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Corona-Aktuell: Kalte Dusche für Hoffende

11. November 2020

Die Pandemie wird nach Meinung der Kanzlerin noch den ganzen Winter lang wüten. Dies befeuert auch wieder die Debatte über die Corona-Beschränkungen in Heimeinrichtungen. Optimistischeres kommt dagegen aus Russland.

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Berlin Kanzlerin Merkel
Bild: Michael Sohn/AP/picture alliance

Wenige Tage vor neuen Beratungen von Bund und Ländern hat Kanzlerin Angela Merkel Erwartungen auf ein schnelles Ende der Corona-Pandemie in Deutschland gedämpft. "Wir müssen davon ausgehen, dass die zweite Welle härter ist, und sie fällt vor allem in eine schlechte Jahreszeit", sagte Merkel in Berlin. "Sie wird uns noch den ganzen Winter beschäftigen." Auch die positiven Nachrichten über die Impfstoffentwicklung würden daran nichts ändern und sich noch nicht auswirken. Deshalb müssten Corona-Vorsichtsmaßnahmen weiter gelten.

Spahn: Keine Feiern mehr in diesem Winter

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht über die aktuellen Maßnahmen im November hinaus von coronabedingt harten Einschränkungen aus. Veranstaltungen mit mehr als zehn bis 15 Personen wie Weihnachtsfeiern oder andere Geselligkeiten sehe er "in diesem Winter nicht mehr", sagte Spahn. Falls die Infektionszahlen zurückgehen sollten, "heißt das nicht, ab Dezember oder Januar kann es wieder richtig überall losgehen mit Hochzeitsfeiern oder Weihnachtsfeiern als wäre nichts gewesen". Die Lage verlange Geduld: "Dieses Virus hat sehr lange Bremsspuren." Pläne zu vorgezogenen Weihnachtsferien wie in Nordrhein-Westfalen nannte Spahn einen pragmatischer Ansatz, "den man diskutieren, den man machen kann".

Am kommenden Montag wollen Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder erneut über die Corona-Lage beraten.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wiehler (l.), und Gesundheitsminister Jens Spahn vor der Presse in Berlin (Foto: Tobias Schwarz/Reuters)
Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wiehler (l.), und Gesundheitsminister Jens Spahn vor der Presse in Berlin Bild: Tobias Schwarz/Reuters

Nach jüngsten Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden innerhalb von 24 Stunden bundesweit 21.866 neue Corona-Infektionen gemeldet. Damit liegt die Gesamtzahl der bestätigten Ansteckungen bei 727.553. Die Zahl der Todesfälle stieg laut RKI um 215 auf 11.982.

Beschränkungen in Heimen verfassungswidrig?

Die wegen Corona verhängten Besuchs- und Ausgangsbeschränkungen in Pflegeheimen verstoßen einem Gutachten zufolge in weiten Teilen gegen das Grundgesetz. "Gutachter Friedhelm Hufen hat begründete Zweifel daran, dass das Infektionsschutzgesetz eine hinreichende Ermächtigungsgrundlage für die gravierenden Eingriffe in die Grundrechte von Menschen in Pflegeeinrichtungen darstellt", teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) in Bonn mit.

Dem Gutachten zufolge müssten die negativen Auswirkungen der Maßnahmen auf die Gesundheit der Heiminsassen bei der Verhältnismäßigkeitsprüfung viel stärker in den Blick genommen werden. Eine niemals zu rechtfertigende Verletzung der Menschenwürde liege in jedem Fall vor, wenn Menschen aufgrund von Besuchsverboten einsam sterben müssten, hieß es.

Wie massiv darf die Isolation von alten und pflegebedürftigen Menschen in deutschen Heimeinrichtungen sein? (Foto: Swen Pförtner/dpa/picture-alliance)
Wie massiv darf die Isolation von alten und pflegebedürftigen Menschen in deutschen Heimeinrichtungen sein?Bild: Swen Pförtner/dpa/picture-alliance

Die BAGSO forderte mit Blick auf die Studien-Ergebnisse Politik, Behörden sowie Heimleitungen auf, die Grundrechte der Betroffenen zu wahren. Sie tue das mit "besonderer Dringlichkeit", weil vielerorts Pflegeeinrichtungen Besuchs- und Ausgangsbeschränkungen angesichts gestiegener Infektionszahlen wieder verschärften.

Corona-Fälle in Italien überschreiten Millionengrenze

Italien hat die Schwelle von einer Million registrierter Corona-Fälle überschritten und einen neuen Höchstwert bei der Zahl der Menschen, die durch das Coronavirus ums Leben gekommen sind. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums starben binnen 24 Stunden 623 Menschen mit SARS-CoV-2. In dieser Zeit wurden knapp 33.000 Corona-Neuinfektionen gemeldet, was die Gesamtzahl auf rund 1,028 Millionen Fälle steigen ließ. Bereits am Dienstag war die Zahl der COVID-19-Opfer mit 580 innerhalb eines Tages so hoch wie seit über einem halben Jahr nicht mehr. Insgesamt starben in dem Land mit rund 60 Millionen Einwohnern damit knapp 43.000 Menschen mit dem Virus.

Die Regierung in Rom hatte im Kampf gegen die Pandemie das Land in drei Risikozonen eingeteilt und die Maßnahmen in einigen Regionen am Dienstag weiter verschärft. Zu den vier bereits bestehenden Roten Zonen mit den strengsten Regelungen kam zuletzt Bozen-Südtirol hinzu. In die mittlere Risikozone (orange) wurden die Toskana, Basilikata, Ligurien im Nordwesten, Umbrien in Mittelitalien und die Abruzzen aufgenommen. Damit bestehen für mehr als die Hälfte der 20 italienischen Regionen strenge Ausgangsbeschränkungen.

Notstand in Slowakei bis 29. Dezember 

Die slowakische Regierung verlängerte den seit Oktober geltenden Notstand bis zum 29. Dezember. Die unabhängig davon geltende Ausgangssperre soll dagegen nach derzeitiger Planung nicht verlängert werden. Bislang ist vorgesehen, dass schon Ende dieser Woche das Verbot ausläuft, ohne negativen Corona-Test die eigene Wohnung zu verlassen. Dies bleibe unverändert, erklärte Justizministerin Maria Kolikova in Bratislava.

"Budenzauber" der besonderen Art: Antigen-Schnelltests in der slowakischen Hauptstadt Bratislava (Foto: Vladimir Simicek/AFP/Getty Images)
"Budenzauber" der besonderen Art: Antigen-Schnelltests in der slowakischen Hauptstadt BratislavaBild: Vladimir Simicek/AFP/Getty Images

In einer international beispiellosen Aktion hatte die Slowakei an den vergangenen beiden Wochenenden fast alle mehr als zehn Jahre alten Bewohner einem Antigen-Schnelltest unterzogen. Wer keinen negativen Test vorweisen kann, darf seither nicht einmal zur Arbeit gehen. Geschäfte wurden zwar nicht behördlich geschlossen, dürfen aber nur Kunden einlassen, die einen negativen Test vorweisen können. Die Schulen sind landesweit nur für Kinder bis zehn Jahren geöffnet.

"Sputnik V" mit 92 Prozent Wirksamkeit

Nur zwei Tage nach dem Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer hat nun auch der russische Impfstoffentwickler verkündet, dass sein Vakzin zu mehr als 90 Prozent sicher sei. Die Wirksamkeit von "Sputnik V" liege bei 92 Prozent, teilten das Gamaleja-Forschungsinstitut und der russische Staatsfonds RDIF, der den Impfstoff finanziert, in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Der russische Impfstoff befindet sich derzeit in der dritten und letzten Phase der klinischen Studien, in der er außer auf seine Verträglichkeit auch auf seine Wirksamkeit untersucht wird. Laut der Erklärung beziehen sich die Berechnungen nun auf ein Zwischenergebnis bei 16.000 Probanden. Nur 20 von diesen, darunter auch aus der Gruppe der Placebo-Empfänger, hätten nach Erhalt der zweiten Dosis COVID-19 entwickelt. Dies entspreche einer "Wirksamkeitsrate von 92 Prozent".

sti/kle (afp, dpa, rtr)