Dönhoff-Preis für Moschee-Gründerin Seyran Ates | Aktuell Deutschland | DW | 02.12.2018
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Gesellschaft

Dönhoff-Preis für Moschee-Gründerin Seyran Ates

Ates stehe für Muslime in Deutschland, die das kulturelle Leben bereicherten, ohne die eigene Herkunft aufzugeben, sagte Alt-Bundespräsident Wulff in seiner Laudatio. Den Förderpreis erhielt Reporter ohne Grenzen.

Seyran Ates widersetze sich einem falschen Verständnis von Religionsfreiheit auf Kosten der Frauenrechte, sagte Christian Wulff (Artikelbild) weiter. Sie streite dafür, dass Toleranz nicht zur Duldung von Demokratiefeindlichkeit führe. Ihre liberale Moschee sei ein "Ort der Aufklärung"  und stehe für die Vielfalt des Islam. Dafür nutze sie auch die Provokation. Ähnlich provokant wäre es, so der bekennende Katholik Wulff, wenn eine Pfarrerin geehrte werde, weil sie eine katholische Gemeinde gegründet habe.

Menschenrechte, Frauenrechte und Völkerverständigung seien ihr eine Herzensangelegenheit, sagte Ates in ihrer Dankesrede. Sie liebe Deutschland als ihre Heimat, weil sie hier sogar einem Bundespräsidenten widersprechen dürfe. Ein Berliner Polizist, dem sie als junge kämpfende Hausbesetzerin gegenübergestanden habe, sei heute ihr Personenschützer. Sie liebe aber auch die Türkei, wo sie zur Terroristin erklärt worden sei, sagte die Tochter eines kurdischen Vaters und einer türkischen Mutter.

Ates eröffnete im Juni 2017 eine Moschee, in der Frauen und Männer gleichberechtigt beten. Dafür erhielt sie Morddrohungen. Sie lebt seitdem unter Polizeischutz. 

Dönhoff-Förderpreis für Reporter ohne Grenzen

Der Dönhoff-Förderpreis geht an Reporter ohne Grenzen (ROG). Die Organisation setzt sich weltweit für bedrohte und verfolgte Journalisten ein. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) würdigte die Reporter in ihrer Laudatio dafür, dass sie "einen ganz wichtigen Beitrag leisten bei der Verteidigung unserer Grundrechte" und bezeichnete Angriffe auf die Pressefreiheit als Angriffe auf die ganze Gesellschaft.

Sie wünsche sich eigentlich, dass ihre Organisation überflüssig werde, sagte ROG-Vorstand Katja Gloger. Das Recht auf Pressefreiheit befinde sich derzeit allerdings im "Belagerungszustand". Dabei trage Pressefreiheit dazu bei, mit Vielfalt zu leben und Toleranz zu stärken. Gloger riet indes Journalisten auch zur Selbstkritik. Statt auf die eigene journalistische Zuspitzung sollten sie lieber auf Fakten und die Urteilskraft der Menschen vertrauen.

Beide Auszeichnungen sind mit jeweils 20.000 Euro dotiert. Die Wochenzeitung "Die Zeit", die "Zeit"-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sowie die Dönhoff-Stiftung in Hamburg verliehen den Preis in diesem Jahr zum 16. Mal - in Erinnerung an die Publizistin Marion Dönhoff (1909-2002).

Zu den Preisträgern gehören unter anderem der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und der ehemalige russische Präsident Michail Gorbatschow.

hf/jj (dpa, epd, kna)

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