Der Unfrieden wächst | Welt | DW | 06.06.2018
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Global Peace Index

Der Unfrieden wächst

Der aktuelle Global Peace Index zeichnet ein düsteres Bild mit wenigen Sonnenstrahlen. Auch in Europa ist demnach die Friedfertigkeit gesunken. Immerhin haben mehr Länder ihre Rüstungsausgaben gesenkt als gesteigert.

Die Welt ist im vergangenen Jahr kein friedlicherer Ort geworden. Jedenfalls nicht, wenn man die Daten des neuen Global Peace Index (GPI) heranzieht. Den GPI hat das Institute for Economics and Peace (IEP) an diesem Mittwoch in London zum mittlerweile zwölften Mal veröffentlicht. In 92 Nationen ist demnach die Friedlichkeit 2017 gesunken, während es nur in 71 Ländern Verbesserungen gab, berichtet Steve Killelea vorab im Gespräch mit der DW. Der Negativtrend halte damit schon im vierten Jahr in Folge an.

Insgesamt, so der Gründer und Vorsitzende des IEP, habe die Friedfertigkeit auf der Welt in den vergangenen zehn Jahren abgenommen. Verantwortlich dafür sind für Killelea vor allem die Konflikte im Mittleren Osten. Insgesamt ist die Region Mittlerer Osten und Nordafrika laut GPI die am wenigsten friedliche Region der Welt. Am untersten Ende des 163 Staaten umfassenden Rankings steht dann auch Syrien. Weiter Länder am Ende dieser Skale sind Afghanistan, Süd-Sudan, Irak und Somalia.

Westeuropa steigt im Index ab

Als weltweit friedfertigste von insgesamt neun Weltregionen hat das IEP Europa ermittelt. Von den fünf friedfertigsten Staaten der Welt liegen bis auf Neuseeland alle in Europa: Island, Österreich, Portugal und Dänemark. Deutschland liegt unverändert auf Rang 17. Und doch, führt IEP-Chef Killelea aus: "23 der 36 Länder, die wir zu Europa rechnen, haben sich im vergangen Jahr verschlechtert". Diese liegen vor allem in Westeuropa, Osteuropa hat sich insgesamt sogar verbessert.

Infografik Global Peace Index 2018 DE

Berechnet wird der GPI anhand von 23 Indikatoren in den drei Bereichen "Sicherheit in der Gesellschaft", "andauernde Konflikte" sowie "Militarisierung". Im Bereich Sicherheit in der Gesellschaft schauen die Forscher des IEP zum Beispiel auf die Mordrate, auf die Zahl der Inhaftierten, auf die Anzahl von Polizisten oder auch auf die Wahrnehmung von Kriminalität. Der Bereich Militarisierung erfasst die Zahl der Soldaten, die Rüstungsausgaben im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung und auch eventuelle Rüstungsexporte.

Mehr Länder investieren weniger in Rüstung

Während in Europa unter dem Druck der US-Administration über eine Erhöhung der Rüstungsausgaben debattiert wird, weist der globale Trend bei den Rüstungsausgaben nach unten, erläutert IEP-Gründer Killelea: "In den vergangenen zehn Jahren haben 104 Länder ihre Rüstungsausgaben im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung gesenkt. Und 115 Länder haben ihr Militärpersonal reduziert."

Infografik Global Peace Index Veränderung DE

Der Blick auf die letzten zehn Jahre offenbart aber auch: Die Intensität der Konflikte hat sich deutlich erhöht. Killelea macht das an Zahlen fest: "Die Zahl der Toten auf den Schlachtfeldern der Welt hat sich um 246 Prozent erhöht, die Zahl der Todesopfer durch Terrorismus ging im letzten Jahrzehnt um 203 Prozent in die Höhe."

Aufsteiger Sub-Sahara-Afrika

Die größten positiven Veränderungen im GPI hat es in Sub-Sahara-Afrika gegeben. Gambia etwa kletterte gleich 35 Plätze im Ranking nach oben, die größte Verbesserung im ganzen Index. Aber auch Liberia, Burundi und Senegal schafften es unter die fünf Länder mit den größten Verbesserungen.

Der GPI führt in diesem Jahr auch erstmals die Kategorie "Positiver Frieden" ein. Die versucht Frieden nicht bloß als Abwesenheit von Konflikt und Krieg zu betrachten. "Positiver Frieden" untersucht Strukturen, soziale Faktoren und Institutionen, die zur Friedfertigkeit von Gesellschaften beitragen. Und, was gut ist für den Frieden, sei auch gut für die Wirtschaft, betont IEP-Chef Killelea: "Jedes Prozent Verbesserung beim Positiven Frieden geht mit einem Wachstum der Wirtschaft um 1,8 Prozent einher." Umgekehrt sind über das menschliche Leid hinaus die wirtschaftlichen Kosten von Konflikt, Krieg und Gewalt gigantisch: 2000 US-Dollar sind es laut GPI pro Mensch, der diesen Planeten bewohnt.

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