Dem Handwerk gehen die Handwerker aus | Wirtschaft | DW | 22.12.2017
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Handwerk in Deutschland

Dem Handwerk gehen die Handwerker aus

Sie hämmern und schrauben, sie sägen und backen: Handwerker sind unentbehrlich. Auch als Wirtschaftszweig spielt das Handwerk eine wichtige Rolle. Sorge bereitet aber der fehlende Nachwuchs.

Das Handwerk in Deutschland sucht händeringend Fachkräfte. "Der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel hemmt unser Wachstum im Handwerk", sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerk (ZDH), Hans Peter Wollseifer, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wir haben volle Auftragsbücher. Manche Betriebe können inzwischen aber keine weiteren Aufträge mehr annehmen, weil ihnen schlicht das Personal fehlt, um diese Aufträge abzuarbeiten."

Für 2017 erwarte das Handwerk ein Umsatzwachstum von 3,5 Prozent, für das kommende Jahr ein Plus von rund drei Prozent. Im abgelaufenen Jahr habe das Handwerk etwa 50.000 neue Jobs geschaffen, etwa doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Wesentlicher Teil des Mittelstands

Das Handwerk ist Kern und wesentlicher Teil des Mittelstandes in Deutschland. Als große Wirtschafts- und Gesellschaftsgruppe nimmt es Einfluss auf das öffentliche Leben, wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) stolz auf seiner Internetseite vermeldet.

Das Handwerk bildet mit seinen kleinen und mittleren Betrieben das Kernstück der deutschen Wirtschaft, so der ZDH. Rund 1.000.000 Betriebe sind in die Handwerksrollen und in das Verzeichnis des handwerksähnlichen Gewerbes eingetragen. Dort arbeiten rund 5,45 Millionen Menschen, mehr als 360.000 Lehrlinge erhalten dort eine qualifizierte Ausbildung. Damit sind 12,5 Prozent aller Erwerbstätigen und 27,4 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland im Handwerk tätig. Im Jahr 2016 erreichte der Umsatz im Handwerk rund 561 Milliarden Euro.

Zum Handwerk in Deutschland zählen über 130 Berufe aus den Bereichen: Bau und Ausbau, Metall und Elektro, Holz und Kunststoff, Bekleidungs-, Textil- und Lederhandwerk, Lebensmittelhandwerk Gesundheits- und Körperpflegehandwerk sowie chemisches und Reinigungsgewerbe, Grafisch-Gestaltendes Handwerk.

Aus- und Weiterbildung

Das Handwerk ist nach eigenen Aussagen Ausbilder Nummer eins in Deutschland. Das Duale System der Ausbildung ist besonders hervorzuheben: Es vereint in der Lehre praktisches Arbeiten und Lernen im Betrieb mit der theoretischen Ausbildung in der Berufsschule. Der Abschluss ist nach drei bis dreieinhalb Jahren die Gesellenprüfung.

Jeder Geselle kann sich weiterbilden und die Meisterprüfung ablegen. Die Meisterprüfung ist die fachliche und unternehmerische Fortbildung auf Bachelorniveau und befähigt zur Unternehmensführung und Ausbildung.

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Azubi-Mangel im Handwerk

Gesellen und Meister können unter vielfältigen Möglichkeiten der Fortbildung wählen; Beispiele sind der Betriebswirt des Handwerks als Fortbildung für Unternehmer und Manager oder der Restaurator im Handwerk als international renommierte fachliche Weiterbildung. In den meisten Bundesländern eröffnet der Meisterbrief den Weg zum Studium an Fachhochschule oder Universität.

Außenwirtschaftliche Aktivitäten und internationale Partnerschaften

Rund 50.000 Unternehmen verkaufen ihre Produkte und Dienstleistungen ins Ausland. Die wichtigsten Absatzmärkte liegen in den europäischen Nachbarländern. Beratung und praktische Unterstützung bei ihren Auslandsaktivitäten erhalten die Betriebe bei den über 90 Außenwirtschaftsexperten in den Handwerkskammern und Fachverbänden sowie den deutschen Auslandshandelskammern (AHK) in 80 Ländern.

Die deutschen Handwerksorganisationen engagieren sich in vielen internationalen Partnerschaften und sind an Projekten der Entwicklungszusammenarbeit beteiligt. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Unterstützung von Kammern und Verbänden der mittelständischen Wirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie dem Berufsbildungsexport. Mit ihren rund 550 Berufsbildungsstätten verfügen die Handwerksorganisationen über Kompetenzen, die von der Organisation und Gestaltung beruflicher Bildungsangebote bis zur Durchführung von Lehrgängen und Abnahmen von Prüfungen reichen. Zur Deckung des weltweiten Bedarfs an gewerblich-technisch qualifizierten Fachkräften sind die Handwerksorganisationen daher ein attraktiver Partner.

Exportquote verdoppelt

Die Exportquote des Handwerks hat sich innerhalb der letzten 15 Jahre verdoppelt und verteilt sich jeweils zur Hälfte auf Produkte und Dienstleistungen.

Die wichtigsten Absatzmärkte liegen in den europäischen Nachbarländern. 60 Prozent des Auslandsumsatzes im Handwerk werden mit Produkten für den gewerblichen Bedarf in den Bereichen Maschinenbau, elektrotechnische Geräte und Einrichtungen sowie mit medizintechnischen Geräten erzielt. Den größten Auslandsumsatz erzielen die Feinmechaniker und Metallbauer; hohe Exportanteile weisen auch die Musikinstrumentemacher, Boots- und Schiffsbauer,  Chirurgiemechaniker, Edelsteingraveure und Landmaschinenmechaniker auf.

Kleiner Wermutstropfen: Der durch niedrige Zinsen befeuerte Bauboom führt die Branche 2017 an den Rand ihrer Kapazitäten. Übersetzt für den Kunden heißt das: Er wartet im Schnitt knapp elf Wochen auf einen Handwerker, also fast drei Monate.

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