Deutsche Schulen schneiden bei PISA-Digital-Studie schlecht ab | Deutschlehrer-Info | DW | 08.10.2020
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Deutsche Schulen schneiden bei PISA-Digital-Studie schlecht ab

Über die digitale Ausstattung von Schulen und Schülern in Deutschland wurde im Zuge der Corona-Krise viel diskutiert. Eine Sonderauswertung der letzten PISA-Erhebung zeigt nun, wie Deutschland digital hinterherhinkt.

Ein Junge löst seine Hausaufgaben auf einem Tablet-Computer. (Symbolbild) © picture-alliance/dpa/E. Kremser

Nur gut ein Drittel aller deutschen Schüler hat Zugriff auf eine gut funktionierende Lernplattform.

Bei der digitalen Ausstattung von Schulen und Schülern und der entsprechenden Ausbildung von Lehrern liegt Deutschland einer Studie zufolge im internationalen Vergleich weit hinten. Entsprechende Zahlen aus einer Sonderauswertung der aktuellsten PISA-Daten aus dem Jahr 2018 legte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die für den internationalen Schulleistungsvergleich verantwortlich ist, Ende September vor.

Während in der Bundesrepublik nur 33 Prozent der Schüler eine Schule mit einer effektiven Online-Lernplattform besuchten, waren es im Durchschnitt der OECD-Länder mehr als 54 Prozent. Deutschland landete damit in der Schlussgruppe. In Singapur, einigen chinesischen Metropolen oder Dänemark hatten schon 2018 den Angaben zufolge mehr als 90 Prozent der Schüler Zugang zu Lernplattformen. Deutschland lag der Untersuchung zufolge außerdem bei der Anzahl verfügbarer Computer für Schüler unter dem OECD-Schnitt.

Eine Hand hält in einem leeren Klassenzimmer ein Tablet vor eine Schultafel.

Tablet statt Tafel? In Deutschland eine Seltenheit.

Noch schlechter sieht es bei der digitalen Ausbildung und Fortbildung der Lehrer aus. Hier landete Deutschland auf Platz 76 von 78. Nur rund 40 Prozent der Schüler besuchten demnach im Jahr 2018 Einrichtungen, deren Leitungen der Meinung waren, es stünden entsprechende Möglichkeiten zur Lehrer-Weiterbildung zur Verfügung. Auch hier waren Schulen in Asien, zum Beispiel Singapur mit 90 Prozent, nach eigener Einschätzung deutlich besser aufgestellt. Zudem zeigt die Sonderauswertung, dass bei Schulen in finanziell schwächeren Regionen die Werte jeweils noch schlechter sind.

Die Krise habe weltweit die vielen Unzulänglichkeiten und Ungleichheiten in den Bildungssystemen zum Vorschein gebracht, sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Besonders stark betroffen seien benachteiligte junge Menschen. Es liege in der Verantwortung jedes Landes, „dass alle Schulen über die erforderlichen Ressourcen verfügen, damit jedem Schüler gleiche Lern- und Erfolgschancen geboten werden.“

Die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte mit Blick auf die regionalen Unterschiede in Deutschland eine grundlegende Reform der Struktur des Schulsystems. Nur so könne es gelingen, mehr Chancengleichheit für Schüler in finanzschwächeren Städten und Gemeinden zu schaffen, sagte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann am Dienstag in Frankfurt. Hoffmann schlug vor, arme Kommunen finanziell mehr zu unterstützen, damit sie gut ausgestattete Schulen anbieten könnten. „Bildungserfolg darf nicht von der Postleitzahl abhängig sein“, so die Expertin der GEW.

Auch der Deutsche Philologenverband rief zu einem raschen politischen Handeln auf. „Angesichts des heutigen Zeugnisses der OECD über die sehr mäßige Ausstattung und die Voraussetzungen für das Distanzlehren und -lernen kann man nur froh und dankbar sein für alles, was die Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern und deren Eltern in der akuten Corona-Krise alles möglich gemacht haben“, so die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing. Es brauche dringend mehr Angebote für Lehrerfortbildungen für digital unterstützten Präsenzunterricht und ausreichend Freistellungen für die Lehrkräfte, um an solchen Fortbildungen teilnehmen zu können.

Kinder arbeiten im Unterricht mit Tablet-Computer und Stift und Papier.

Bei der technischen Ausstattung von Schulen und Schülern hat Deutschland Nachholbedarf.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Thomas Sattelberger, kritisierte, andere Länder hätten viel früher digitale Endgeräte und Lernsoftware in ihren Unterricht integriert. „Deutschland beginnt damit erst jetzt, mitten in der Krise und viel zu zaghaft.“ Die Sprecherin für Bildungspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, Margit Stumpp, forderte „unbürokratisch und schnell“ eine digitale Grundausstattung unter anderem aus Breitband, WLAN, Endgeräten und professioneller Administration.

Beim Schulleistungsvergleich PISA werden neben den obligatorischen Tests in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften bei 15-Jährigen jeweils auch persönliche Daten und Einschätzungen von Schülern, Eltern und Schulleitern per Befragung erhoben. Diese werden für Sonderauswertungen genutzt. So kommt es auch zwischen den eigentlichen PISA-Ergebnissen, die nur alle drei Jahre vorgelegt werden, immer wieder zu Veröffentlichungen von PISA-Studienergebnissen.

Die aktuelle Sonderauswertung basiert auf einer Schulleiterbefragung, die im Zuge der PISA-Erhebung gemacht wurde. Nach OECD-Angaben nahmen daran 223 Schulleiter teil. In Deutschland gibt es rund 30.000 allgemeinbildende Schulen.

rh/sts (mit dpa/kna)

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