Der FC Bayern ist zurück bei sich selbst | Sport | DW | 09.03.2019
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Bundesliga

Der FC Bayern ist zurück bei sich selbst

Just in der entscheidenden Phase der Saison findet der FC Bayern München sein "Mia san mia"-Gefühl wieder. Die Ausbootung dreier Münchener Nationalspieler durch Joachim Löw spielt dabei keine unwichtige Rolle.

Es ist eine alte Weisheit: Der äußere Feind eint im Innern. Nun darf man Bundestrainer Joachim Löw nicht als Feind des FC Bayern bezeichnen, das ginge zu weit. Und doch, der Effekt ist da: Der stilistisch diskutable Rauswurf von Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng aus der Nationalmannschaft durch Löw hat den Verein aufgewühlt, er beschäftigt Spieler, Verantwortliche und Fans seit Tagen. Darf man so mit gestandenen Weltmeistern umgehen? Und vor allem: Darf man so mit Spielern des FC Bayern umspringen?

Die Ausbootung der drei Bayern-Größen ist eine ungewohnte Erfahrung für den Klub. Nicht mehr gut genug für die Nationalelf, wo man doch seit jeher das Grundgerüst stellt? Nein, so etwas kann der Verein mit dem nach außen getragenen "Mia san Mia"-Gefühl nicht einfach akzeptieren. Natürlich ist es auch ein kleiner Vorteil, drei wichtige Stammspieler nicht für kräftezehrende Länderspielreisen abstellen zu müssen. Aber schwerer wiegt der Machtverlust. "Meine Spieler waren enttäuscht. Mit 30 beziehungsweise 29 Jahren als altes Eisen bezeichnet zu werden, das ist, glaube ich, nicht richtig", stellte sich Trainer Niko Kovac vor seine Spieler.

"Mit dem 6:0 sind wir noch gut bedient"

Bundesliga FC Bayern München v VfL Wolfsburg (Getty Images/Bongarts/S. Widmann)

Gegen Wolfsburg trifft er am liebsten: Robert Lewandowski schießt sich für Liverpool warm

Solche Emotionen in positive Energie umzusetzen, ist eine hohe Kunst im Leistungssport. Den Bayern gelang sie eindrucksvoll: Geschlossen und Arm in Arm sprangen, sangen und feierten die Bayern-Spieler nach Abpfiff mit ihren Fans vor der Tribüne. Kurz zuvor hatten sie eine Antwort auf den Affront durch Löw gegeben: Mit 6:0 (2:0) fegten sie den VfL Wolfsburg aus dem Stadion. Dass Letzterer zu den besten Auswärtsteams der Bundesliga gehört, war an diesem Nachmittag nicht zu erkennen. Die Wölfe wurden vom FCB förmlich überrannt. "Die ganze Mannschaft spielt einfach gut. Mit dem 6:0 sind wir noch gut bedient", sagte ein ehrfürchtig klingender Maximilian Arnold, VfL Wolfsburg.

Dass dabei Hummels, Boateng und Müller in der Startelf der Bayern standen, gehört zur besonderen Geschichte dieses Spiels. Zwar überzeugten die drei bei weitem nicht immer in dieser Saison, doch in dieser Partie ging es eben auch um ein Signal der Geschlossenheit des gesamten Klubs nach außen.

Kovac klatscht seinen Spielern Beifall 

Nach einem noch verhaltenen Start, schossen sich die FCB-Stars langsam warm und nach einer halben Stunde folgte ein Doppelschlag: Erst kombinierten Joshua Kimmich sowie Thomas Müller und setzten dabei Serge Gnabry in Szene, der locker die Führung erzielte (34. Minute). Dann waren es James Rodriguez und Gnabry, die Robert Lewandowski wie im Training freispielten - das 2:0 (37.). Niko Kovac klatschte Beifall, war sichtlich begeistert von der Darbietung seiner Spieler.

Ein schöner Distanzschuss von James zum 3:0 (52.). Ein Tänzchen von Thomas Müller nach seinem 4:0 (76.). Ein Kopfballtreffer von Außenverteidiger Kimmich zum 5:0 (82.). Und der präzise Fuß des Robert Lewandowski zum 6:0 (85.) machten aus dem Spiel gegen Wolfsburg den perfekten Nachmittag für den FC Bayern. Dass dabei auch der zuletzt immer wieder kritisierte Franck Ribéry ein hervorragendes Spiel machte und drei Torvorlagen gab, dürfte den Bayern-Bossen ebenfalls sehr gut gefallen haben.

Der Trend ist wieder der Freund des FCB

Bundesliga FC Bayern München v VfL Wolfsburg | Jubel (Reuters/M. Dalder)

Inzwischen eine feste Größe im Bayern-Spiel: Serge Gnabry

Vergessen sind die Zeiten von vier sieglosen Heimspielen am Stück. Die Selbstzweifel ob des in die Jahre gekommenen Kaders. Die Kritik an Trainer Niko Kovac, die nahezu groteske Dünnhäutigkeit der Vereinsbosse. Die Wagenburg funktioniert wieder. Was mit jenem Rundumschlag auf der berüchtigten Pressekonferenz im Oktober noch gründlich misslang, fühlt sich jetzt wieder stimmig an: Die Bayern halten zusammen.

Natürlich sei es schön gewesen, dass die Nicht-mehr-Nationalspieler Hummels, Müller und Boateng so ein gutes Spiel gemacht haben, ließ Nationalspieler Kimmich wissen. "Das ist ein gutes Gefühl. Wir wollten unsere Hausaufgaben in der Liga erledigen", so Manuel Neuer, der ebenfalls eine Lanze für seine Mitspieler brach: "Gerade die drei haben ein gutes Spiel gezeigt. Das war sehr wichtig für uns. Und die gesamte Elf war heute da, deswegen haben wir heute 6:0 gewonnen."

Zwölf der letzten 13 Spiele der Liga mit einem Sieg beendet, der Trend ist der Freund des FC Bayern vor der wohl wichtigstem Partie der Saison: dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Liverpool am kommenden Mittwoch. Rechtzeitig zur entscheidenden Phase der Saison ist der FC Bayern in Topform.

Während die Mannschaft von Jürgen Klopp die Tabellenspitze in der Premier League an Manchester City abgeben musste, scheinen die Bayern mehr denn je bereit für große Spiele. Und dass sie dank des Kantersieges nun endlich wieder Tabellenführer der Bundesliga sind (dank der besseren Tordifferenz im Vergleich zu Borussia Dortmund), dürfte sie zusätzlich beflügeln.

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