Deutsche Bank meldet überraschend Gewinn | Wirtschaft | DW | 27.10.2016
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Banken

Deutsche Bank meldet überraschend Gewinn

Negativschlagzeilen ohne Ende und ein komplizierter Konzern-Umbau und dann doch ein Plus in der Bilanz: Deutschlands größtes Geldhaus verzeichnet einen Gewinn von 619 Millionen Euro vor Steuern.

Im dritten Quartal des Jahres kam die Deutsche Bank auch nach Steuern auf einen Gewinn. Hier lag das Plus bei 278 Millionen Steuern, wie die Bank in Frankfurt mitteilte. Experten hatten erneut mit Verlusten zwischen 600 und 900 Millionen Euro gerechnet.

Der Chef der Deutschen Bank John Cryan sagte zu den Ergebnissen: "Wir sind beim Umbau unserer Bank gut vorangekommen." Er räumte allerdings ein, dass in den vergangenen Wochen Konflikte mit den USA über angedrohte Milliardenstrafen im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden hätten. "Das hat zu Unsicherheit geführt", so Cryan.

"Unsicherheit"

Der Deutschen Bank droht in den USA eine Strafe von 14 Milliarden US-Dollar wegen krummer Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise. In Verhandlungen mit US-Behörden versucht die Bank, die Forderungen zu verringern. Bisher hatte das Finanzhaus rund 5,5 Milliarden Euro für mögliche Strafzahlungen zurückgelegt. In der neuen Bilanz wird dieser Betrag auf 5,9 Milliarden Euro erhöht. Beobachter vermuten, dass auch das nicht ausreichen könnte. Deshalb machen immer wieder Spekulationen über eine bevorstehende Kapitalerhöhung die Runde.

Der Rechtsstreit in den USA hat vor allem reiche Kunden der Bank schwer verunsichert. Allein in der Vermögensverwaltung zogen sie im dritten Quartal neun Milliarden Euro ab, vor allem in der zweiten September-Hälfte, als die 14-Milliarden-Dollar-Forderung des US-Justizministeriums bekannt wurde. Im Fondsgeschäft flossen weitere acht Milliarden ab, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor, wie die Deutsche Bank am Donnerstag einräumte. Auch Anfang Oktober habe sich diese Entwicklung noch fortgesetzt.

Deutsche Bank Aktie erstmals unter 10 Euro

Umbau bei Deutschlands größter Bank

Starke Schwankungen

Der groß angelegte Konzernumbau unter dem Vorstandsvorsitzenden Cryan führte in der letzten Zeit zu starken Schwankungen in der Bilanz. Im zweiten Quartal dieses Jahres hatte sich der Konzern unter dem Strich nur knapp in den schwarzen Zahlen gehalten. Im dritten Quartal 2015 dagegen – dem ersten unter Vorstandschef John Cryan - hatten Abschreibungen zu einem Verlust von sechs Milliarden Euro geführt. Die Erträge - also die gesamten Einnahmen - stiegen trotz des Zinstiefs und des laufenden Schrumpfkurses im dritten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um zwei Prozent auf 7,5 Milliarden Euro.

Die Deutsche Bank will sich unter anderem aus zehn Auslandsmärkten komplett zurück ziehen. Am Donnerstag wurde bekannt, dass das Geldhaus auch seine mexikanischen Töchter verkauft. Deutsche Bank Mexico und Deutsche Securities gehen für eine nicht bekannte Summe an die mexikanische InvestaBank.

Problem Postbank

Im eigenen Haus werden unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze wegfallen, 4000 davon in Deutschland. Bis Ende 2017 sollen etwa 200 der 700 Filialen geschlossen werden. Unklar ist die Zukunft der Postbank. Die Deutsche Bank will sich von der Bonner Tochter eigentlich trennen. Doch immer wieder machen Gerüchte über eine Rolle rückwärts die Runde: Mangels Käufern könnte das Geldhaus die Postbank behalten und mit dem eigenen Privatkundengeschäft zusammenlegen.

ar/SC/djo/ul (rtr, dpa, afp) 

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