bereich der weiterverarbeitenden Industrien. Das sei ein profitabler Markt, auch für deutsche Unternehmen.

Politische Signale nötig

Deutsche Unternehmen gehen aus Sicht von Stefan Liebing vom Afrika-Verein oft zu kleinteilig bei der Erschließung afrikanischer Märkte vor - gerade im Vergleich mit den aufstrebenden Wirtschaftsmächten Brasilien, Russland, Indien und China, den sogenannten BRIC-Staaten. Die Ansätze dieser Länder wolle man nicht kopieren, sagt Liebing. China etwa verfolgt explizit die Politik der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten der afrikanischen Partnerländer - Menschenrechte inbegriffen.

Das Gebäude der Afrikanischen Union in Addis Abeba, Äthiopien (Foto: Sean Gallup/Getty Images)

Chinas Geschenk an Afrika: das Gebäude der Afrikanischen Union in Addis Abeba, Äthiopien

Liebing räumt allerdings ein: "Es gibt Dinge, die wir von diesen BRIC-Staaten lernen müssen - etwa, dass wir Paketlösungen anbieten: Es bringt nichts, wenn ich in Afrika nur die Turbinen verkaufe. Sondern ich muss mit der jeweiligen Regierung vereinbaren, dass ich gemeinsam mit ihr das Stromproblem des gesamten Landes löse."

Das erfordere nicht nur eine bessere Kooperation privater Unternehmen, so Liebing. Er wünscht sich auch ein stärkeres Engagement der deutschen Politik. Viel zu selten etwa reisten hochrangige deutsche Politiker in afrikanische Länder - verglichen etwa mit Frankreich. So eine Reisediplomatie sei aber nötig, um dem Interesse der deutschen Wirtschaft an Afrika auch von politischer Seite glaubhaft Nachdruck zu verleihen, so der Vorsitzende des Afrikavereins der deutschen Wirtschaft.

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