Der Ausbau der Rüstungsindustrie im Iran | Nahost | DW | 24.09.2010
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Nahost

Der Ausbau der Rüstungsindustrie im Iran

Die Rüstungsindustrie des Iran wächst und wächst. Immer wieder verkünden die Machthaber stolz neue Errungenschaften. Die Bemühungen des Gottesstaates im Rüstungssektor haben eine lange Geschichte.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei der Vorstellung einer neuen unbemannten Drohne (Foto:ap)

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei der Vorstellung einer neuen unbemannten Drohne

Nur Stunden nach der offiziellen Einweihung des Atomreaktors von Bushehr am Persischen Golf gab der Iran bekannt, dass er ein unbemanntes Flugzeug entwickelt habe, mit dem man sich künftig besser als bisher gegen Angriffe werde schützen können. Präsident Mahmud Ahmadinedschad nutzte die Gelegenheit zum Lob für die iranische Rüstungsindustrie. Sie solle Technologien entwickeln, die es dem Iran ermöglichten, "die Hände jeglicher Eindringlinge abzuschlagen", bevor diese ihre Pläne umsetzen könnten.

Starthilfe von den USA und von Israel

Schah Reza Pahlavi und seine Gattin Kaiserin Farah Diba (Foto:dpa)

Schah Reza Pahlavi und seine Gattin Kaiserin Farah Diba wurden noch von den USA mit Waffen unterstützt

Die Ursprünge der iranischen Rüstungsindustrie liegen noch in der Schah-Zeit: Teheran brauchte Einrichtungen zur Instandhaltung seiner amerikanischen Waffen, begann aber auch früh damit, an die Entwicklung eigener Waffen zu denken. Als die USA sich weigerten, bei der Entwicklung von Raketen zu helfen, sprang Israel ein; nach der Islamischen Revolution 1979 begann die Sowjetunion, bei der Entwicklung und dem Bau von Raketen zu helfen.

Zur Zeit des Schahs gab es im Nahen Osten kein Land, das enger mit den Vereinigten Staaten liiert gewesen wäre als der Iran. Ein wirtschaftliches, politisches, vor allem aber auch militärisches Zweckbündnis, das stärker war als die immer schon große Interessengemeinschaft zwischen den USA und Israel. Der Iran präsentierte sich als potenter Statthalter der USA in der Region und als regionaler "Polizist", für dessen Ausrüstung Washington nicht nur rund 40.000 Militärberater entsandte, sondern dem es - bis auf die Raketen - praktisch keinen Waffenwunsch ausschlug.

Bruch mit Washington

Rückkehr Ayatollah Chomeinis aus dem Exil nach Teheran 1979 (Foto:dpa)

Die Rückkehr Ayatollah Chomeinis nach Teheran 1979 besiegelte das Ende der US-Waffenlieferungen

Die noch so moderne Ausrüstung konnte den Sturz des Schahs 1979 jedoch nicht verhindern, seine Nähe zu Washington war und ist bis heute ein Hauptgrund für die tiefe Abneigung und das gegenseitige Misstrauen zwischen Teheran und Washington. Die Islamische Revolution schnitt den Iran von seinem Haupt-Waffenlieferanten ab und zwang das Land, nach alternativen Quellen zu suchen – was besonders dringlich wurde vor dem Hintergrund des ersten Golfkrieges zwischen Iran und Irak, der von 1980 bis 1988 dauerte und unter anderem zur "Iran-Contra-Affäre" führte: Die USA und Israel lieferten Waffen und Ersatzteile an den Iran und mit dem Erlös wurden die "Contras" in Nicaragua unterstützt. Die USA verkauften auch noch Ersatzteile und Munition über Südkorea, Argentinien und Südafrika.

Nach dem Golfkrieg wollte keiner der Beteiligten davon mehr etwas wissen. Die alten Waffen waren entweder zerstört, abgenutzt oder veraltet. Für den Iran bedeutete dies vor allem: Er musste seine Suche nach neuen Waffen intensivieren. Die Auswahl möglicher Lieferanten war nicht gerade groß: Der Westen schied fast völlig aus, die Sowjetunion ebenso. Blieben Länder wie Nordkorea, Pakistan oder andere, die ihre Waffen von den Supermächten erhielten, einen Teil aber an den Iran weitergaben.

Rüstungsboom seit den 90er Jahren

Abdul Qadir Khan, der 'Vater der islamischen Atombombe' (Foto:DW/Abdul Sabooh)

Der Pakistaner Abdul Qadir Khan, der 'Vater der islamischen Atombombe'

Dies bildete geradezu einen Türöffner für Waffenhändler unterschiedlichster Couleur, was wiederum zeitlich mit verstärkten Anstrengungen des Iran beim Aufbau einer eigenen Rüstungsindustrie zusammenfiel. Mit dem Ende der Sowjetunion kamen von dort viele Waffenexperten auf den "freien Markt", aus Pakistan knüpfte der "Vater der islamischen Atom-Bombe", Abdul Qadir Khan, Kontakte zum Iran, iranische Experten sollen in Nordkorea am Bau von Raketen beteiligt gewesen sein und in westlichen Hauptstädten verstärkten iranische Stellen ihre Bemühungen, auf Umwegen an Waffen oder wenigstens an Einzelteile zu kommen.

Die iranische Rüstungsindustrie wuchs besonders rasch, nachdem sie den "Revolutionsgarden" unterstellt wurde. Bereits seit Anfang der neunziger Jahre produziert der Iran einen beträchtlichen Teil seiner Waffen – bis hin zu Panzern, U-Booten und Kampfflugzeugen – selbst und exportiert solche Waffen auch. 2006 sollen 57 verschiedene Länder Rüstungsgüter aus Teheran bezogen haben. Welche Länder das sind, wird nicht an die große Glocke gehängt. Die USA haben aber wiederholt behauptet, dass iranische Waffen in die Hände schiitischer Milizen im Irak gelangt seien. Israel wiederum beschuldigt den Iran, die libanesische Hisbollah und die Hamas im Gazastreifen mit iranischen Waffen und Munition zu versorgen.

Test der iranischen S-300-Boden-Luft-Rakete während einer Militärübung im Südiran im April 2010 (Foto:Fars/Abacapress)

Test der iranischen S-300-Boden-Luft-Rakete während einer Militärübung im Südiran im April 2010

Flugzeuge, Raketen - und Atomwaffen?

Die USA und Israel sind es auch, die dem Iran unterstellen, an Atomwaffen zu basteln, ohne dies bisher jedoch beweisen zu können. Teheran dementiert seit Jahren. Wenn es um andere Waffensysteme geht, dann übt man aber weniger Zurückhaltung. So wurden selbst entwickelte Kurz-, Mittel- und Langstrecken-Raketen immer wieder als großer Fortschritt und nationale Leistung gefeiert. Und so ist auch Verteidigungsminister Vahidi zufrieden: Das jüngst entwickelte, neue unbemannte Flugzeug sei besser und leistungsfähiger als alle seine Vorgänger.

Autor: Peter Philipp
Redaktion: Thomas Latschan