David Bowie auf Porzellan verewigt | Musik | DW | 22.08.2016
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Musik

David Bowie auf Porzellan verewigt

Hollywood hat Sterne, Berlin hat Gedenktafeln: Jetzt auch für David Bowie († 10. Januar 2016). Sie hängt in Schöneberg, an der Hauptstraße 155. Dort hat der Popstar Ende der 70er mit Iggy Pop in einer WG gewohnt.

Am Montag (22. August 2016) enthüllte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, die Tafel vor hunderten Fans und Journalisten. Teilgenommen haben auch Kulturstaatssekretär Tim Renner, der frühere Toningenieur der Hansa Studios, Eduard Meyer, und der Bowie-Biograf Tobias Rüther. Zur musikalischen Untermalung der Zeremonie spielte die Band "Chuckamuck" Bowie-Coversongs.

David Bowie sei "Sinnbild für die weltoffene und tolerante Atmosphäre in der Stadt", sagte Michael Müller. Er habe die geteilte Kulturmetropole und West-Berlin weltweit unzähligen Menschen ein Stück näher gebracht. Mit dem Lied "Heroes" habe er die heimliche Hymne der Stadt geschrieben.

Wertvolles Steingut

Die Tafel im Wert von 3400 Euro erinnert an die Zeit, in der David Bowie in Berlin gelebt und eine seiner kreativsten Schaffensphasen hatte. Auf der Tafel sind die drei Alben "Heroes", "Low" und "Lodger" erwähnt, die der Musiker in den 70er Jahren in den West-Berliner Hansa Studios aufnahm. Die Alben sind als Berliner Trilogie des Künstlers in die Geschichte der Popmusik eingegangen.

Ein Mann poliert die Gedenktafel für David Bowie (Foto: dpa)

Vor der Anbringung wird die Tafel noch einmal poliert

Das Haus an der Hauptstraße 155 ist ein schlichtes Mietshaus zwischen einem Tattoo-Studio und einer Praxis für Physiotherapie. Schon immer kamen neugierige Besucher, um sich das Haus anzugucken. Spätestens nach Bowies Tod wurde es zu einer Berliner Pilgerstätte für seine Anhänger. Mit der Plakette ist die Gedenkstätte jetzt "offiziell". Hergestellt wurde die Tafel in der "Königlichen Porzellanmanufaktur" im Berliner Tiergarten. Dort versicherte man, dass sie diebstahlsicher sei. Für alle Fälle aber gebe es Duplikate.

Fans hatten das Teilstück der Hauptstraße bereits kurz nach Bowies Tod in "David Bowie-Straße" umbenannt und ein selbst gebautes Straßenschild angebracht.

Widerstand und Gelächter im Netz

Angefangen hat das Ganze allerdings eher unwürdig - nämlich mit Spott und Häme. Auf dem ersten Entwurf der Gedenktafel, der im Juni durch das Netz schwirrte, standen viele Worte, die eher an einen Eintrag im Lexikon erinnerten. Ein Twitter-User meinte, die Tafel sehe aus wie das Türschild eines Immobilienmaklers, der eine Krankengymnastikpraxis übernommen habe.

David Bowie Iggy Pop (Foto: getty)

David Bowie und die die Punk-Ikone Iggy Pop haben von 1976 bis 1978 in Berlin zusammen gelebt

Viele fanden sie allgemein hässlich und lieblos gestaltet, einer schrieb, der Text klinge wie der Schulaufsatz eines Sechstklässlers, der ein Referat über Bowie halten muss. Besonders peinlich aber war das falsch geschriebene Wort "Triologie" (richtig: Trilogie).

Der für die Gedenktafel zuständige Staatssekretär Tim Renner suchte in der "Schwarmintelligenz" im Internet nach anderen Lösungen für die Aufschrift. Das Netz zeigte sich kreativ und überschüttete Renner mit Vorschlägen. Tenor: Weniger ist mehr.

Tatsächlich stehen jetzt weniger Worte auf der weißen Porzellantafel. Tim Renner hat die Vorschläge der Netzgemeinde beherzigt und den Text deutlich reduzieren lassen. Der wichtigste Satz ist stehen geblieben: "We can be heroes, just for one day".

Musikalisches Denkmal aus Italien

In der norditalienischen Stadt Cesena haben sich bereits im Juli 1000 Musiker getroffen, um gemeinsam den David Bowie-Song "Rebel Rebel" zu performen. "Rockin'1000" nennt sich die größte Rockband der Welt, die mit hunderten Schlagzeugen, Gitarren, Bässen und Sängern, einigen Keyboards, Geigen und selbst Dudelsäcken den kompletten Innenraum eines Stadions füllen. Vor ausverkauften Rängen spielten sie den Song und stellten das Video auf Youtube. Mit der Botschaft: "Haltet zusammen, keine Konflikte mehr – und spielt Rock'n'Roll!"

Der Bowie-Song ist bereits das zweite musikalische Projekt der "Rockin'1000". Im vergangenen Jahr haben sie mit dem Song "Learn To Fly" die Rockband Foo Fighters nach Cesena gelockt. Foo Fighters-Chef Dave Grohl war so gerührt und begeistert, dass seine Band dem Ruf der Italiener gefolgt ist und vor Zehntausenden ein Konzert gab. Wenn David Bowie es könnte, würde er sicher dasselbe tun. Mit der Performance haben die "Rockin'1000" Bowie ein eindrucksvolles musikalisches Denkmal gesetzt.

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