Coronavirus: Was steckt hinter den Fachausdrücken? | Wissen & Umwelt | DW | 22.04.2020
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Medizin

Coronavirus: Was steckt hinter den Fachausdrücken?

Reproduktionszahl, Triage, Aerosol - in Corona-Zeiten begegnen wir immer wieder kompliziert klingenden Begriffen. Viele kommen aus der Medizin, andere aus benachbarten Wissenschaften. Wir erklären einige der wichtigsten.

Die Reproduktionszahl R und R0

Die Reproduktionszahl beschreibt, wie ansteckend eine Krankheit  in Durchschnitt der Bevölkerung ist. Ist die Reproduktionszahl größer als 1, überträgt jeder Infizierte die Erkrankung an mindestens eine weitere Person – das Virus breitet sich aus. Sind es im Durchschnitt drei weitere Personen liegt der Reproduktionswert bei drei. Ist die Zahl kleiner als 1, stecken sich immer weniger Menschen an und die Zahl der Infizierten geht zurück.

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Video ansehen 03:32

Epidemiologe: "Reproduktionszahl muss unter eins"

Prävalenz

Die Prävalenz gibt an, wie häufig eine Erkrankung oder Symptome in einem bestimmten zeitlich definierten Rahmen oder zu einem bestimmten Zeitpunkt auftauchen. Prävalenz ist ein Begriff aus der Epidemiologie.

Inzidenz

Inzidenz drückt aus, wie häufig neue Infektionen und Erkrankungen über einen bestimmten Zeitraum auftreten. Es beschreibt etwa das Risiko, unter dem Menschen erkranken, gemessen in einem bestimmten Zeitraum. Man spricht dann auch von Neuinfektionsrate. 

Virulenz

Dieser Begriff bezeichnet, wie schädigend und aggressiv ein Erreger ist und wie schwer die Erkrankung. Bleibt der Krankheitserreger sehr leicht an Zellen haften, vermehrt er sich schnell und zerstört viel Gewebe ist er besonders virulent. 

Triage 

Dieses Verfahren wird vor allem bei einem unerwartet hohen Aufkommen von Krankheitsfällen eingesetzt: Es gibt zahlreiche Patienten, aber nur unzureichende Behandlungsmöglichkeiten. Wenn ein solcher Mangel herrscht, es nicht genügend Personal und Geräte gibt, müssen die Mediziner entscheiden, welcher der Patienten überhaupt entsprechende Hilfeleistungen bekommt und wann sie diese einsetzen. Es ist für Schwerkranke eine Entscheidung über Leben und Tod. 

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Schutzmasken - Diskussion über Für und Wider

FFP-Masken 

Bei Masken mit dieser Bezeichnung handelt es sich um Atemschutzmasken, die vor dem Einatmen von verschiedenen Partikeln schützen. Das gilt auch für das Einatmen von Viren. Diese Masken haben unterschiedliche Einstufungen.

OP-Masken: Ärzte und OP-Assistenten tragen diesen Mundschutz vor allem, um ihre Patienten auf dem Operationstisch nicht mit Erregern zu infizieren. Wenn der Träger der Maske etwa hustet oder niest, bleiben die meisten Tröpfchen in der Maske hängen. Besser sind FFP-Masken Masken (filtering-face-piece).

FFP-1-Masken sind zwar besser als OP-Masken, bieten aber nicht den gewünschten Schutz gegen Viren. Sie schützen die Atemwege vor Verunreinigungen und schützen vor Geruchsbelastung. FFP-2-Masken haben eine höhere Schutzwirkung. Laut RKI (Robert Koch-Institut) sind sie bedingt für den medizinischen Einsatz zugelassen. Das ist vor allem der Knappheit an Masken geschuldet. FFP-3-Masken bieten den besten Schutz: vor Tröpfchenaerosolen, Eiweißmolekülen, Viren, Bakterien, Pilzen und Sporen.

Tröpfchenübertragung

Der Erreger wird direkt von einer Person auf eine andere übertragen. Das geschieht beispielsweise beim Husten oder beim Niesen, denn dabei werden kleinste Partikel freigesetzt. Diese infektiösen Partikel können sich dann auf andere Menschen übertragen, man steckt den anderen an. Das geschieht beispielsweise über Speichel oder über Lungen- beziehungsweise Nasensekret, wie es eben beim Husten oder beim Niesen entsteht.

Aerosol

Beim Husten oder beim Niesen, mehr noch in der Zahnarztpraxis beim Reinigen oder Bohren, werden kleinste Tröpfchen freigesetzt. Sie bilden in der Luft ein Aerosol. Das ist eine Mischung aus kleinsten Flüssigkeitspartikeln und dem Gasgemisch, das unsere Atemluft ausmacht. 

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Corona-Krise: Nähe in der Distanz

Räumliche Distanz

Räumliche Distanz dient dazu, die Verbreitung von Krankheitserregern einzudämmen. Bei geringem Abstand unter Personen vergrößert sich das Risiko einer Ansteckung beispielsweise über Tröpfcheninfektion. Je größer der Abstand zwischen Menschen umso höher die Chance, dass sich Krankheitserreger nicht von einem auf den anderen übertragen können.

Aufspüren von Kontaktpersonen

Das sogenannte Contact Tracing ist eine Methode aus der Epidemiologie. Dabei soll nachvollzogen werden, mit welchen Personen ein Infizierter Kontakt hatte. Das dient dazu, die Wege der Infektion möglichst genau nachzuzeichnen. Die Personen, die dabei ausfindig gemacht werden, erhalten Empfehlungen, wie sich am besten verhalten und werden in vielen Fällen selbst entsprechenden Tests unterzogen. So soll die Infektionskette unterbrochen werden. 

Inkubationszeit

Darunter versteht man den Zeitraum, der zwischen der eigentlichen Infektion mit einem Krankheitserreger liegt und den ersten Symptomen, die jemand zeigt beziehungsweise, wann sich der Erreger im Körper manifestiert. Es muss dabei nicht immer zu krankheitsspezifischen Symptomen kommen. Einige Erkrankungen spielen sich quasi im Stillen ab. Diese Menschen können dann aber in vielen Fällen dennoch andere anstecken.

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Corona-Impfung

Immunität 

Die Grundimmunität erreicht man etwa durch Impfung. Wie oft eine solche Impfung wiederholt werden muss, ist abhängig von der Erkrankung. Gegen Covid-19 gibt es noch keine Impfung.

Hat eine Person eine Infektion bereits durchgemacht, entsteht eine natürliche Immunität.

Herdenimmunität

Bei der Herdenimmunität muss eine bestimmte Anzahl Menschen gegen eine Infektion immun sein. Ist das der Fall, kann sich der Krankheitserreger nicht weiter in großen Teilen der Bevölkerung ausbreiten.

Antigene und Antikörper

Antigene sind Eiweiße, die unser Immunsystem als fremd einstuft. Um sie abzuwehren, bildet das Immunsystem körpereigene Abwehrstoffe, die Antikörper. Unser körpereigenes Immunsystem produziert sie speziell gegen den entsprechenden Krankheitserreger, der in unseren Körper eingedrungen ist.

Zoonosen

Dabei handelt es sich um Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden.   Dazu gehören etwa Vogelgrippe, BSE oder auch Tollwut. Bestimmte Zoonosen können dann auch wieder vom Menschen auf Tiere übergehen. Besonders viele potentielle Erreger tragen Fledermäuse in sich. Weil sie ein besonders starkes Immunsystem  haben und die Viren ständig mutieren müssen. Tollwut ist eine ganz klassische Zoonose, die in Deutschland aber seit wenigen Jahren keine große Rolle mehr spielt. Die Viruserkrankung verläuft oft tödlich.