Deutsche Bank mit positiver Überraschung | Wirtschaft | DW | 16.07.2018
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Banken

Deutsche Bank mit positiver Überraschung

Deutschlands größte Bank sorgt seit Jahren fast ausschließlich für negative Schlagzeilen: Turbulente Hauptversammlungen, oft wechselndes Führungspersonal, zahllose Gerichtsverfahren weltweit. Nun war das mal anders.

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal mehr Gewinn erzielt als erwartet. Mit 700 Millionen Euro vor Steuern lag der um mehr als die Hälfte höher als das, was Analysten im Schnitt erwartet hatten. Und auch nach Steuern blieben mit 400 Millionen Euro gut 240 Millionen Euro mehr übrig als erwartet.

Bei starken Abweichungen von den Prognosen sind Banken verpflichtet, ihre Rahmendaten "Ad hoc", also direkt, zu veröffentlichen. Das schreibt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vor. Genaue Daten wird die Deutsche Bank am 25. Juli bekanntgeben.

Deutschland Christian Sewing (picture alliance/SvenSimon/M. Ossowski)

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing mit guten Nachrichten

Da ist nicht alles Gold, was glänzt

Auf den ersten Blick sei das ein sehr gutes Ergebnis, meint Markus Rießelmann, Analyst von Independent Research. Doch bei näherem Hinsehen zeige sich, dass die Bank stark von Einmaleffekten profitiert habe. So hat sie etwa 100 Millionen Euro erlöst aus dem Verkauf eines Vermögenswertes, auch hier nennt sie bisher keine Details.

Zudem wirkten sich Bewertungseffekte positiv aus. Operativ aber musste die Deutsche Bank auch Rückschläge hinnehmen. So verdiente sie im Handel mit Aktien und Anleihen 15 Prozent weniger als zwischen April und Juni 2017, für dieses Geschäft hatten Analysten nur mit einem Minus von zehn Prozent gerechnet.

Einzelheiten kommen erst in einer Woche

Immerhin schreitet die Restrukturierung wie geplant voran, 1700 Vollzeitstellen wurden im zweiten Quartal abgebaut auf 95.400. Bis zum Jahresende werde diese Zahl auf unter 93.000 sinken, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Die Kosten sinken auch, weil Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten aufgelöst wurden statt diese wie erwartet noch einmal aufzustocken. Das Kostenziel von 23 Milliarden Euro für 2018 werde erreicht, versicherte Sewing gegenüber dpa. Im zweiten Quartal seien die Aufwendungen gegenüber dem ersten Vierteljahr um 700 Millionen auf 5,8 Milliarden Euro gesunken.

Wie stark die bereinigten, also nicht nur die einmaligen Kosten gesunken sind, das ist für Analysten besonders interessant - auch weil Sewing dies zu seinem Amtsantritt als eine seiner vorrangigen Ziele genannt hatte. Weitere Einzelheiten zur Bilanz wird er erst am 25 Juli bekanntgeben.

Zweckpessimismus zahlt sich aus

Der Aktienkurs aber schoss zwischenzeitlich um fast einen Euro gegenüber dem Schlusskurs von Freitag auf 10,51 Euro hoch. Das aber könnte auch daran liegen, dass einige Aktionäre, vor allem Hedgefonds, auf einen fallenden Kurs gewettet hatten und nun ihre Positionen korrigieren mussten. Die Deutsche Bank habe die Erwartungen an ihr Quartalsergebnis so stark gedämpft, dass die Analysten im Vorfeld eher pessimistisch gewesen seien, meint Bankenexperte Rießelmann.

Die Frankfurter hinken weiter hinterher

Doch trotz der nun positiven Überraschung ist die Bank im internationalen Vergleich abgeschlagen. Das zeigt sich beim Blick auf die Quartalsergebnisse der amerikanischen Finanzhäuser: Die Bank of America meldete gestern einen Quartalsgewinn von 6,8 Milliarden Dollar, umgerechnet 5,8 Milliarden Euro. JP Morgan hatte zuvor schon einen Gewinn für das zweite Vierteljahr von 7,8 Milliarden Dollar, also von umgerechnet 6,6 Milliarden Euro, genannt.

"Das operative Geschäft der amerikanischen Banken läuft sehr gut", erklärt Rießelmann diesen Unterschied zur Deutschen Bank. Das Geschäftsmodell stimme, aber auch die Rahmenbedingungen seien besser: So profitieren die amerikanischen Geldhäuser von den steigenden Zinsen in den USA - und nach Steuern zudem von der Steuerreform des amerikanischen Präsidenten Donalds Trump.