Das Skandal-Derby zwischen Schalke und Bielefeld | Sport | DW | 16.04.2021
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50 Jahre Bundesliga-Bestechungs-Affäre

Das Skandal-Derby zwischen Schalke und Bielefeld

Am 28. Spieltag vor 50 Jahren liefern Schalke 04 und Arminia Bielefeld den Auftakt zu einem Bestechungsskandal, der die Bundesliga nachhaltig erschüttern sollte. Mittendrin: der damalige Neu-Schalker Klaus Fischer.

Jetzt, 50 Jahre danach, ist dieser Skandal nur noch ein Hauch der Geschichte. "Ehrlich gesagt denke ich da gar nicht mehr dran", sagt Klaus Fischer der DW, während er auf einem Golfplatz sein Handicap verbessert. Er hätte gar nicht gewusst, dass dieser, die damalige Bundesliga bis tief ins Mark erschütternde Betrug, nun ein zweifelhaftes Jubliäum feiert. "Das kommt mir nur in den Sinn, wenn ich daran erinnert werde", sagt er.

Was sich heutzutage so nebensächlich anhört, erschütterte damals eine ganze Nation: Fischer war Teil des und mittendrin in diesem Bestechungsskandal von 1971, bei dem sich die damalige Schalker Mannschaft für eine Heim-Niederlage von den Ostwestfalen bezahlen ließ. Am 28. Spieltag sicherte sich die Arminia mit einem "bestellten" (1:0-) Sieg die Chance auf den Klassenerhalt. Das war der Auftakt einer Betrugsmasche in der höchsten deutschen Spielklasse, die ungeahnte Dimensionen annahm.

Fischer: "Das Allerschlimmste"

Klaus Fischer ist noch immer eng mit dem FC Schalke 04 verbandelt

Klaus Fischer ist noch immer eng mit dem FC Schalke 04 verbandelt

Immer dann, wenn der mittlerweile 71 Jahre alte ehemalige Weltklassestürmer noch einmal auf diese für den deutschen Fußball dunkle Zeit angesprochen wird, fällt es ihm schwer, seine Gedanken zu sortieren. Fischers Stimme wird dann leiser, seine Worte sind mit einem tiefen Seufzer versehen. "Das war das Allerschlimmste", sagt Fischer. So, als wollte er sagen, dass man so etwas nie ganz los wird. Egal, wie sehr man auch glaubt, damit abgeschlossen zu haben. Die alten Wunden brechen dann wieder auf.  

Fischer war damals 21 Jahre alt, ein hochtalentierter Angreifer, der eigentlich nur Fußball spielen wollte. "Ich war gerade ein Dreivierteljahr in Gelsenkirchen. Ich war noch so jung, da hat man gar nicht so richtig darüber nachgedacht", sagt Fischer mit leiser Stimme. "Ich hatte damit eigentlich nichts zu tun. Aber ich habe das Geld genommen."

Harte Strafen

Klaus Fischer (r.) mit Rolf Rüssmann (M.) und Stan Libuda beim Meineid-Prozessv 1976

Klaus Fischer (r.) mit Rolf Rüssmann (M.) und Stan Libuda beim Meineid-Prozessv 1976

Die Folge: eine Geldbuße in Höhe von 2300 Mark. Eine Pflichtspende an die Deutsche Krebshilfe von 10.000 Mark. Fischer hatte zudem - wie einige andere Schalke-Spieler - einen Meineid geleistet und musste als Angeklagter vor das Landgericht Essen. Acht Schalker bekamen 1976 Geldstrafen von bis zu 9960 Mark aufgebrummt. Der Klub wurde im Volksmund lange Jahre als "FC Meineid 04" verspottet. 

Anwaltskosten und Verdienstausfälle summierten sich für Fischer zu einem mittleren sechsstelligen Betrag. Denn der Torjäger (allein 268 Bundesliga-Treffer) wurde in der höchsten Spielklasse zunächst lebenslänglich gesperrt, dann wurde die Strafe auf ein Jahr reduziert. Fischer verpasste zudem die WM 1974, weil er Fünf-Jahres-Sperre in der Nationalmannschaft absitzen musste. 

Lächerlicher Lohn

Horst-Gregorio Canellas (M.) bringt den Bundesliga-Skandal ins Rollen

Horst-Gregorio Canellas (M.) bringt den Bundesliga-Skandal ins Rollen

All das für einen geradezu lächerlichen Lohn: 2300 Mark bekam jeder Schalker Spieler für dieses verkaufte Spiel. Zwar viel Geld zur damaligen Zeit, in denen Fußballspieler auch schon Stars, aber unendlich weit weg davon waren, innerhalb kürzester Zeit für das spätere Leben ausgesorgt zu haben. Fischer kaufte sich einen Farbfernseher für das Geld. Für einen Sieg hätte er von Schalke allerdings 2000 Mark Siegprämie erhalten. "Wie kann man so einen Blödsinn nur machen", sagt Fischer mit Blick auf die Vergangenheit. 

Die Sache flog auf, wurde zu einem bundesweiten Skandal. Der Präsident von Kickers Offenbach, Horst-Gregorio Canellas, spielte auf einer Gartenparty zu seinem 50. Geburtstag vor Gästen einen Tonbandmitschnitt vor, der Absprachen von Spielmanipulationen dokumentierte. Bundestrainer Helmut Schön verließ daraufhin sofort die Feierlichkeiten. 

Schlechtes Gewissen

Insgesamt wurden 18 Bundesligaspiele manipuliert - oder es wurde versucht, sie durch Geldzahlungen zu beeinflussen. In den Bestechungsskandal waren mehr als 60 Spieler, Trainer und Funktionäre aus zehn der 18 Erstliga-Klubs verwickelt.

All das ist lange her. "Vier, fünf Jahre lang hatte ich ein richtig schlechtes Gewissen", sagt Fischer. Unangenehm ist es ihm bis heute. Ob so etwas ähnliches in den aktuellen Zeiten nochmal passieren könnte? "Das geht nicht mehr. Damals haben wir ja nichts verdient. Das ist ja heutzutage ganz anders", sagt Fischer.