Condor bekommt Staatshilfe | Wirtschaft | DW | 27.04.2020
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Luftfahrtbranche

Condor bekommt Staatshilfe

Aufatmen bei Condor. Der deutsche Ferienflieger wird vom Staat mit 550 Millionen Euro gestützt. Auch für die Lufthansa wird ein Milliarden-Hilfspaket geplant.

"Wir waren als erste Branche von dieser weltweiten Krise betroffen und die Luftfahrt wird mit die letzte sein, die sie verlassen wird", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in der vergangenen Woche. Das "wir" gilt dabei nicht nur für ihn, sondern für die ganze Luftfahrtbranche. Weltweit fürchten Fluggesellschaften um ihre Existenz.

Für den deutschen Ferienflieger Condor kann nun die Rettungsleine ausgeworfen werden. Die EU-Kommission erteilte wegen der Coronavirus-Pandemie an diesem Montag die Genehmigung für ein Kreditprogramm der Bundesregierung und des Landes Hessen in Höhe von insgesamt 550 Millionen Euro.

"Wir bemühen uns in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten um Lösungen, wie Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten im Einklang mit den EU-Beihilfevorschriften unterstützt werden können," erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier begründete die weitere Unterstützung mit guten Aussichten für die Airline: "Das Unternehmen war in normalen Zeiten operativ gesund und profitabel und hat eine gute Zukunftsperspektive."

Condor: Zwei Mal unverschuldet in Not geraten

Erst vor kurzem musste Condor gestützt werden, nachdem der britische Mutter-Konzern Thomas Cook im September 2019 in ein Schutzschirmverfahren gegangen war. Condor hatte im Herbst 2019 einen staatlichen Überbrückungskredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über 380 Millionen Euro bekommen. Ursprünglich sollte die Kreditrückzahlung durch den Zusammenschluss mit der polnischen Airline LOT gesichert werden. Wegen der Corona-Krise platzte die im Januar vereinbarte Fusion jedoch im April.

Modellflugzeuge von LOT und Condor

Die polnische Fluggesellschaft LOT steckt nun selbst in der Corona-Krise

Nach eigenen Angaben erhält Condor nun einen neuen Kredit über 294 Millionen Euro sowie 256 Millionen Euro, die noch zur vollständigen Rückzahlung des ersten Darlehens fehlten.

Condor sei zwei Mal innerhalb eines halben Jahres unverschuldet in Not geraten, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup am Montag. Vor der Corona-Krise galt Condor mit rund 4900 Beschäftigten und mehr als 50 Flugzeugen besonders wegen seines Angebots zu touristischen Langstreckenzielen in Übersee als unentbehrlich für die Reisebranche, die stets einen Gegenpol zur mächtigen Lufthansa haben wollte.

Der normale Flugplan der Airline ist wegen der Pandemie seit Mitte März eingestellt. Seither war Condor an den jetzt abgeschlossenen Rückholflügen beteiligt, mit denen Reisende aus Deutschland weltweit nach Hause gebracht wurden. Das gute Dutzend Langstreckenflugzeuge der mehr als 50 Maschinen großen Flotte ist außerdem für Cargoflüge im Einsatz, um Schutzmaterial gegen die hoch ansteckende Lungenkrankheit nach Deutschland zu bringen. Fast alle Beschäftigten sind in Kurzarbeit, wenn auch nicht alle die Arbeit völlig einstellen mussten.

Wie es auf längere Sicht mit der Airline weitergeht, ist offen. Das Schutzschirmverfahren solle bald beendet werden, erklärte ein Sprecherin. Ein neuer Verkaufsprozess für Condor werde nach der Krise starten.

Lufthansa hofft auf Milliarden-Hilfe

Für die angeschlagene Lufthansa rückt ein milliardenschweres Rettungspaket näher. Bei dem Paket gehe es um ein Volumen von neun bis zehn Milliarden Euro, hieß es aus Regierungskreisen. Bei der Lufthansa ist offen, in welcher Form die Bundesregierung dem Dax-Konzern hilft und wie viel Mitspracherecht die Politik im Falle einer vorübergehenden staatlichen Beteiligung haben soll.

Wie viele andere Fluggesellschaften ist auch die Lufthansa wegen der massiven Flugabsagen in Schwierigkeiten geraten. Der Konzern hatte am Donnerstag erklärt, dass man sich nicht mehr aus eigener Kraft aus der Corona-Krise retten könne.

Coronavirus - Flughafen München

Die meisten Lufthansa-Maschinen bleiben am Boden

Lufthansa will im großen Stil Personal abbauen

Lufthansa-Chef Spohr hat die Beschäftigen der Airline bereits auf harte Zeiten eingestimmt. Er kündigte eine Verkleinerung der Flotte an, wodurch das Unternehmen einen rechnerischen Überhang von 10.000 Mitarbeitern habe. "Wir werden aber auch weiterhin alles daran setzen, so viele Mitarbeiter wie möglich an Bord zu behalten", sagte Spohr am Freitag in einer internen Botschaft an die Mitarbeiter.

Bislang hatte die Lufthansa die Zahl von 7000 Stellen genannt, die krisenbedingt wegfallen könnten. Unter anderem soll der Betrieb der Gesellschaft "Germanwings" eingestellt werden. Vor Ausbruch der Pandemie hatte der größte Luftverkehrskonzern Europas weltweit rund 130.000 Mitarbeiter und 760 Flugzeuge. Der Konzern plante dabei schon vor der Corona-Krise den Verkauf der Catering-Sparte LSG Sky Chefs mit weltweit rund 35.000 Beschäftigten.

Air France-KLM werden staatlich gestützt

Auch in anderen Ländern bekommen Fluggesellschaften staatliche Unterstützung. So kann der Luftfahrtkonzern Air France-KLM mit staatlichen Finanzhilfen rechnen. Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire stellte am Freitag ein Hilfspaket in Höhe von sieben Milliarden Euro für Air France in Aussicht, die niederländische Regierung will der Partner-Airline KLM mit zwei bis vier Milliarden Euro unter die Arme greifen.

Drei Milliarden der insgesamt sieben Milliarden Euro für Air France seien direkte Darlehen des Staats, für die restlichen vier Milliarden übernehme der Staat die Kreditgarantien, sagte Wirtschaftsminister Le Maire. Ziel sei es, "unsere nationale Fluglinie zu retten", sagte er dem Sender TF1. Eine Verstaatlichung von Air France schloss er jedoch aus.

Welche Form die Finanzspritze für KLM annehmen soll, war nach den Worten des niederländischen Finanzministers Wopke Hoekstra hingegen noch unklar.

Den Hilfen müsse noch die EU-Kommission zustimmen, sagte Le Maire. Sie seien zudem kein "Blanko-Scheck", sondern an Auflagen gebunden. So müsse Air France Anstrengungen unternehmen, um rentabler zu sein und gleichzeitig stärker auf den Umweltschutz zu achten.

iw/ack (rtrs, dpa, afp)

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