Deutsche Bank - kein Ausweg in Sicht? | Wirtschaft | DW | 17.01.2019
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Finanzbranche

Deutsche Bank - kein Ausweg in Sicht?

Die Deutsche Bank könnte im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals seit 2014 wieder Gewinn machen - doch die US-amerikanische Konkurrenz ist längst enteilt. Wie soll es weitergehen?

Bei diesen Zahlen kann einem angst und bange um die Deutsche Bank werden. US-amerikanische Großbanken wie die Citigroup, Wells Fargo, Bank of America, Goldman Sachs und JP Morgan konnten in dieser Woche zusammen Gewinne in Höhe von fast 110 Milliarden Dollar für 2018 ausweisen. Alleine der Branchenprimus JP Morgan steigerte seinen Gewinn um mehr als ein Drittel auf 31 Milliarden Dollar (27 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Der aktuelle Marktwert der Deutschen Bank liegt bei gerade mal 15 Milliarden Euro. 

Für die Bilanzvorlage der größten deutschen Bankin zwei Wochen erwarten die Analysten lediglich einen Überschuss von circa 400 Millionen Euro - so viel Geld verdient JP Morgan an gerade mal fünf Arbeitstagen.

Schlechtes Omen

Als besonders schlechtes Omen für die Deutsche Bank kann dabei die Tatsache gelten, dass der amerikanische Wettbewerber zuletzt beim Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen sogar große Schwierigkeiten hatte. In diesen Sparten - die wenigen, in der auch die Deutsche Bank Geld verdient - fiel das Geschäft im letzten Viertel des Jahres so schwach aus wie seit der Finanzkrise nicht mehr.

Trotz des Rekords blieben die Zahlen für das Gesamtjahr deshalb noch hinter den Erwartungen viele Experten zurück. Selbst ohne die von US-Präsident Donald Trump initiierte Steuerreform hätte es nach Angaben von JP Morgan-Chef Jamie Dimon einen Rekordgewinn gegeben.

Deutsche Bank - Christian Sewing (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Christian Sewing - der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Geldhaus gibt sich betont optimistisch.

Ungeachtet dieser Zahlen und des starken Kursverfalls ihrer Aktien von rund 100 Euro im Jahr 2006 bis unter 10 Euro 2018 zählt sich die Deutsche Bank zu den großen und starken Instituten in Europa. Man verfüge über hohe Reserven und habe die Kosten im Griff, Markt- und Kreditrisiken seien so gering wie selten zuvor, sagte der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing kürzlich beim Hauptstadtempfang seines Hauses.

Auch die Rechtsrisiken habe die Bank in den vergangenen Jahren erheblich reduziert - ein Bereich, in dem aufgrund von Rechtsverstößen und daraus resultierenden Strafen und Schadenersatzforderungen Kosten in Milliardenhöhe angefallen waren.

Vorstandvorsitzender gibt sich selbstbewusst

"Wir wollen die Verdachtsmomente im Zusammenhang mit den Panama Papers schnellstmöglich ausräumen", sagte Sewing in diesem Zusammenhang und betonte, es gebe auch keine Hinweise auf ein Fehlverhalten seines Hauses im Falle der Danske Bank, bei dem es wie bei den Panama Papers um den Verdacht der Geldwäsche geht.

"Wir sind die mit Abstand größte Bank in der größten Volkswirtschaft Europas. Wir gehören zu den vier systemrelevantesten Banken weltweit", verkündete Sewing selbstbewusst und klammerte dabei aus, dass "Systemrelevanz" für sich genommen noch lange kein Qualitätsmerkmal ist, sondern sogar als Drohkulisse (too big to fail) aufgefasst werden kann.

JP Morgan Chase Hauptsitz in New York (Timothy A. Clary/AFP/GettyImages)

Die US-Bank JP Morgan Chase ist den Wettbewerbern aus Deutschland weit enteilt.

Fusionsphantasien treiben Aktienkurse

Auf Spekulationen über eine Fusion mit der Commerzbank ging Sewing dagegen nicht ein - die bekamen am Mittwoch (16.01.2019) neue Nahrung: Am deutschen Aktienmarkt standen Deutsche Bank und Commerzbank im Rampenlicht. Dem "Handelsblatt" zufolge wirbt die Bundesregierung, die als Folge der Finanzkrise immer noch 15 Prozent der Commerzbank-Aktien hält, hinter den Kulissen für eine Fusion der beiden Geldhäuser.

Richtig in Fahrt kamen die Aktienkurse der beiden Banken dann nach einem Bloomberg-Bericht am Nachmittag, wonach die Europäische Zentralbank (EZB) und die Finanzaufsicht BaFin einen Zusammenschluss mit einem europäischen Kreditinstitut bevorzugen. Aktien von Deutsche Bank schossen um 8,4 Prozent auf 8,11 Euro in die Höhe. Damit notierten sie so hoch wie seit knapp fünf Wochen nicht mehr und waren mit Abstand größter Dax-Gewinner. Commerzbank-Titel legten 7,4 Prozent zu.

Doch hinter solchen Kurssteigerungen steht wohl eher die Hoffnung auf schnelle Gewinne, an den nachhaltigen Sinn einer solchen Fusion glauben die Anleger nicht. "Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass eine Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank derzeit weder notwendig noch sinnvoll ist", zitiert das "Handelsblatt" einen großen Aktionär. Prompt gaben die Kurse am Donnerstag wieder nach. 

Gewerkschaften bleiben skeptisch

Von einem Zusammengehen der beiden wichtigsten deutschen Geschäftsbanken halten auch die Gewerkschaften wenig. Sie befürchten einen erheblichen Arbeitsplatzabbau, erwarten aber zugleich keine Stärkung der Geschäftsmodelle.

"Beide Häuser haben ihre eigenen, sehr unterschiedlich gelagerten Probleme", sagt Stephan Szukalski, Chef der Gewerkschaft DBV. Diese Probleme löse man nicht mit einer Fusion, sondern potenziere sie. "Ein solches Gebilde wäre auf viele Jahre mit sich selbst beschäftigt, mit ungewissem Ausgang und damit die schlechteste Lösung für Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre und überdies auch für den Steuerzahler."

Da aber die Entwicklung auf den Finanzmärkten die Refanzierungskosten für Banken seit Dezember kräftig steigen lässt und die US-Konkurrenz geradezu übermächtig erscheint, sind sich nach Insider-Berichten alle Beteiligten darüber einig, dass in den kommenden zwölf Monaten bei der Deutschen Bank "etwas passieren muss" - nur was?

 

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