Das Ende der Zeitschrift ″Landser″ | Deutschland | DW | 16.09.2013
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Deutschland

Das Ende der Zeitschrift "Landser"

Bauer Media stellt den "Landser" ein - allerdings nicht aus rechtlichen Gründen, wie der Verlag betont. Das jüdische Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte sich über die Hefte mit Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg beschwert.

Ein Exemplar der Zeitschrift Landser (Foto: Marijan Murat/dpa)

Eingestellt: "Der Landser"

Das Neueste über Teenie-Popstars, einfache Rezepte zum Nachkochen - und Kriegsgeschichten aus Sicht von deutschen Wehrmachtssoldaten. Für all diese Themen hatte die Bauer Media Group bislang verschiedene Zeitschriften im Angebot. Denn: Die internationale Verlagsgruppe vertrieb neben Deutschlands bekanntester Jugendzeitschrift "Bravo" und Illustrierten wie "Cosmopolitan" oder "Freizeitwoche" auch die Zeitschrift "Der Landser". Mit letzterem ist nun Schluss. Am Freitag (13.09.2013) gab die Verlagsgruppe bekannt, dass die umstrittene Heftchenreihe nicht mehr publiziert wird. Wann genau die letzte Ausgabe erscheinen soll, konnte eine Verlagssprecherin nicht sagen.

Das Magazin war seit 1957 auf dem Markt und hat seinen Namen vom umgangssprachlichen Begriff für deutsche Soldaten der Landstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg. Woche für Woche wurde "aus der Sicht der kämpfenden Truppe und durch die Erinnerung einzelner Personen die größte kriegerische Auseinandersetzung der Weltgeschichte in ihrer ganzen Dramatik" präsentiert, so kann man es noch immer auf der "Landser"-Website lesen.

Forderung nach Einstellung

Efraim Zuroff, Direktor des Simon Wiesenthal Zentrums. Foto: (DW/Rosalia Romaniec, 23.07.2013, Berlin)

Zuroff: Bauer Verlag hat richtige Entscheidung getroffen

Im Juli ging das Simon-Wiesenthal-Zentrum mit mehreren Beschwerden an die Öffentlichkeit und verlangte die Einstellung des "Landsers". Das jüdische Zentrum mit Hauptsitz in den USA wurde 1977 gegründet und ist eine internationale Nicht-Regierungsorganisation. Unter anderem beschäftigt es sich mit der Jagd auf noch lebende NS-Kriegsverbrecher. Beim "Landser" berief sie sich auf deutsche Gesetze gegen die Verwendung von Nazisymbolen, Volksverhetzung und die Holocaustleugnung. "Der Landser" propagiere rechtes Gedankengut und dürfe deswegen nicht weiter erscheinen, hieß es aus Los Angeles.

Die Bauer Media Group gab das Ende des "Landsers" an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, bekannt. Beim Simon-Wiesenthal-Zentrum war die Freude über die Nachricht groß: "Wir sind sehr zufrieden, dass die Bauer Media Group die richtige Entscheidung getroffen hat", sagt Efraim Zuroff, der Leiter des Israel-Büros des Simon-Wiesenthal-Zentrums und Chef-Nazijäger der Organisation, der DW. "Wir haben ernsthaft recherchiert und ganz klar gezeigt, dass ein Problem vorlag. Menschen, die in Kompanien gedient haben, die Kriegsverbrechen begangen haben, wurden ganz neutral dargestellt und ihre Verbrechen unter den Teppich gekehrt. Sie wurden der Öffentlichkeit nicht als Kriegsverbrecher präsentiert, sondern als Leute, die einfach nur ihre Pflicht getan haben."

Eine Image-Frage für Bauer

Pause einer Wehrmachtseinheit bei einer Kfz-Marschübung an den Externsteinen, 1939; Foto: cc-by/Josef Gierse

Wehrmachtssoldaten bei einer Übung, 1939

Die Bauer Media Group wehrte sich gegen die Darstellung, die Hefte würden Nazi-Verbrechen glorifizieren. Im Juli wies der Verlag gegenüber der DW darauf hin, dass alle seine Publikationen im Einklang mit geltenden Gesetzen stünden. Nach den Beschwerden ließ die Bauer Media Group das Magazin von neutraler Seite prüfen: Der Strafrechtler Otmar Kury, der eine Kanzlei für Wirtschaftsstrafrecht in Hamburg führt und Präsident der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer ist, erklärte den "Landser" für rechtlich unbedenklich. Auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hatte die Heftchenreihe immer wieder überprüft und nur in den 1960er Jahren einige Exemplare auf den Index gesetzt. Diese Ausgaben durften nur an Erwachsene verkauft werden.

Der Hintergrund: Die Landserhefte stellten zwar Wehrmachtssoldaten als "gute Jungs" dar, sagen Medien-Experten wie der deutsche Akademiker Peter Conrady. Aber Antisemitismus oder Hitler-Verehrung käme in den Heften nicht vor.

Bauer Media stellt das Heft jetzt auch nicht aus rechtlichen Gründen ein, sondern weil es nicht zur "Portfoliostrategie" passt. Im Klartext: Die Wehrmachtsheftchen waren schlecht fürs Image. Und all zu viel Geld brachten sie wohl auch nicht mehr ein: Die "goldenen Jahre" in der Anfangszeit des "Landsers", in denen das Magazin eine Auflage von 500.000 Heften hatte, sind lange vorbei.

Propaganda stärker bekämpfen

Peter Conrady, der sich vor zehn Jahren intensiv mit dem "Landser" beschäftigte, ist überrascht vom Ende der Heftreihe: "Das hätte ich dem Bauer Verlag nicht zugetraut, eine solche Entscheidung zu treffen", sagte der emeritierte Professor für deutsche Sprache und Literatur der DW. Er begrüßt die Einstellung, warnt aber auch: "Die Konsequenz ist keineswegs, jetzt still zu sein und nur zu frohlocken - eher im Gegenteil", betont Conrady. "Man müsste die Diskussion, die in den letzten zwei Monaten in der Presse aufgekommen ist, wirklich nutzen." Er wünscht sich eine Aufbrauchstimmung in der Politik, gegen rechte Propaganda vorzugehen.

Auch für Efraim Zuroff vom Simon-Wiesenthal-Zentrum kann die "Landser"-Angelegenheit nicht einfach zu den Akten gelegt werden: "Es stimmt, das Problem wurde gelöst, aber die Tatsache, dass es so lange gedauert hat, und dass so viele Ausgaben dieser Zeitschrift so viele Leute erreichen konnten, ist wirklich traurig."

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