Das Herz der Grabeskirche in Jerusalem schlägt wieder | Kultur | DW | 22.03.2017
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Kultur

Das Herz der Grabeskirche in Jerusalem schlägt wieder

Zehn Monate lang ist die Kapelle über dem Grab Jesu, einer der heiligsten Stätten des Christentums, restauriert worden. Heute wurde die Ädikula mit einer schlichten Zeremonie mehrerer Konfessionen wieder eingeweiht.

Die Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt zählt zu den heiligsten Orten der Christenheit. Hier soll Jesus gekreuzigt worden, zu Grabe getragen und wieder auferstanden sein. Orthodoxe Christen nennen sie daher Auferstehungskirche (Anastasis). Hunderttausende Gläubige und Touristen pilgern jährlich in das aus zahlreichen kleineren Kapellen, Kirchen und Anbauten bestehende Gebäude. Viele reiben ihre persönlichen Utensilien im Inneren der heiligen Stätte an den Wänden und erhoffen sich dadurch Heilung oder Glück.

Jetzt erstrahlt sie in neuem Glanz. Engel schweben über dem Eingang, eine Jesus-Figur steigt in den Himmel auf, darüber sind Psalme und Gebete zu lesen. "Ein historischer Moment", sagte Antonia Moropoulou, die Bauleiterin der Restaurierungsarbeiten. "Dies ist ein einzigartiges Monument für die Christenheit."

Das Herzstück der Grabeskirche

Das Grab Jesu befindet sich unter einer Marmorplatte in der sogenannten Grabeskapelle, der kleinen "Ädikula" unter einer Rotunde der Grabeskirche. 1947 wurde die Kapelle im Auftrag der britischen Mandatsbehörden mit Stahltraversen gesichert, um die Auswirkungen des Erdbebens von Jericho 1927 in den Griff zu bekommen und einen Einsturz zu verhindern. Im Anschluss machten auch Feuchtigkeit und Wärme durch Kerzen dem Bau viele Jahrzehnte lang zu schaffen.

In all diesen Jahren wurden keine Arbeiten an der Kirche mehr vorgenommen, obwohl sie dringend nötig gewesen wären. Doch die verschiedenen Konfessionen, darunter griechisch-orthodoxe, westlich-katholische, armenisch-orthodoxe sowie koptische, syrische und äthiopische-orthodoxe Christen, konnten sich nicht auf einen gemeinsamen Plan zur Restaurierung einigen – bis zum März 2016. In streng vertraulichen Verhandlungen in Athen verständigten sich wichtige Vertreter der griechisch-orthodoxen, der armenischen sowie der katholischen Kirche darauf, die Instandsetzung der Grabeskapelle durchführen zu lassen.

Öffnung des Heiligen Grabes

Eigens angereiste Experten aus Athen haben daraufhin die Kapelle zehn Monate lang unter großen Anstrengungen vor allem nachts restauriert – und dabei sogar den eng gesteckten Zeitplan eingehalten.

Am 26. Oktober 2016 entfernten sie zum ersten Mal seit 200 Jahren die Marmorplatte über dem Grab für 60 Stunden, um die ursprüngliche Felsoberfläche zu begutachten, auf die der Leichnam Jesu der Überlieferung nach abgelegt worden war. Es war erst die dritte Öffnung des Grabes im Lauf der Geschichte. 

Wichtiger ökumenischer Moment

Die Kosten für die Restaurierungsarbeiten an der Ädikula-Kapelle in Höhe von insgesamt rund 3,1 Millionen Euro tragen die katholische, die griechisch-orthodoxe und die armenisch-apostolische Kirche gemeinsam. Zudem beteiligten sich zahlreiche Sponsoren, vor allem aus dem griechischen und russischen Raum. Auch der jordanische König Abdullah II. stellte eine persönliche Spende in Höhe von 100.000 Dollar zur Verfügung.

Die Grabeskirche ist im 12. Jahrhundert von Kreuzfahrern errichtet worden und heute gemeinsamer Besitz verschiedener Konfessionen. Für alle Beteiligten war die Wiedereröffnung der Grabstätte ein wichtiger ökumenischer Moment, an dem der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., der armenisch-apostolische Patriarch Nourhan Manougian und der Administrator des lateinischen Patriarchats, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, gemeinsam teilnahmen.

fs/pj/suc (kna, dpa)

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