Deutsch-afrikanischer Jugendaustausch bleibt schwierig | Afrika | DW | 07.05.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Deutsch-afrikanischer Jugendaustausch bleibt schwierig

Vor drei Jahren ging die "Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative" an den Start - mit einem ehrgeizigen Ziel: Mehr junge Afrikaner sollen in Deutschland einen Freiwilligendienst leisten. Die bisherige Bilanz ist gemischt.

Für junge Europäer ist es längst nichts Ungewöhnliches mehr, für Afrikas Jugend aber noch die Ausnahme: ein Freiwilligendienst im Ausland. 3.382 Deutsche nutzten dazu letztes Jahr das "Weltwärts"-Programm der Bundesregierung, ein gutes Drittel von ihnen reiste nach Afrika. Aber nur 206 Afrikaner kamen durch das Programm nach Deutschland. Dabei könnten es viel mehr sein. 2016 rief Bundesentwicklungsminister Gerd Müller die "Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative" (DAJ) ins Leben. Ihr Ziel: Mehr junge Deutsche für einen Afrika-Aufenthalt zu begeistern. Im Gegenzug sollte sie aber auch mehr jungen Afrikanern einen Aufenthalt in Deutschland ermöglichen. Pilotländer sind aktuell Benin, Tansania und Südafrika.

Die DAJ investiert seit 2016 in den sogenannten Süd-Nord Austausch. Dadurch hat sich die Zahl der Jugendlichen aus afrikanischen Ländern, die in Deutschland Freiwilligenarbeit leisten, mehr als verdoppelt. Investiert wurde beispielsweise in ein Programm für afrikanische Schulpartnerschaften, in Stipendien für afrikanische Studenten und in die Förderung außerschulischer Austauschprogramme. Allein für "Weltwärts" gibt es nach DAJ-Angaben pro Jahr bis zu 400 Plätze für junge Freiwillige aus Afrika, die ehrenamtlich in Deutschland arbeiten könnten. Doch viele Plätze bleiben immer noch frei.

Nelson Mandela Day in Sudafrika (picture-alliance/dpa)

Auch für Schulpartnerschaften stellt die DAJ finanzielle Unterstützung zur Verfügung

Es gebe "noch Luft nach oben", so Ulrike Mann, Abteilungsleiterin der DAJ. "Es liegt nicht an den Finanzen oder an den zur Verfügung gestellten Mitteln im Rahmen von 'Weltwärts' und den anderen Austauschprogrammen", sagt Mann im DW-Interview. 75 Prozent werden durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert, die übrigen 25 Prozent durch die Partnerorganisationen. Die Mittel sind in den letzten Jahren stark gestiegen: "Weltwärts" stellte 2017 4,2 Millionen Euro für Aufenthalte junger Afrikaner in Deutschland bereit. 2015 waren es nur 0,75 Millionen Euro. Die Grundvoraussetzungen seien günstig für junge Afrikaner. Sie müssten sich nur bewerben, sagt Mann. 

Für viele junge Afrikaner bleibt der Freiwilligendienst ein Traum

Doch was hält sie zurück? Die "Weltwärts"-Freiwillige Carlota Memba Aguado hat ein Jahr in Tansania gelebt. Dort hatte sie nicht das Gefühl, dass junge Afrikaner kein Interesse an einem Auslandsaufenthalt haben. "Ich denke, jeder Jugendliche, der die Schule beendet, ist daran interessiert, Dinge zu sehen und zu tun, die die Welt verändern. Ich denke nur, dass es für Afrikas Jugend schwieriger ist, nach Europa zu kommen." Zum Einen sei es für sie schwer, ein Visum zu erhalten, meint Aguado. Einige ihrer Freunde in Tansania seien auch nicht in der Lage, ein Jahr ins Ausland zu gehen, weil sie den Familien helfen und sich beispielsweise um jüngere Geschwister kümmern müssten. Aguados Fazit: "Für sie ist ein Jahr im Ausland nicht so einfach wie für uns. Hinzu kommt noch, dass viele einfach nicht wissen, dass es die Möglichkeit gibt", sagt die 22-Jährige.

Jabulani Nzimande, Vorsitzender der Austauschorganisation South African Alumni Network (SAAN), kann das bestätigen. Der Südafrikaner war vor einigen Jahren selbst als Freiwilliger in Deutschland. Unter anderem arbeitete er in einem Kindergarten in Dresden. Die Arbeit war für ihn so hilfreich, dass er danach SAAN gründete, um mehr jungen Afrikanern einen Austausch zu ermöglichen.

Aya Chebbi nimmt am Step It Up für Gleichberechtigung teil (Getty Images/S. Lovekin)

Aya Chebbi ist die Jugendbotschafterin der Afrikanischen Union

"Viele Jugendliche in Afrika haben Interesse an einem Austausch", sagt Nzimande. Angebote wie "Weltwärts" seien aber nicht allzu bekannt. Andere Angebote kommen oft auch nicht infrage: "In Deutschland finanziert die Regierung solche Programme, bei uns muss man sich das Geld selber zusammensuchen. Daher besteht von der afrikanischen Seite her einfach weniger Interesse."

Nzimande hält es für sinnvoll, auch panafrikanische Austausche zu organisieren. "Wir sollten zunächst mit der Freiwilligenarbeit in unserem eigenen Land starten, dann auf unserem Kontinent, dann in der Welt. Denn es kann  gut sein, dass jemand in Togo oder Tansania deine Kenntnisse benötigt. Wäre ich Präsident meines Landes, würde ich den Jugendaustausch zu meiner Priorität machen", sagt Nzimande.

Wie geht es nach 2020 weiter?

Aya Chebbi, Jugendbotschafterin der Afrikanischen Union, mit der Deutschland im Rahmen der DAJ kooperiert, macht sich schon seit langem für die Förderungen junger afrikanischer Talente stark. "Dass die Kommission der Afrikanischen Union seit 2017 der Motor der DAJ ist, und dass wir drei Pilotländer haben, zeigt den Willen. Aber ich denke, es muss noch mehr passieren: es gibt 55 Länder, Afrika ist der jüngste Kontinent der Welt", sagte sie im DW-Interview. "Wir müssen immer mehr junge Menschen erreichen. Dafür brauchen wir viele afrikanische Regierungen, die sich anschließen und Partnerschaften ermöglichen, damit Jugendlichen aus ihren Ländern nach Deutschland und Europa gehen können, um Netzwerke zu knüpfen und ihre Ideen umzusetzen, wenn sie zurückkehren."

Die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative wird 2020 auslaufen. Chebbi aber fordert, dass der afrikanische Jugendaustausch weitergehen muss. "Ich denke, wir müssen jetzt darüber reden, was wir über 2020 hinaus tun können." Denn der Grund, warum die Initiativen gestartet wurde, bleibt aus ihrer Sicht bestehen: der Austausch deutscher und afrikanischer Freiwilliger, die an eine grenzenlose Welt und transnationale Solidarität glauben.

Die Redaktion empfiehlt