Der ewige Pizarro will weiter auf Rekordjagd gehen | Sport | DW | 07.05.2019
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Fortsetzung folgt

Der ewige Pizarro will weiter auf Rekordjagd gehen

Werders Rekordtorschütze Claudio Pizarro will noch mindestens eine Saison für die Grün-Weißen auflaufen und danach entscheiden, wie er seine Karriere ausklingen lässt. An Optionen wird es dem Peruaner nicht mangeln.

Deportivo Pesquero, den Verein für den Claudio Pizarro vor 23 Jahren in Peru sein Profidebüt gefeiert hat, gibt es heute nicht mehr. Während sein erster Klub im Jahr 2008 aufgelöst wurde, rockt Pizarro die Bundesliga auch im Alter von 40 Jahren weiter. Sein Tor gegen Borussia Dortmund zum 2:2-Endstand war sein insgesamt 150. Tor für Werder Bremen und sein 196. Tor in der Bundesliga.

Jedes Spiel, jede Minute, jeder Ballkontakt trägt zum Ausbau seines Legendenstatus in der Bundesliga bei. Pizarro hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Rekorde eingestellt, und damit soll noch lange nicht Schluss sein. Denn Pizarro will noch ein Jahr dranhängen - mindestens! Im Interview mit dem Internetportal "MeinWerder" hat er mehrmals sein Bestreben verkündet, dem Fußball mindestens eine weitere Saison erhalten zu bleiben.

Erst Werder…dann Lima?

Die Verhandlungen zwischen Werder und Pizarro laufen bereits, und es soll demnächst eine Einigung zwischen beiden Parteien geben. Werder und Pizarro, Pizarro und Werder. Viermal ist Pizarro insgesamt zu Werder gewechselt beziehungsweise nach Bremen zurückgekehrt.

Claudio Pizarro mit Thomas Schaaf und Klaus Allofs (picture-alliance/dpa/C. Jaspersen)

Claudio Pizarro wird im Sommer 2008 bei seiner Rückkehr nach Bremen vorgestellt

Der SV Werder ist neben dem FC Bayern München eine Herzensangelegenheit für den Peruaner, der im Jahr 2018 die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hat. Deshalb will er noch ein weiteres Jahr an der Weser spielen, um den Fans zumindest einen Teil der ihm entgegengebrachten Liebe zurückzugeben.

Einen Wunsch will er sich danach in seiner aktiven Laufbahn noch erfüllen: Pizarros Vater hatte bereits im April in Peru während eines Interviews für "Radio Capital" bekannt gegeben, dass sein Sohn davon träumt, seine Karriere bei seinem Herzensverein, Alianza Lima, ausklingen zu lassen. Pizarro bestätigte dies im Gespräch mit "MeinWerder": "Ich habe immer gesagt, dass es etwas sehr Spezielles für mich wäre, mit Alianza Meister zu werden, dort, wo alles anfing. Aber schauen wir mal, was passiert."

Pizarro, der Hoffnunsgträger in der Not

Die einzige Bedingung, die Pizarro dem Verein gegenüber "MeinWerder" gestellt hat, ist, dass die Entscheidung über eine Vertragsverlängerung noch in diesem Monat getroffen werden soll. Die einzige Voraussetzung, die er an sich selbst stellt ist, dass sein Körper mithält: "Das Ende wird kommen, wenn mein Körper mir sagt: Jetzt reicht es nicht mehr, um auf Wettbewerbsniveau mitzuhalten."

Doch das Gefühl hat Pizarro noch lange nicht. In dieser Saison hat er für die Grün-Weißen vier Treffer in der Bundesliga und zwei im DFB-Pokal erzielt und dazu zwei Torvorlagen gegeben. Seine Scorer-Punkte bescherten den Bremern in dieser Saison fünf Punkte. Dazu das wichtige Tor im Pokal-Thriller gegen Dortmund zum zwischenzeitlichen 2:2.

DFB Pokal Borussia Dortmund - Werder Bremen (picture-alliance/AP Photo/M. Meissner)

Pizarro feiert mit Max Kruse und Kevin Möhwald (von links nach rechts) sein Tor zum 2:2 im Pokal-Achtelfinale

Aber noch wichtiger ist das, was Pizarro der Mannschaft und den Fans vermittelt. Wenn das Offensivspiel der Bremer nicht auf Touren kommt und der Peruaner zum Aufwärmen an der Seitenlinie aufläuft, geht ein erstes Raunen durchs Weserstadion, welches dann, im Moment der Einwechslung, zur totalen Euphorie und letztendlich zum kollektiven Ausnahmezustand wird, wenn Pizarro, wie gegen Dortmund, ein Tor schießt.

Zukunft als Botschafter?

Für den 40-Jährigen stehen nämlich jetzt schon viele Türen offen, sowohl für die unmittelbare Zukunft als Profi, als auch für die Zeit nach der Karriere. Der Lockruf kommt in diesem Fall aus München, seine zweite fußballerische Heimat in Deutschland. Pizarro hat es geschafft, durch seine Art, seine fußballerische Klasse und seine Verdienste, sowohl in Bremen als auch in München zu einer Legende zu werden.

Bayern München - Bayer 04 Leverkusen 3:0 - ehemaliger Spieler Claudio Pizarro und Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge (picture-alliance/dpa/L. Barth)

Wird Claudio Pizarro (l.) bald Bayern-Botschafter?

Deshalb hat ihm Karl-Heinz Rummenigge einen Job als Bayern-Botschafter in Aussicht gestellt. Werder-Sportchef Frank Baumann hat sogar höher gegriffen: Bundesliga-Botschafter. Denn als Pizarro am 16. Februar in der 96. Minute das Freistoßtor zum 1:1 Ausgleich gegen Hertha schoss und somit zum ältesten Torschützen der Bundesliga-Geschichte avancierte, gab es nicht nur von den Werder-Fans Standing Ovations, sondern auch von den Hertha-Anhängern. Pizarro wird in der Bundesliga von allen geliebt. Seine Bedeutung geht weit über den eigenen Verein hinaus. 

Noch gilt: volle Konzentration auf Werder!

An die Zeit nach der Karriere verschwendet Pizarro aber noch keinen Gedanken. Seine Konzentration gilt einzig und allein seiner Fußballerkarriere und Werder Bremen. Er hat noch Lust, seiner schon jetzt unglaublichen Karriere weitere unvergessliche Momente hinzuzufügen. Erst wenn der Körper nicht mehr mitzieht, will Pizarro aufhören, denn man soll ja bekanntlich dann gehen, wenn es am schönsten ist und den Moment nicht vertagen, bis es zu spät ist. 

Bis dieser Zeitpunkt aber kommt, will er weiter auf Torjagd gehen. Ob der sechsmalige deutsche Meister und sechsmalige Pokalsieger noch weitere Titel holen wird, ist fraglich. Aber es ist davon auszugehen, dass Claudio Pizarro - der Ausländer mit den meisten Einsätzen in der Bundesliga, der Rekordtorschütze von Werder Bremen, der Spieler, der die meisten Jahre hintereinander in der Bundesliga getroffen hat (21 Jahre) - seine Rekorde und seinen Legendenstatus weiter ausbauen wird. Bis zu dem Tag, an dem es dann wirklich am schönsten ist und der Schlussstrich unter eine einmalige Karriere gezogen wird.

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