Club of Rome: Weniger Wachstum, weniger Kinder | Deutschland | DW | 13.09.2016
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Deutschland

Club of Rome: Weniger Wachstum, weniger Kinder

Der "Club of Rome" macht in seinem neuen Buch Vorschläge, um die Probleme der Welt zu lösen. Unter anderem sollten Frauen in Industrienationen auf Kinder verzichten. Entwicklungshilfeminister Müller leistete PR-Hilfe.

Dreizehn - teilweise radikale - Forderungen an die Industrieländer enthält der neue Bericht des "Club of Rome", der in Berlin vorgestellt wurde und in Buchform erscheint. Die Vorschläge kommen nicht von Unbekannten: Schon 1972 machte das Buch "Die Grenzen des Wachstums" den Thinktank weltberühmt. Zu seinen Mitgliedern gehören Unternehmer, Wissenschaftler, Industrielle und andere Prominente: aus Deutschland unter anderem Liz Mohn (Bertelsmann), Wolfgang Sachs (Greenpeace), Eberhard von Koerber (BMW) und der Naturwissenswchaftler und SPD-Politiker Ernst Ulrich von Weizsäcker. Er ist seit 2012 Präsident des Club of Rome mit Hauptsitz in der Schweiz.

Gehirnwäsche durch Neoliberalismus?

Die beiden Autoren des "Club of Rome"-Buches Jorgen Randers und Graeme Maxton analysieren: Nach 30 Jahren Globalisierung und Wachstum sei die Lage schlechter geworden, Millionen Menschen hätten ihre Jobs verloren. Die Schere zwischen Arm und Reich sei größer geworden.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller vor Logo des Club of Rome (Foto: dpa)

Gerd Müller, Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Nicht weniger, sondern ein anderes Wachstum

Es müsse es einen Systemwechsel geben, forderte Maxton, der Generalsekretär des Clubs. Ein Wirtschaftssystem, das auf immer mehr Wachstum setze, sei nicht die Lösung sondern der Grund für die Probleme. Für Maxton liegt die Schuld im Festhalten am Neoliberalismus, der vielen eine Gehirnwäsche verpasst habe.

Wie ein Systemwechsel gestaltet werden könne, haben die Autoren in einem Forderungskatalog zusammengefasst. Der programmatische Titel: "Ein Prozent Wachstum ist genug". Nicht alle Vorschläge sind in der Sache neu, so etwa die Forderung nach einem Konjunkturpaket, einem höheren Renteneintrittsalter, höheren Verbrauchssteuern oder einem Grundeinkommen. Einige Vorschläge aber sind radikal: die Forderung nach einer Ein-Kind-Politik und mehr Urlaub.

Die Vorschläge in der Übersicht:

  1. grüne Konjunkturpakete - finanziert durch eine höhere Geldmenge oder höhere Steuern, um Maßnahmen gegen den Klimawandel zu fördern,
  2. mehr Steuern auf fossile Energieträger wie Braunkohle, um alternative Energien zu fördern.
  3. während der ökologischen Transformation: Subventionen für Arbeitnehmer, die in einen umweltverträglicheren Job wechseln,
  4. Umbau des Steuersystems weg vom Arbeitseinkommen hin zum Rohstoffverbrauch, vor allem um den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern - Flüge oder Heizen würden teurer,
  5. massive Erhöhung der Erbschaftssteuer, um Ungleichheit zu reduzieren und die Staatseinnahmen zu erhöhen.
  6. mehr Urlaubstage für Arbeitnehmer, um mehr Freizeit zu schaffen und die vorhandene Arbeit besser zu verteilen,
  7. Grundeinkommen, vor allem für die, die es am meisten brauchen: Alte, Kranke und Arbeitslose,
  8. Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre, damit die Menschen möglichst lange für sich selbst sorgen können,
  9. höhere Steuern für Reiche und Unternehmen, um Profite gerechter zu verteilen, besonders im Blick auf die Robotisierung,
  10. eine Ein-Kind-Politik, um das Wachstum der Weltbevölkerung zu bremsen,
  11. neue Definition von "bezahlter Arbeit", auch die Pflege von Angehörigen soll dazu gehören,
  12. Gewerkschaften stärken, um Einkommen zu erhöhen und Arbeitslosigkeit zu vermindern,
  13. Handel beschränken, wo Jobs bedroht sind

Deutschland kann mit Technologien und Innovation helfen

Die beiden Autoren Jorgen Randers und Graeme Maxton bei der Buchvorstellung des Club of Rome (Foto: Dpa)

Ein Prozent Wachstum muss reichen: Die beiden Autoren Jorgen Randers (links) und Graeme Maxton (rechts)

Der deutsche Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) hielt bei der Buchpräsentation eine Art Laudatio. Er sagte, dass es seiner Ansicht nach, "nicht um weniger Wachstum, sondern um ein anderes Wachstum" gehen müsse. Generell aber schloss sich der Minister der Analyse an, die Welt befinde sich an einer "globalen Weggabelung des Planeten". Steuert die Menschheit auf einen Abgrund zu oder lässt sich Wachstum nachhaltig gestalten? Minister Müller zeigte sich optimistisch.

Seine Begründung: Deutschland sei - wie Europa insgesamt - eine Exzellenzregion: Es gebe ausreichend Innovation und Technologien, um zum Beispiel das weltweite Hungerproblem zu lösen. Auf der Welt sei schließlich Platz für zehn Milliarden Menschen, sagte Müller, allerdings nur, wenn das Wirtschaftswachstum stärker vom Ressourcenverbrauch entkoppelt werde.

Das westliche Konsum-Modell - "unsere Autos, unser Lifestyle" - könne nicht das Zukunftsmodell für Indien oder Afrika sein, weil es zu viele Ressourcen wie Energie verbrauche. Eine Antwort auf die Publikumsfrage, warum er den Menschen dort unser gutes Leben vorenthalten wolle, blieb der Minister schuldig.

Weniger Kinder in die Welt setzen

Unumstritten ist der "Club of Rome" nicht. Kritiker weisen darauf hin, dass das Wirtschaftssystem nicht überall gescheitert sei: Millionen Menschen seien aus absoluter Armut befreit worden, manche hätten den Weg in die Mittelschicht geschafft, wie die Beispiele China oder Indien zeigten.

Kritisiert wurde in Berlin vor allem die Forderung nach einer Ein-Kind-Politik, die nach Vorstellungen des Club of Rome auch in westlichen Ländern gefördert werden soll. Jorgen Randers entgegnete, dass ein Kind aus einem Industriestaat etwa 30mal mehr Ressourcen verbrauche als ein Kind in Indien. Insofern müsse der Westen als Beispiel voran gehen und weniger Kinder in die Welt setzen. Frauen, die höchstens ein Kind bekommen, sollten mit einer Geldprämie belohnt werden.

Aufruf zu mehr Diskussionen

Und wie will Minister Müller die weltweite Schere zwischen armen und reichen Ländern verkleinern? Die Entwicklungshilfe müsse global verdoppelt werden, sagte er, und es müsse einen Wechsel geben vom globalisierten Freihandel hin zu einem fairen Handelsmodell: mit fairen Löhnen und Marktzugängen. Entwicklungsländer bräuchten mehr Innovationen und eine bessere Bildungspolitik.

Den Bericht des "Club of Rome" begrüßte Müller. Man brauche immer konkrete Lösungsvorschläge, sagte er, über die man diskutieren müsse. Die Warnung vor einer Apokalypse helfe nicht weiter.

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