Deutsche haben ihre Probleme mit der Globalisierung | Aktuell Deutschland | DW | 19.04.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Deutschland

Deutsche haben ihre Probleme mit der Globalisierung

Grundsätzlich bewerten viele Deutsche den Freihandel positiv - gleichzeitig wünschen sie sich mehr Schutz vor negativen Folgen. Mit ihren Sorgen stehen sie nicht alleine da, zeigt eine Studie.

Galerie - Hamburger Hafen (Michael Marek/Sven Weniger)

Containerterminal im Hamburger Hafen

70 Prozent der Befragten in Deutschland sehen den wachsenden internationalen Handel positiv. Allerdings fühlt sich auch die Hälfte (52 Prozent) der Bürger von der Bundesregierung nicht ausreichend gegen negative Effekte der Globalisierung geschützt, wie aus einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht.

Mehr Schutz vor ausländischen Wettbewerbern gefordert

Eine Mehrheit von 57 Prozent der Befragten wünscht sich zudem mehr Schutz für die deutsche Wirtschaft vor ausländischen Wettbewerbern. Allerdings ist dieses Bedürfnis in anderen Ländern zum Teil noch deutlich stärker ausgeprägt: In Frankreich erhoffen sich 75 Prozent der Bürger mehr Schutz vor der internationalen Konkurrenz, in den USA 61 Prozent und in Großbritannien 59 Prozent.

"Globalisierung mit Sicherheitsgurt"

"Die Menschen wünschen sich eine Globalisierung mit Sicherheitsgurt", zieht Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung, Bilanz. Auf dieses Bedürfnis dürften Politik und Wirtschaft aber nicht mit "protektionistischen Irrwegen" reagieren. Die Diskussion um Protektionismus hat zuletzt, spätestens mit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump, deutlich zugenommen. Es gibt Handelskonflikte, vor allem zwischen den beiden größten Volkswirtschaften USA und China.

Aart De Geus (picture-alliance/dpa/K. Pohlkamp)

Aart De Geus, Vorstandschef der Bertelsmann-Stiftung, warnt vor protektionistischen "Irrwegen"

Sorge vor Einkommenseinbußen

In Deutschland glaubt laut der Studie eine deutliche Mehrheit (61 Prozent), dass die Globalisierung eine Chance für Wachstum ist. Zugleich gehen aber nur 23 Prozent davon aus, dass mit ihr Löhne und Gehälter steigen. 57 Prozent glauben das nicht. Zugleich fürchten 55 Prozent eine steigende soziale Ungleichheit.

Beim Thema Arbeitsplatzsicherheit zeigen sich die Deutschen gespalten: 42 Prozent der Befragten befürchten, dass sich der internationale Handel darauf negativ auswirken wird. Zugleich sehen 37 Prozent einen positiven Einfluss des globalen Warenverkehrs auf die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes. Eine deutliche Mehrheit (63 Prozent) hält es nicht für vorteilhaft, wenn deutsche Firmen von ausländischen übernommen werden.

Deutschland Brennstart zu neuem AIDA-Kreuzfahrtschiff (picture alliance/dpa/I. Wagner)

Ein Schweißer auf der Meyer-Werft in Papenburg

Deutschland ein beliebter Handelspartner

Im Vergleich ist Deutschland laut der Untersuchung international immer noch ein gern gesehener Handelspartner. Im Beliebtheitsranking landet die Bundesrepublik insgesamt hinter Japan auf Platz zwei. Auch in den USA glauben viele Menschen weiterhin, dass Handel mit Deutschland eine gute Sache sei. Im Ranking der Vereinigten Staaten landet Deutschland auf Platz drei hinter Kanada und Großbritannien.

"Weltweit profitiert kaum ein Land so stark von Freihandel und Globalisierung wie Deutschland", sagte Christian Bluth, Wirtschaftsexperte und Leiter der Umfrage bei der Bertelsmann-Stiftung. "Dennoch stellt der durch Globalisierung verursachte Strukturwandel auch in Deutschland viele Bürger vor Herausforderungen." Daher sei es wichtig, internationale Offenheit durch einen effizienten und modernen Sozialstaat zu begleiten. Nur so könne der gesellschaftliche Konsens für Handelsoffenheit gestärkt und eine protektionistische Politik vermieden werden.

Für die Studie wurden laut Bertelsmann-Stiftung in zwölf Industrie- und Schwellenländern mehr als 14.000 Menschen online befragt. In Deutschland nahmen mehr als 2000 Bürger teil. Die Ergebnisse sind nach Angaben der Stiftung repräsentativ.

se/stu (rtr, dpa, afp)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema