Das Deutsch der Zukunft | Deutschlehrer-Info | DW | 31.01.2014
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Deutschlehrer-Info

Das Deutsch der Zukunft

Die deutsche Sprache verändert sich. Für einige ist das selbstverständlich, für andere jedoch unheimlich. Ein Grund für das Goethe-Institut, der Zukunft der deutschen Sprache eine ganze Veranstaltungsreihe zu widmen.

Eigentlich könnte sich Johannes Ebert vom Goethe-Institut entspannt zurücklehnen. Denn nach jahrelanger Stagnation ist das Interesse an der deutschen Sprache groß. Die Listen der Sprach- und Lernbegeisterten für Deutschkurse im In- und Ausland werden länger. „Wir haben momentan fast 250.000 Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer“, sagt der Generalsekretär des Goethe-Instituts. Vor allem in Spanien und Griechenland sei das Interesse gewachsen. Denn viele der jungen Europäer erhoffen sich in Deutschland eine bessere berufliche Perspektive als in ihren Heimatländern.

Johannes Ebert auf dem Podium

Johannes Ebert: „Das Interesse an der deutschen Sprache ist groß“


80 Prozent der Deutschen sagen: Es muss mehr für Deutsch getan werden

Die Schlussfolgerung könnte also lauten: „Deutsch ist in“ oder, um es auf Deutsch zu sagen: „Deutsch ist gefragt“, zumindest bei den Deutschlernenden. Wie aber sieht es bei den Muttersprachlern aus? Wie zufrieden sind sie mit der Sprache und ihrer Entwicklung? Eine Forschungsgruppe des Instituts für Deutsche Sprache hat herausgefunden: Fast 80 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass mehr für die deutsche Sprache getan werden müsse. Also doch kein Grund, entspannt zu bleiben?

„Wir merken, dass Deutschland bunter wird und sich unsere Sprache wandelt“, betont Johannes Ebert. Er sitzt auf einem Podium zwischen Experten, die sich täglich mit der deutschen Sprache und ihrem Wandel beschäftigen: Literaturwissenschaftler und Linguisten. Es ist der Auftakt einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, die das Goethe-Institut der deutschen Sprache und ihrer Zukunft widmet: „Deutsch 3.0.“

Deutsch 3.0: Debatten über Sprache und ihre Zukunft

Logo Deutsch 3.0

Welchen Herausforderungen muss sich die deutsche Sprache in Zukunft stellen?

Die Veranstalter, darunter auch der Duden-Verlag und das Institut für Deutsche Sprache, haben 25 Veranstaltungen in ganz Deutschland und im Ausland geplant. Vier Themen sollen dabei im Mittelpunkt stehen: Digitalisierung, Globalisierung, Wirtschaft und Sprache und Deutsch als Wissenschaftssprache. Die Veranstalter wollen herausfinden, welchen Herausforderungen sich die deutsche Sprache in diesen Bereichen stellt. Schon jetzt sind sie sich einig: Es gibt viele Kräfte, die auf die deutsche Sprache einwirken und sie verändern.

Dazu zählen sie auch die Nutzung neuer Medien. „Facebook, SMS und Twitter verändern unsere Art, zu kommunizieren“, betont Johannes Ebert. Ähnliches passiere durch die Globalisierung. Denn durch ein immer internationaler werdendes Umfeld seien wir von vielen Sprachen umgeben – und immer mehr englische Wörter, Anglizismen, schleichen sich in unsere Alltagssprache ein. Aber ist das so schlecht?

Englisch versus Deutsch?

Bild von Norbert Lammert

Bundestagspräsident Norbert Lammert ist der Schirmherr von Deutsch 3.0

Ein Problem sehen die Experten im Bereich Deutsch als Wissenschaftssprache. Denn Wissenschaft findet immer weniger auf Deutsch statt. „Forschungsergebnisse werden zunehmend auf Englisch festgehalten und Wissenschaftskongresse auf Englisch abgehalten“, betont Bundestagspräsident Norbert Lammert, der als Schirmherr die Eröffnungsrede hielt. Moritz Kralemann vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft geht sogar noch einen Schritt weiter und fragt: „Wenn Wissenschaft nur noch auf Englisch stattfindet: Könnte das dazu führen, dass sie gegenüber der Gesellschaft sprachlos wird?“

Sprache hat sich immer schon verändert

Andere nehmen es etwas gelassener. „Sprache hat sich immer schon verändert“, betont Prof. Ludwig Eichinger, der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache. Und zu der Angst, die deutsche Sprache könnte unter der Nutzung sozialer Medien leiden, sagt er: “Es ist ja auch nicht so, dass nur alle jungen Wilden an der elektronischen Kommunikation teilnehmen, sondern auch ältere Professoren wie ich.“ Irgendwann werde sich in der neuen Art der Kommunikation eine Routine einpendeln, die sich auch in das normale Sprachsystem einbaut.

Prof. Ludwig Eichinger

Prof. Eichinger: „Ich mache mir keine Sorgen um die deutsche Sprache, aber um sie kümmern sollten wir uns trotzdem.“


Wie sagt man das auf Deutsch?

Apropos Routine: Da der Abend ganz im Zeichen der deutschen Sprache stand, waren Moderatoren und Redner sichtlich bemüht, bei ihren Beiträgen möglichst keine Anglizismen oder Fremdwörter zu benutzen. Und scheiterten dabei an der einen oder anderen Stelle eindrucksvoll. So rang Moderator Joe Schütz um Worte, als er den Film zur Vortragsreihe „Deutsch 3.0“ ankündigen wollte: „Wie sagt man denn eigentlich ‚Trailer‘ auf Deutsch?“, fragte er ins Publikum. „Werbefilm“, hallte es aus dem Publikum. Na also, es geht doch noch.

Audio anhören 01:08

Und so sehen Veranstaltungsteilnehmer die Zukunft der deutschen Sprache (MP3)

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