Deutsche Industrie verdoppelt Exportprognose | Wirtschaft | DW | 20.06.2010
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Wirtschaft

Deutsche Industrie verdoppelt Exportprognose

In der deutschen Wirtschaft macht sich wieder Optimismus breit. Der Industrieverband BDI erwartet, dass sich die Ausfuhren in diesem Jahr verdoppeln werden. Zugleich warnt er vor neuen Handelschranken.

Symbolbild Export Hafen Euro Dollar (Montage: DW)

Die deutschen Ausfuhren ziehen wieder an - vor allem bei teuren Autos

"Der deutsche Exportmotor ist wieder angesprungen", stellte Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), fest, als er die Zahlen am Sonntag (20.06.2010) präsentierte. Für das laufende Jahr sei ein Exportwachstum von acht Prozent wahrscheinlich, so Schnappauf. Voraussetzung dafür sei, dass die positive Entwicklung der Weltwirtschaft keinen Rückschlag erleide. Bisher war der Industrieverband lediglich von einer Zuwachsrate von rund vier Prozent ausgegangen.

Nach dem neuen Außenwirtschaftsreport, den Schnappauf in Berlin vorstellte, stiegen in den letzten drei Quartalen die deutschen Exporte im Vergleich zum jeweiligen Vorquartal im Schnitt um 4,5 Prozent. Trotzdem aber lagen die Ausfuhren aufgrund des Einbruchs während der Wirtschaftskrise im ersten Quartal noch um 12 Prozent unter dem Vorkrisenniveau.

Porträt Schnappauf (Foto: dpa)

Der Exportmotor läuft wieder: BDI-Hauptgeschäftsführer Schnappauf

"Made in Germany" wieder gefragt

Die internationale Nachfrage nach "Made in Germany" könne Deutschland aus der Krise ziehen, prognostizierte Schnappauf. Insbesondere die Erwartungen der Chemie- und Elektroindustrie seien weiter positiv. Zugleich warnte er aber, dass es immer noch kein selbsttragendes Wachstum in Deutschland gebe.

Mit Blick auf das bevorstehende Gipfeltreffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer ab nächsten Sonnabend (26.06.2010) in Toronto in Kanada rief er zu einem entschlossenen Vorgehen zur Regulierung der Finanzmärkte und gegen Wettbewerbsverzerrungen auf. Statt Handelshemmnisse abzubauen, seien zwischen November und April unter den in der G20 zusammengeschlossenen Industrie- und Schwellenländern 73 neue Handelsbeschränkungen erhoben worden. Im Gegenzug seien aber nur 18 abgeschafft worden oder ausgelaufen: "Das ist ein alarmierender Trend", urteilte Schnappauf.

Zuversicht auch bei den Betrieben

Auch die deutschen Unternehmen zeigen sich zunehmend zuversichtlich. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) beurteilten die deutschen Betriebe und Firmen sowohl ihre derzeitige Lage als auch die Erwartungen besser als zu Jahresbeginn. Die Konjunkturerholung beschleunige sich über alle Wirtschaftszweige hinweg, erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben.

Auslöser für die optimistische Einschätzung ist auch hier vor allem der Export. Dieser erfülle einmal mehr seine Rolle als Zugpferd und hieve die Wirtschaft aus der Krise, hob Wansleben hervor. Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Finanzmarktexperten dagegen zeigten sich nicht ganz so zuversichtlich. Die ZEW-Konjunkturerwartungen fielen im Juni im Vergleich zum Mai um 17,1 auf 28,7 Punkte. Die aktuelle konjunkturelle Lage bewerten die Experten dagegen besser als im Vormonat.

Autobauer legen Sonderschichten ein

Dennoch: Die deutschen Autohersteller erleben derzeit offenbar einen Boom. Vor allem die sogenannten Premium-Hersteller wie BMW, Daimler und Audi müssten Sonderschichten fahren und massiv Leiharbeiter beschäftigen, um die unerwartete Nachfrage bedienen zu können, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Die Bestellungen überträfen bei weitem die in den Unternehmen geplante Produktion. Sogar die Sommerferien fielen deshalb in etlichen Werken aus.

Arbeiter bei Daimler montieren im Mercedes Werk in Sindelfingen Fahrzeuge der S-Klasse (Foto: dpa)

Bei deutschen Autobauern rollen die Bänder wieder - sogar samstags

"Noch nie hat sich die Lage in einem so atemberaubenden Tempo zum Besseren gewendet", zitiert das Blatt einen Daimler-Aufsichtsrat. Die Werke seien voll ausgelastet. "Mercedes hat annähernd das Produktionsniveau wie vor der Krise erreicht."

Chinesen wollen luxuriös fahren

Besonders Spitzenmodelle sind dem Bericht zufolge stark gefragt. So habe sich der Absatz der S-Klasse von Mercedes im Mai um 41 Prozent erhöht, der der E-Klasse um 39 Prozent. Auch BMW habe die höchsten Zuwächse mit einem Plus von 34 Prozent mit seiner 7er Reihe verzeichnet. Gerade in China, der wichtigsten Wachstumsregion, bevorzugten die Kunden luxuriöse Limousinen.

Vielerorts werde sogar samstags gearbeitet, bestätigte ein Daimler-Sprecher. Auch die Audi-Beschäftigten im Werk Neckarsulm müssten für den neuen A 8 samstags ran, so das Blatt.

Leiharbeiter gesucht

Zudem heuerten die Autokonzerne Tausende von Zeitarbeitern an. Daimler habe gegenwärtig rund 1.800 solcher Kräfte beschäftigt, sagte ein Sprecher. Etwa 5.000 Leiharbeiter sind bei BMW im Einsatz, wie das Blatt weiter berichtet. Zudem suche das Unternehmen Hunderte von Jungakademikern und 1.000 Auszubildende.

Für viele Standorte bedeute der unerwartete Nachfrageschub, dass die Sommerferien ausfielen, heißt es in dem Bericht weiter. Das Mercedes-Motorenwerk am Stammsitz Untertürkheim werde keine Betriebsruhe haben, ebenso die Standorte Hamburg und Berlin. Im Werk Bremen werde die Pause von drei auf zwei Wochen verkürzt. Darüber hinaus werde Daimler rund 2.100 Ferienarbeiter einstellen.

Autorin: Eleonore Uhlich (afp,rtr,dpa)
Redaktion. Stephan Stickelmann

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