Deutsche Privatinvestitionen in Afrika: Die Politik verspricht, die Wirtschaft hofft | Afrika | DW | 06.07.2018
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Afrika

Deutsche Privatinvestitionen in Afrika: Die Politik verspricht, die Wirtschaft hofft

Die Bundesregierung hat erste Maßnahmen umgesetzt, um deutsche Privatinvestitionen in Afrika stärker zu fördern. Reicht das der Wirtschaft? Ein Stimmungsbild vom German-African Business Day in Berlin.

Heiko Maas wird mit Spannung erwartet. Der Außenminister ist Ehrengast beim German-African Business Day. Firmenvertreter, afrikanische Diplomaten, Wissenschaftler - sie alle wollen wissen, wie sich Maas die Afrikapolitik der kommenden Jahre vorstellt. Der Minister enttäuscht nicht: Er lobt den guten Ruf deutscher Firmen und das enorme Potenzial des Nachbarkontinents und fordert eine neue Partnerschaft zwischen Deutschland und Afrika. "Wir werden Mittel der Entwicklungszusammenarbeit nutzen, um öffentlich-private Partnerschaften und vereinfachte Zugänge zu Krediten auch und eben für den Mittelstand zu fördern", so Maas.

Auf die Ankündigung haben die Firmenvertreter gehofft, der Applaus ist freundlich. Eigentlich läuft es gerade gut für deutsche Firmen, die in Afrika investieren wollen. Bei der Generaldebatte im Bundestag vergangenen Mittwoch warb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für einen neuen Pakt mit Afrika. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) arbeitet an einem Entwicklungsinvestitionsgesetz, das Privatinvestitionen in Afrika fördern soll. Anfang Juni beschloss das Wirtschaftsministerium, Geschäfte deutscher Firmen in fünf afrikanischen Staaten besser abzusichern. "Heute setzen wir ein Zeichen für Afrika und unterstützen den deutschen Mittelstand", lobte der parlamentarische Staatssekretär Uwe Bareiß.

Heiko Maas bei einer Rede (Archivbild) (Getty Images/AFP/O. Andersen)

Außenminister Maas wirbt für eine neue Partnerschaft mit Afrika

Euphorie kommt bei der Wirtschaft aber trotzdem nicht auf. Die Ausweitung der Garantien sei richtig, aber nur ein "Tropfen auf den heißen Stein", sagt Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrikavereins der deutschen Wirtschaft, der den Business Day veranstaltet. Bereits letztes Jahr schuf die Bundesregierung mit dem "Marshallplan mit Afrika" und dem "Compact with Africa"umfangreiche Initiativen - die aus Unternehmersicht aber zu großen Teilen nicht umgesetzt sind. "Es geht nicht nur darum, dass der deutsche Mittelstand große Erwartungen hat, die seit einem Jahr enttäuscht wurden. Deutschland und die G-20-Staaten haben den afrikanischen Partnern enorm viel in Aussicht gestellt. Doch auch dort merkt man, dass noch nicht viel passiert ist", sagt Liebing im DW-Interview. 

Deutsche Großkonzerne investieren mehr

Trotzdem gibt es auch positive Nachrichten. Der deutsch-afrikanische Handel ist letztes Jahr um über 11 Prozent gewachsen. Deutsche Großkonzerne interessieren sich weitaus stärker für die afrikanischen Märkte als bisher. Volkswagen hat gerade ein neues Werk in Ruanda eröffnet, 5000 Autos sollen dort pro Jahr montiert werden. Die Allianz hat den nigerianischen Versicherer Ensure übernommen. Daimler will 600 Millionen Euro in Südafrika investieren. "Unser Geschäft ist einigermaßen unabhängig von der Frage, ob für Afrika mehr getan werden soll oder nicht", sagt auch Markus Thill, Afrikachef von Bosch. Seit mehr als hundert Jahren ist seine Firma auf dem Kontinent präsent.

Anders sähe es dagegen bei den Mittelständlern aus, heißt es dazu beim Afrikaverein. Sie könnten die Risiken eines Engagements in Afrika nicht alleine tragen. Der Unternehmerverband fordert einen Afrika-Investitionsfonds für den Mittelstand. "Die kleine Volkswirtschaft Niederlande hat dafür allein 700 Millionen Euro eingelegt. Warum nehmen wir nicht eine Milliarde, um dafür eine Initiative zu starten, die auch Arbeitsplätze in Afrika schaffen kann", sagt Liebing.

Bundeskanzlerin Merkel sitzt in einer Reihe mit afrikanischen Staatschefs bei einer G20-Afrikakonferenz im Juni 2017 (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Während der G20-Präsidentschaft hatte die Bundesregierung zahlreiche Initiativen für Afrika vorgestellt

Bosch sieht noch ganz andere Möglichkeiten, wie die Politik helfen könnte. Beim German-African Business Day nimmt Afrikachef Thill an einem Panel zum Thema Handel teil. Deutschland und die Europäische Union sollten afrikanische Länder stärker beim Aufbau von Freihandelszonen unterstützen, sagt er. "Wir werden immer wieder von afrikanischen Regierungen gebeten, in ihrem jeweiligen Land eine Fabrik zu bauen. Die meisten afrikanischen Länder sind vom Markt her aber noch zu klein, um eine Fabrik zu rechtfertigen. Daher wäre es sehr sinnvoll, wenn die Märkte vergrößert werden könnten. Dann kommen die Investitionen von selbst", sagt Thill.

Afrikanische Unternehmer wollen mehr Unterstützung

Mbwana Ally vertraut schon jetzt auf eine Vielzahl afrikanischer Märkte. Der gebürtige Tansanier hat in Großbritannien und den USA gelebt und gearbeitet, nun ist er Investor. Sein Fonds hat nach eigenen Angaben Geld in Firmen in sechs afrikanischen Ländern gesteckt, 200 Arbeitsplätze seien entstanden. Für ihn als Unternehmer sei es logisch, dass die Bundesregierung Privatinvestitionen deutscher Firmen stärken wolle, sagt Ally der DW. Doch zudem müssten ausländische Regierungen darauf achten, dass Afrika von den Investments profitiere - zum Beispiel dadurch, dass die ausländischen Firmen vor Ort Arbeitskräfte ausbildeten: "Man darf die lokalen Firmen vor Ort nicht vergessen", warnt Ally. "Wenn man deutsche Firmen mit Finanzmitteln unterstützt, damit sie in Afrika tätig werden, sollte man zugleich daran denken, wie man Firmen vor Ort unterstützt. Wichtig sind Partnerschaften auf Augenhöhe. Und man muss dafür sorgen, dass ein wirklicher Wissenstransfer stattfindet."

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