Corona-Krise verdeutlicht Notwendigkeit digitaler Unterrichtskonzepte | Deutschlehrer-Info | DW | 07.05.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschlehrer-Info

Corona-Krise verdeutlicht Notwendigkeit digitaler Unterrichtskonzepte

Dass Schulunterricht auch im nächsten Schuljahr vorerst nicht in normaler Form stattfinden wird, darüber sind sich Experten einig. Digitaler Unterricht wird eine größere Rolle spielen. Ein Konzept fehlt allerdings noch.

Ein Junge sitzt mit einem Buch und einem Laptop am Tisch (picture-alliance/Fotostand/Voelker)

Homeschooling und Digital-Unterricht werden noch einige Monate lang zum Schulalltag gehören. (Symbolbild)

Bund und Länder haben sich am 6. Mai in der Corona-Krise auf die schrittweise Öffnung von Schulen verständigt. In der Vereinbarung heißt es, die Schulen sollten schrittweise und unter Beachtung der Hygienemaßnahmen für alle Schüler wieder öffnen. Präsenzunterricht wird allerdings zunächst noch nicht im vertrauten Klassenverband, sondern nur in kleineren Gruppen stattfinden.

Anja Karliczek spricht in ein Mikrofon (picture-alliance/dpa/O. Berg)

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (Archivbild)

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek rechnet sogar für lange Zeit nicht mit einer Rückkehr zum gewohnten Schulbetrieb. „Die Ausnahmesituation wird bis weit in das nächste Schuljahr andauern“, sagte die CDU-Politikerin. „Erst wenn große Bevölkerungsgruppen geimpft sind, werden wir zum gewohnten Unterricht zurückkehren.“ So lange werde es eine Mischform von Präsenzunterricht und digitalem Unterricht geben, sagte Karliczek.

Die Bildungsminister der Bundesländer haben zur Regelung des Unterrichts im nächsten Schuljahr 2020/2021 bereits Beratungen aufgenommen. Zur Ausarbeitung eines Konzepts hat die Kultusministerkonferenz (KMK) eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Falls weiter eine Abstandsregelung erforderlich sei, werde an einen Wechsel von Präsenz- und Heimunterricht gedacht, teilte die KMK-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am 6. Mai im Bildungsausschuss des Landtags mit. Dafür müsste der digitale Unterricht allerdings ausgebaut werden.

Union und SPD hatten sich zu diesem Zweck im Koalitionsausschuss auf ein Sofortausstattungsprogramm von über 500 Millionen Euro verständigt. Das Geld sollen die Schulen für Online-Lehrangebote nutzen. Außerdem sollen bedürftige Schülerinnen und Schüler einen Zuschuss von 150 Euro bekommen, für den Kauf eines Laptops oder anderen Geräts für den Unterricht zu Hause.

Karliczek sagte am 23. April, man suche nach einem schnellen Weg, wie die insgesamt 500 Millionen Euro zielgenau eingesetzt werden könnten. Es gehe darum, jetzt kurzfristige Hilfe zu leisten, dass digitaler Unterricht überall stattfinden könne, sodass die Frage, ob Kinder abgehängt würden, sich nicht mehr stelle.

Udo Beckmann vom Verband Bildung und Erziehung bei einer Pressekonferenz (picture alliance/dpa/F. Gambarini)

Udo Beckmann, der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (Archivbild)

Der Verband Bildung und Erziehung forderte angesichts des weiter andauernden Homeschoolings pädagogische Konzepte für einen digitalen Unterricht. Es sei gut, dass „überhöhte Erwartungen“ an eine baldige Rückkehr in die Klassenräume nun erst mal von der Kultusministerkonferenz (KMK) abgeräumt worden seien, sagte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann der dpa am 28. April. „Dafür reicht es aber nicht, Schülern iPads zu verteilen“, sagte Beckmann mit Blick auf die kürzlich beschlossenen 500 Millionen Euro. Man müsse ihnen auch beibringen, wie sie die Geräte adäquat einsetzen.

In einer repräsentativen Umfrage des Magazins „Business Insider“ Anfang Mai bewerteten mehr als die Hälfte der Eltern mit schulpflichtigen Kindern den derzeitigen Digital-Unterricht als schlecht (56 Prozent), davon 24 Prozent sogar als sehr schlecht. Sie kritisierten vor allem digitale Kompetenzen der Schulen, technische Ausstattung und organisatorische Absprachen. Kritik an der Qualität der Aufgaben äußerten hingegen nur ein Drittel der Befragten.

rh/sts (mit dpa/KNA)

Die Redaktion empfiehlt