Demonstranten in London machen gegen Boris mobil | Aktuell Europa | DW | 20.07.2019
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Großbritannien

Demonstranten in London machen gegen Boris mobil

Gegner des EU-Austritts und des Brexit-Hardliners Boris Johnson sind auf die Straße gegangen. Mit einer riesigen aufblasbaren Boris-Puppe verballhornten sie den Politiker, der kurz davor steht, Premierminister zu werden.

England Brexit Londoner Demo gegen Boris Johnson mit einer aufblasbaren Puppe (picture-alliance/NurPhoto/W. Szymanowicz)

Johnson-Puppe, aufgestiegen in den Himmel über London

Unter dem Motto "Nein zu Boris, Ja zu Europa" zogen tausende Menschen durch das Zentrum der britischen Hauptstadt. Der Protestzug durch London wurde von "March for Change" organisiert, einem Zusammenschluss EU-freundlicher Gruppen. Die Puppe "sieht vielleicht ein bisschen nach unbeschwertem Spaß aus, aber sie hat eine ernsthafte Botschaft", sagte Tom Brufatto, einer der Organisatoren.

Die Boris-Puppe, von den Protestierenden "Baby Blimp" genannt, erinnert an "Baby Trump", eine riesige aufblasbare Figur am Himmel, mit der Demonstranten US-Präsident Donald Trump während seines Besuchs in London im vergangenen Monat verspotteten.

England Londoner demonstrieren gegen Brexit (picture-alliance/ZUMAPRESS/London News Pictures/D. Haria)

Sie wollen in der Europäischen Union bleiben

In Großbritannien wird mit dem Wort "Blimp" sowohl ein Luftschiff als auch ein selbstgefälliger Erzkonservativer bezeichnet. Die Boris-Puppe trägt ein T-Shirt mit einem roten Doppeldeckerbus und dem Schriftzug "350 Millionen Pfund" darauf. Dies ist eine Anspielung auf eine Kampagne, mit der Johnson Wähler beim Brexit-Referendum in die Irre geführt haben soll.

Johnsons Brexit-Lüge

Er hatte damals behauptet, dass das Vereinigte Königreich wöchentlich 350 Millionen Pfund (knapp 400 Millionen Euro) an die EU weiterleiten müsse. Dieses Geld könne besser in den staatlichen Gesundheitsdienst NHS investiert werden. Was Johnson jedoch verschwieg: Großbritannien erhält einen erheblichen Teil seiner Beiträge zurück, etwa für die Landwirtschaft. Für seine Angaben hatte Johnson heftige Kritik einstecken müssen. So rügte der Chef der Überwachungsbehörde für öffentliche Statistiken den exzentrischen Politiker im September 2017 in einem Brief: "Das ist ein klarer Missbrauch öffentlicher Statistiken." 

England Londoner demonstrieren gegen Brexit (picture-alliance/ZUMAPRESS/London News Pictures/R. Pinney)

Demonstranten am Londoner Parliament Square

Am kommenden Dienstag gibt die Konservative Partei bekannt, wer der Nachfolger der scheidenden Premierministerin Theresa May wird. Haushoher Favorit bei den Tories ist Johnson, dem viele zutrauen, enttäuschte pro-Brexit-Wähler wieder ins Boot zu holen. Seinem Konkurrenten, Außenminister Jeremy Hunt, werden kaum Chancen eingeräumt.

Bereits am Mittwoch soll der neue Premierminister dann May ablösen. Johnson will Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union führen - "komme, was wolle", so Johnsons Ansage. Er droht Brüssel auch mit einem ungeordneten Austritt.

Premierministerin May kündigte ihren Rücktritt vor zwei Monaten an, nachdem sie für ihren mit Brüssel ausgehandelten Deal zum Brexit im Londoner Parlament keine Zustimmung bekommen hatte.

qu/uh (dpa, rtr)

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