Deutsch-Indischer Umweltschutz – drei Rezepte für die Zukunft | Wissen & Umwelt | DW | 13.02.2019
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Umweltschutz

Deutsch-Indischer Umweltschutz – drei Rezepte für die Zukunft

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat das Deutsch-Indische Umweltforum in Neu-Delhi eröffnet. Hier wird vereint am Klimaschutz gefeilt. Wir stellen drei Beispiele vor.

Indien wandelt sich derzeit rasant: Die Wirtschaft wächst, die Industrie entwickelt sich weiter, der Energiebedarf steigt, immer mehr Menschen wollen in die Städte ziehen.

Das stellt Indien nicht nur vor Herausforderungen, was die Infrastruktur betrifft, sondern auch hinsichtlich des Umweltschutzes. Auf der To-do-Liste steht der Kampf gegen die Luftverschmutzung, die Sicherung von sauberem Wasser, der langfristige und nachhaltige Schutz der Böden, die Bekämpfung von Lärm.

Diese Probleme nimmt Indien ernst und arbeitet gemeinsam mit Deutschland und in internationalen Organisationen daran, die vereinbarten Umweltziele zu erreichen.

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Eine Frau in Neu Delhi trägt eine Atemschutzmasken

Dicke Luft: Die Liste der Städte mit der weltweit stärksten Luftverschmutzung führt Indien seit jeher an

Klimaschutz: Kein Alleingang 

Zwischen Deutschland und Indien gibt es schon seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit.

Wirtschaftlich gesehen gilt Deutschland als Indiens wichtigster Handelspartner in der EU und sechstwichtigster Handelspartner im weltweiten Vergleich. Auch angesichts der Herausforderungen im Umwelt- und Klimabereich setzen Deutschland und Indien auf einen verstärkten politischen Dialog.

So wurde im Rahmen des Deutsch-Indischen Umweltforums eine Reihe von gemeinsamen Arbeitsgruppen auf den Weg gebracht, die zu den Themen Klimaschutz, nachhaltige Stadtentwicklung, Wasser sowie Abfall und Kreislaufwirtschaft tagen.

Ergänzend dazu verfolgt das Energieforum das Ziel, klimafreundliche, effiziente und nachhaltige Lösungen für den wachsenden Energiebedarf Indiens zu entwickeln. 2015 verabschiedeten die beiden Länder eine gemeinsame Klimaschutzerklärung

1. Smart Cities

Im April 2015 gab die indische Regierung den Startschuss für das "100 Smart Cities"-Programm. An zunächst 100 Orten sollen intelligente Städte entweder völlig neu gebaut oder bestehende Städte hinsichtlich ihrer Infrastruktur effizienter und lebenswerter gestaltet werden – und somit auch gesünder und sauberer. Deutschland unterstützt drei indische Städte auf dem Weg zur Smart City: Kochi, Coimbatore und Bhubaneswar.

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Baustelle der Smart-City Gandhinagar in Indien

Die Stadt Gandhinagar wird im Rahmen des Smart City-Projekt aus dem Boden gestampft

Die "100 Smart Cities"-Maßnahmen schließen vor allem den Ausbau der städtischen Wasserversorgung, der Sanitäranlagen, der Abfallwirtschaft, des bezahlbaren Wohnungsangebots und des öffentlichen Verkehrs mit ein. So berät beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) die indischen Smart Cities bei der Planung und Realisierung nicht motorisierter, öffentlicher Mobilität oder der Einbeziehung verschiedener Verkehrsmittel.

2. Mehr Sonnenenergie

Indien hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in den kommenden Jahren auf 25 Prozent zu verfünffachen, einen Großteil davon über Solaranlagen. Im Rahmen der Deutsch-Indischen Solarpartnerschaft unterstützt Deutschland die indische Regierung beim Bau von Solardächern, Solarparks und Inselsystemen.

Solarpanels auf einem Zugwagons in Indien

Neu-Delhi schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Metro wird zuverlässig mit Strom versorgt, erzeugt mit Solarkraft

Mithilfe der GIZ wurden zum Beispiel Metrostationen mit Solaranlagen bestückt – die Metro von Neu-Delhi erzeugt damit einen erheblichen Teil ihres Stroms selber. Zwar ist die Metro als Fortbewegungsmittel klimafreundlicher als Autos oder Motorräder, dennoch verbraucht sie enorme Mengen an Strom – monatlich etwa so viel wie 100.000 indische Haushalte.

Noch dazu sind die Verkehrsnetze in Indien oft überlastet. Stromausfälle sind die Folge. Mit dem Umstieg auf Solarkraft sollen Indiens Metros in Zukunft zuverlässiger werden.

3. Intelligentes Wassermanagement

In vielen Metropolen Indiens ist das Trinkwasser auf ein paar Stunden pro Tag beschränkt, es gibt Stadtviertel, die nicht mal an die Wasserversorgung angeschlossen sind. Oft fehlen Kanalisationen und Kläranlagen – mit der Folge, dass Abwässer unbehandelt in Flüsse und Seen eingeleitet werden, die zum Teil als Trinkwasserquelle dienen.

Beim Bewältigen dieser Herausforderung unterstützt das vom Bundesumweltministerium (BMU) geförderte Projekt "Smart Water Future India" Indien dabei, ein intelligentes Wassermanagement für seine Metropolen zu entwickeln. 

Bewohner von Neu-Delhi zapfen Wasser aus einem Tank (Reuters/A. Mukherjee)

Verschmutzte Gewässer, fehlende Abwasserkanäle und Kläranlagen, ausreichende Trinkwasserversorgung: Indiens Metropolen kommen beim Ausbau der kommunalen Infrastruktur kaum nach

Das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB ist an der Koordination des Projekts beteiligt. Am Beispiel der südindischen Millionenstadt Coimbatore soll vorerst ein Konzept für das nachhaltige Wassermanagement einer intelligent vernetzten Stadt entwickelt werden. Im Fokus hierbei steht ein intelligentes Wassermanagement, das auch die Sektoren Energie und Ernährung berücksichtigt sowie Technologien, um die Wasserqualität von gereinigtem Industrieabwasser, Oberflächengewässern und Grundwasser zu überwachen.

Ziel der Stadt Coimbatore ist es, bis 2045 alles Abwasser zu sammeln und zu reinigen. 70 Prozent des Wassers sollen wiederverwendet und auch Regenwasser genutzt werden.

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