″Das Bunny überwindet die Nacktheit″ | Aktuell Amerika | DW | 13.10.2015
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Aktuell Amerika

"Das Bunny überwindet die Nacktheit"

Revolution beim "Playboy": Die US-Redaktion des Herrenmagazins schafft in der Print-Ausgabe die legendären Nacktfotos ab. 2014 war schon der Internetauftritt entschärft worden. Was passiert mit der deutschen Ausgabe?

"Die Zeiten ändern sich. Das Bunny überwindet die Nacktheit (The Bunny transcends nudity)", heißt es in einer Erklärung der amerikanischen Redaktion. Die Macher des Blattes teilten weiter mit, vom kommenden März an würden die Playmates nur noch leicht verhüllt gezeigt. Nacktfotos seien im Zeitalter des Internets "völlig überholt", ergänzte Magazin-Chef Scott Flanders.

Mit den Abbildungen vollkommen nackter Frauen hatte der "Playboy" 1953 ein Tabu gebrochen. Seine erste Ausgabe mit einer unverhüllten Marilyn Monroe war dabei gleich ein doppelter Coup. Es folgten Titelbilder mit Fotos von Stars wie Kim Basinger, Madonna oder Sharon Stone.

Schwindende Auflage

Doch in den vergangenen Jahren verlor das Magazin stetig an Auflage. Nach Angaben der Zeitung "New York Times" sank sie von 5,6 Millionen im Jahr 1975 auf zuletzt etwa 800.000. Die Entscheidung, auf Nacktfotos auf dem US-Markt zu verzichten, fiel nach Angaben Flanders' in Abstimmung mit "Playboy"-Gründer Hugh Hefner.

Ganz auf Hingucker verzichten will das Magazin allerdings nicht: Auch der neue "Playboy" werde Fotos von Frauen in provokanten Posen zeigen, erklärte Flanders. "Nur werden sie nicht mehr nackt sein." Das künftige Playmate des Monats könnten sich auch 13-Jährige ansehen, fügte Mitarbeiter Cory Jones hinzu, der für die Inhalte des Magazins zuständig ist und den 89-jährigen Hefner überzeugt hatte.

Der frühere Eiskunstlaufstar Katarina Witt mit Wetten dass-Moderator Thomas Gottschalk (Foto: AP)

Der frühere Eiskunstlaufstar Katarina Witt zog sich 1998 für den "Playboy" aus

Deutscher "Playboy" bleibt unverändert

Dessen ungeachtet wird die deutsche Ausgabe des Magazins auch künftig nackte Frauen im Heft zeigen. Der Chefredakteur von "Playboy"-Deutschland, Florian Boitin, wies darauf hin, die Entscheidung der Amerikaner habe keinen Einfluss auf die Ausrichtung und Gestaltung des deutschen Blattes.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die "Playboy"-Macher in den USA ihre Webseite jugendfreier gestaltet, um auch auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram aktiv sein zu dürfen. Seitdem sank das Alter des Durchschnittslesers von 47 auf 30 Jahre, gleichzeitig stieg die Zahl der Online-Besucher von vier Millionen auf 16 Millionen im Monat, wie das Hochglanz-Magazin referierte.

Die Macher des Blattes versuchen nach eigenen Angaben nun bis März die Anwort auf die zentrale Frage zu finden: "Was bleibt, wenn Du die Nacktheit wegnimmst?" Möglicherweise besinnt sich der US-"Playboy" mehr auf seine zweite Stärke: Interviews und Kurzgeschichten berühmter Schriftsteller.

se/sti (afp, ape, dpa)