Deutsche Auswanderer überwiegend Akademiker | Aktuell Europa | DW | 04.12.2019
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Auswanderung

Deutsche Auswanderer überwiegend Akademiker

Zum ersten Mal hat das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung untersucht, wer aus Deutschland auswandert und warum. Dabei wird klar: Es sind nicht die Verbitterten und Enttäuschten, die Deutschland den Rücken kehren.

Der durchschnittliche deutsche Auswanderer ist unter vierzig, beruflich erfolgreich und hat einen akademischen Abschluss. Das zeigt die erste repräsentative Studie über deutsche Aus- und Rückwanderer, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in Berlin vorstellte. Demnach ziehen rund 180.000 Deutsche jedes Jahr in ein anderes Land. 130.000 kehren pro Jahr zurück.

Ein Großteil der Studienteilnehmer wandert laut der Untersuchung "German Emigration and Remigration Panel" des Bundesinstituts in Zusammenarbeit mit Soziologen der Universität Duisburg-Essen aus beruflichen Gründen aus - und verdient in der neuen Heimat deutlich mehr. Im Durchschnitt verdienten Vollzeitbeschäftigte monatlich rund 1200 Euro mehr als in Deutschland. "Häufig geht es um den nächsten Karriereschritt", sagte Andreas Ette vom BiB. Als zweithäufigstes Motiv wurde der Lebensstil im Zielland genannt. Für viele ist aber auch der Beruf des Partners oder der Partnerin entscheidend. Außerdem seien die Auswanderer rund 36,6 Jahre alt. Das sei rund zehn Jahre unter dem Durchschnittsalter der Gesamtbevölkerung. Die Forscher fanden zudem heraus, dass der Auslandsaufenthalt meist zeitlich begrenzt ist.

"Domäne der Hochqualifizierten"

Die meisten der 180.000 Auswanderer, 76 Prozent, seien Akademiker. "Auswanderung ist eine Domäne der Hochqualifizierten", hieß es bei der Vorstellung der Ergebnisse. Aber nicht nur Hochqualifizierte profitieren vom Umzug ins Ausland. Besonders für Frauen mit Hochschulabschluss und für Geringqualifizierte zahlt sich der Umzug ins Ausland besonders aus. Ihr Verdienst steigt prozentual überdurchschnittlich. Weil aktuell aber vor allem Akademiker den Umzug ins Ausland wagen, fordern die Forscher in ihrer Studie, öffentliche Förderprogramme gezielt auf Menschen ohne akademischen Abschluss zuzuschneiden.

Das mit Abstand wichtigste Zielland der deutschen Auswanderer war in den vergangenen zehn Jahren mit fast 200.000 die Schweiz, noch vor den USA mit 127.000, Österreich mit 108.000 und Großbritannien mit 82.000. Seit den 1980er Jahren steige die Zahl der deutschen Auswanderer kontinuierlich an, sagten die Forscher. Männer und Frauen wanderten zwar zu gleichen Teilen aus, allerdings dominiere ein "eher klassisches Familienmodell", in dem die Karriere von Männern eine stärkere Rolle spiele. Frauen arbeiteten häufig erst nach der Rückkehr nach Deutschland wieder. 

Für die repräsentative Umfrage wurden 10.000 in Deutschland geborene Menschen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren befragt, die zwischen Juli 2017 und Juni 2018 ins Ausland gezogen oder aus dem Ausland nach Deutschland zurückgekehrt waren.

lh/uh (dpa, afp)  

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