Claudia Pechstein: Die Ewige auf dem Eis | Sport | DW | 06.02.2018
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Olympische Winterspiele 2018

Claudia Pechstein: Die Ewige auf dem Eis

Neun olympische Medaillen hat Eisschnellläuferin Claudia Pechstein bereits gesammelt. Nummer zehn bei den Spielen in Pyeongchang wäre für die 45-Jährige nicht nur sportlich eine Genugtuung.

Der 16. Februar ist dick angestrichen in Claudia Pechsteins Kalender. An diesem Tag werden die 5000 Meter gelaufen - ihre Lieblingsstrecke. Würde ihr der Sprung auf das Siegerpodest gelingen, wäre sie die älteste olympische Medaillengewinnerin ihrer Sportart. Sechs Tage vor ihrem 46. Geburtstag.

Solche Alters-Bestmarken sind für die Berlinerin mittlerweile nichts besonderes mehr. Im vergangenen Jahr krönte sie sich bereits zur ältesten WM-Medaillengewinnerin. Das schaffte Pechstein mit Silber über 5000 Meter ausgerechnet auf dem Eis-Oval von Gangneung - dort, wo es jetzt um olympische Medaillen gehen wird. "Ich habe nicht nur wegen der Medaille eine gute Erinnerung an diese Bahn", sagt die fünfmalige Olympiasiegerin. "Das Eis dort war hervorragend präpariert. Ich hoffe, die Eismeister bekommen das in diesem Jahr wieder so hin."  

"Will mein Bestes geben"

Dass sie auf Grund ihres Alters eine Ausnahmestellung im internationalen Sport hat, weiß Claudia Pechstein. Aber sie zerbricht sich darüber nicht den Kopf. "Ich habe offenbar gute körperliche Voraussetzungen für das Eislaufen", erzählt sie. Das Wichtigste sei jedoch, dass ihr das Rundendrehen immer noch Spaß mache. "Auf Grund meines Alters müsste ich eigentlich immer Letzte werden", kokettiert sie mit dem Blick auf das bevorstehende Großereignis. Sie will freilich anderes. 

Chancen auf einen Podestplatz hat Claudia Pechstein durchaus. Das bewies sie schon am Beginn der olympischen Saison. Im November lief sie in Stavanger in Norwegen zum 33. Weltcup-Sieg ihrer Karriere. Kurz darauf gewann sie auch noch einen Wettbewerb im Massenstart. "Ich will in Südkorea mein Bestes geben und schaue ganz entspannt, was damit an diesem Tag möglich ist. Wenn die Leistung stimmt, aber es trotzdem nicht zu einer Medaille reicht, ist das auch okay."    

Claudia Pechstein nach dem 33. Weltcupsieg ihrer Karriere in Stavanger in Norwegen bei der Siegerehrung. Foto: dpa-pa

Claudia Pechstein (2.v.l.) nach dem 33. Weltcupsieg ihrer Karriere in Stavanger in Norwegen

Internationales Team an ihrer Seite

Ihre Leistung muss Claudia Pechstein praktisch im Alleingang erbringen. Die Konkurrenz im eigenen Land fehlt. Gunda Niemann-Stirnemann und Anni Friesinger-Postma sind längst im sportlichen Ruhestand. Deshalb gründete Claudia Pechstein vor zwei Jahren ihr privates Eislaufteam. Zu ihm gehören Athleten aus Russland, Norwegen und Ungarn. "Ich brauche diese Läufer, um mein Niveau halten und ausbauen zu können", begründet Claudia Pechstein den Schritt. Finanziert wird das Team mit Hilfe von Sponsoren. Trainer ist eine Eislaufberühmtheit: Peter Mueller, der US-Amerikaner wurde 1976 in Innsbruck Olympiasieger. Claudia Pechstein schwärmt von ihrem Trainer, der ihr auch "mal die Leviten liest", wenn ihre die Leistungen im Training nicht optimal sind. Mueller ist ebenfalls begeistert: "Sie hat einen unglaublichen Willen. Sie kann nicht verlieren. Sie will immer gewinnen."

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (picture alliance/dpa/C. Charisius)

Pechstein mit Lebensgefährte Große (r.)

Noch ein anderer Mann sorgt für Pechsteins Motivation: ihr Lebenspartner Matthias Große. Kennengelernt hat sie ihn in der schwärzesten Stunde ihrer Karriere. Der Internationale Verband, die ISU, hatte sie 2009 wegen auffälliger Blutwerte des Dopings bezichtigt und einzig auf den Verdacht hin für zwei Jahre gesperrt. Eine positive Dopingprobe hat es von Claudia Pechstein aber nie gegeben. Mit mehreren Gutachten renommierter Mediziner konnte sie nachweisen, dass sie an einer vererbten Krankheit leidet, die ihre Blutwerte schwanken lässt. Für die ISU kein Grund, ihr Urteil zu widerrufen und sie zu rehabilitieren. Seit Jahren führt Claudia Pechstein deshalb Prozesse. Sie hat den Eislauf-Weltverband auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Mittlerweile liegt der Fall beim Bundesverfassungsgericht. 

Anerkennung ist ihr wichtig

Deutschland Claudia Pechstein Urteil Bundesgerichtshof Karlsruhe (picture-alliance/dpa/U. Deck)

Pechstein kämpft vor Gericht um ihre Rehabilitierung

Dieser Kampf um Gerechtigkeit treibt sie auch bei ihrem sportlichen Tun an. Jede gute Zeit, jeder Weltcup-Sieg, vielleicht auch eine olympische Medaille sind aus ihrer Sicht Schläge gegen die ISU. Einige Funktionäre, die ihre Sperre mit zu verantworten haben, sind noch immer im Amt. Auch in Deutschland wurde ihre Geschichte anfänglich mit Skepsis betrachtet. Inzwischen erfährt sie jedoch viel Unterstützung. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), hat sich sogar dafür entschuldigt, wie die deutsche Sportorganisation mit ihr umgegangen ist.

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