Das passiert mit dem deutschen Müll | Deutschland | DW | 26.11.2018
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Plastikmüll

Das passiert mit dem deutschen Müll

Deutschland, das Mutterland der Mülltrennung, produziert so viel Plastikmüll wie kein anderes Land in Europa. Woher kommen die ganzen Abfälle - und wohin gehen sie? Die wichtigsten Zahlen und Fakten zum deutschen Müll.

18,16 Millionen Tonnen Verpackungsmüll haben die Deutschen im Jahr 2016 produziert, das berichtet das Umweltbundesamt. Darin eingerechnet sind sowohl die Abfälle aus der Industrie, als auch aus privaten Haushalten. Die alleine haben 2016 rund 5,5 Millionen Tonnen Verpackungen weggeschmissen. Das sind 220 Kilogramm pro Person - etwas weniger als 2015, da waren es 222 Kilogramm.

Infografik Verpackung Abfall Gesamt in der EU NEU! DE

Damit liegt Deutschland nicht nur deutlich über dem EU-Schnitt. In keinem anderen Land der Europäischen Union produzieren die Menschen so viel Verpackungsmüll wie in Deutschland. Vergleichszahlen für das Jahr liegen zwar noch nicht vor. Doch bereits 2015 war der Abstand bei der Müllproduktion so groß, dass es ein Jahr später kaum anders aussehen dürfte. Den kleinsten Pro-Kopf-Verbrauch meldet die EU indes für Bulgarien: 54,7 Kilogramm.

Papier noch vor Kunststoffen

Sowohl Deutschland als auch die EU gehen mit Richtlinien und Verboten gegen Plastikmüll vor. Dabei liegen Kunststoffe nur auf Platz drei der häufigsten Verpackungsabfälle. 2016 verbrauchten die Deutschen 8,1 Millionen Tonnen Papier. Kein anderes Material landete häufiger in deutschen Mülltonnen. Plastik und andere Kunststoffe machten lediglich 3,1 Millionen Tonnen aus.

Infografik Verpackung Abfall Art DE

Allerdings ist es auch weitaus aufwendiger Plastik zu recyclen, als Papier. Darum wurden 2016 auch rund 89 Prozent des Papiermülls recycelt, aber nur 50 Prozent der Kunststoffe. Fast der gesamte restliche Müll in Deutschland landet in Verbrennungsanlagen. Dabei wird unter anderem Strom und Wärme produziert. Früher war es üblich, den Müll auf Deponien zu lagern. Dadurch landete viel Abfall unkontrolliert in der Natur. In Deutschland und anderen Ländern in Europa ist es heute verboten Hausmüll einfach auf Deponien zu kippen. Was wiederverwendet werden kann, muss auch recycelt werden. Der Rest muss verbrannt werden, bevor er auf einer Deponie landen kann.

Größere Wirtschaftskraft, mehr Müll?

In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist die Menge des Verpackungsmülls in Deutschland stetig angestiegen. Dass der Verbrauch trotz vieler ökologischer Maßnahmen nicht sinkt, habe viele Gründe, heißt es aus dem Umweltbundesamt: "Ein Beispiel sind zusätzliche Funktionen der Verpackungen wie Dosierhilfen oder aufwendige Verschlüsse. Diese benötigen mehr Material und machen das Recycling schwieriger. Zudem setzt sich der Trend fort hin zu kleineren Portionen anstatt Großverpackungen, zu Versandhandel anstatt Vor-Ort-Kauf und zu Außer-Haus-Verzehr", heißt es in einem Kommentar der Behörde.

Infografik Verpackung Abfall vergleich mit BIP DE

Auffällig ist, dass die Menge an Verpackungsmüll mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) angestiegen ist. Mehr Müll durch mehr Wirtschaftskraft? Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen Müllmenge und BIP eine anerkannte Größe, um die Nachhaltigkeit im Umgang mit Müll zu messen. Steigt das BIP, während die Müllmenge sinkt, spricht das für Nachhaltigkeit. Seit 1995 steigt der Müllverbrauch in Deutschland allerdings mit dem BIP an.

Vorzeigeland Deutschland?

Deutschland - Heimat des Biers, Land der Dichter und Denker und Erfinder der Mülltrennung. Kaum etwas ist so typisch deutsch wie die mitunter drei oder vier verschiedenen Mülltonnen in unseren Hinterhöfen. Deutschland gilt als Vorreiter beim Thema Recycling. 1991 entstand hier mit dem "Grünen Punkt" das erste System seiner Art, dass den Entsorgern durch Vorsortierung helfen soll, aus Müll neue Rohstoffe zu gewinnen. Laut der europäischen Umweltagentur EEA werden zwei Drittel des gesamten Mülls - also nicht nur die Verpackungsabfälle - in Deutschland recycelt. Das Umweltministerium spricht sogar von bis zu 80 Prozent.

Doch Kritiker werfen den Behörden vor, diese Zahlen zu schönen. Entscheidend ist hierbei, wie diese Statistiken entstehen. Zur Recycling-Quote zählen nämlich offiziell alle Abfälle, die zu einer Sortieranlage geliefert werden. Manchmal landen Abfälle aber auch in einer Mülltonne, für die sie nicht vorgesehen sind. Diese sogenannten "Fehlwürfe" werden aussortiert und meistens verbrannt. In der Statistik zählen sie aber dennoch als "recycelt".

Infografik Verpackung Abfall Recycling in der EU DE

Müll für die ganze Welt

Ein Teil des deutschen Mülls landet aber auch im Ausland. Andere Länder kaufen vor allem gerne Plastikmüll aus Deutschland, um daraus neue Kunststoffe herzustellen. Rund elf Prozent aller Verpackungsabfälle aus Deutschland wurden im Jahr 2016 ins Ausland exportiert, um sie zu recyceln. Gleichzeitig kauft Deutschland selbst Müll aus dem Ausland, vor allem Papier und Glas. Plastikabfälle hat Deutschland 2016 nicht gekauft, erklärt das Umweltbundesamt. Laut Umweltministerium exportierte Deutschland 24,3 Millionen Tonnen Müll, importierte selbst aber nur 22,1 Millionen Tonnen.

Bis zum letzten Jahr galt China noch als "Mülldeponie der Welt". 56 Prozent aller Plastikabfälle weltweit landeten dort. Zum 1. Januar 2018 hat das Land aber den Import von verschiedenen Arten von Müll gestoppt, darunter unsortierter Plastikmüll.Umweltorganisationen kritisierten, dass unklar sei, was in China mit dem Müll genau passiere. Eigentlich dürfen die EU-Staaten ihren Müll nur exportieren, wenn sichergestellt ist, dass er nach EU-Standards recycelt wird.

Das chinesische Importverbot hat Europa unerwartet getroffen. Die EU versuchte sogar, eine Übergangsphase mit China auszuhandeln - ohne Erfolg. Ein Grund mehr, dem Verpackungsmüll den Kampf anzusagen und die Recycling-Quoten zu erhöhen. Dazu soll nicht nur der neue Fünf-Punkte-Plan der deutschen Regierung beitragen. Im kommenden Jahr tritt ein neues Verpackungsgesetz in Kraft. Ab dann müssen vor allem die Quoten der Plastikverwertung gesteigert werden. Von aktuell 49 Prozent auf zunächst auf 58,5 Prozent, ab 2022 sogar auf 63 Prozent.

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