Chronik vom gescheiterten Frieden | Afrika | DW | 02.02.2015
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Afrika

Chronik vom gescheiterten Frieden

Jahrzehntelang kämpft Süd gegen Nord. Dann, 2011, wird der Südsudan unabhängig. Doch 2013 bricht in dem jungen Staat erneut Krieg aus. Zahllose Abkommen wurden seitdem gebrochen - hält der jüngste Waffenstillstand?

Ein Blick zurück macht wenig Hoffnung auf dauerhaften Frieden im Südsudan - trotz des jüngsten Waffenstillstands. Seit mehr als einem Jahr wird dort gekämpft – Verhandlungen brachten die Waffen oft nur für wenige Stunden zum Schweigen.

Wieder ein Waffenstillstand

1. Februar 2015: Salva Kiir und Riek Machar vereinbaren in Addis Abeba einen Waffenstillstand. Der südsudanesische Präsident und sein Widersacher wollen nun auch über eine gemeinsame Regierung sprechen; Machar könnte Vize-Präsident werden. Das gab es schon einmal. Im Jahr 2013 jedoch gingen die beiden Männer im Streit auseinander und hetzten ihre Anhänger aufeinander, die Volksgruppe der Dinka kämpfte gegen die Nuer. Seitdem sind im Südsudan zehntausende Menschen getötet und rund zwei Millionen vertrieben worden.

Südsudan Verteilung von Nahrungsmitteln (Photo: EPA/ISAAC BILLY)

Millionen Südsudanesen sind auf Hilfe von außen angewiesen

Gespräche im Kriegslärm

Im August 2014 hatten Kiir und Machar die jüngsten Friedensgespräche aufgenommen, unter Vermittlung der IGAD, einer Regionalorganisation der Staaten Nord-Ostafrikas.

Doch während in Addis Abeba gesprochen wird, geht das Töten im Südsudan weiter. Nach Monaten erfolgloser Verhandlungen droht der UN-Sicherheitsrat im November erneut mit Sanktionen gegen diejenigen, die den Friedensprozess behindern. Und verlängert die UN-Friedensmission für den Südsudan bis Mai 2015.

Frieden für fünf Tage

Im Mai 2014 hatte der Weltsicherheitsrat entschieden: die UN-Mission für den Südsudan soll sich nun ganz auf den Schutz von Zivilisten konzentrieren. Dafür sollen 14.000 Blauhelme sorgen. Bis dahin wollten die UN beim Aufbau des jungen Staates helfen - doch der ist offensichtlich gescheitert. Anfang Mai gibt es zumindest immer wieder Berichte über eine Waffenruhe; doch denen folgen ebenso regelmäßig Meldungen über Mord und Zerstörung. Auch ein Friedensvertrag nach direkten Gesprächen zwischen Kiir und Machar hält nur wenige Tage.

In Bentiu töten Rebellen im April 2014 Hunderte Zivilisten (Photo: EUTERS/Emre Rende)

In Bentiu töten Rebellen im April 2014 hunderte Zivilisten

Hunger und Öl

Schon im April 2014 hatte sich die Katastrophe zugespitzt: fast vier Millionen Menschen, so warnten die UN, sind durch den Krieg von Hunger bedroht. Das ist jeder dritte Südsudanese. Beim ihrem Sturm auf die Öl-Stadt Bentiu töten die Rebellen Machars hunderte Zivilisten. Das Öl ist Zündstoff für den Konflikt. Denn die Kriegsparteien kämpfen auch um die Kontrolle über die drittgrößten Ölvorkommen südlich der Sahara.

Machtkampf in Juba

Voll ausgebrochen war der Konflikt im Dezember 2013. Im Juli hatte Präsident Kiir Machar und das gesamte Kabinett entlassen; nun wirft er seinem ehemaligen Vize-Präsidenten einen Putschversuch vor. In der Hauptstadt brechen daraufhin schwere Gefechte zwischen Anhängern der beiden Männer aus. Kiir wird dabei vor allem von seiner eigenen Volksgruppe der Dinka unterstützt, auf Seiten Machars kämpfen insbesondere Nuer. Schon nach wenigen Wochen wird ein Waffenstillstand vereinbart - und kurz darauf gebrochen. Das wiederholt sich mehrfach. Innerhalb von 100 Tagen verliert fast eine Million Menschen ihre Heimat.

Südsudan feiert die Unabhängigkeit 2011 (Photo: ddp images/AP Photo/Pete Muller)

2011 herrschte bei den Unabhängigkeitsfeiern noch Optimismus

Scheitern mit Ansage

Am 9. Juli 2011 feierte der Südsudan seine Unabhängigkeit. Zuvor hatte der mehrheitlich schwarzafrikanische Süden zwei Jahrzehnte lang gegen die arabisch dominierte Regierung in Khartum gekämpft. Mehr als zwei Millionen Menschen verloren in diesem Bürgerkrieg ihr Leben. Nun soll alles besser werden. Doch Beobachter sind von Anfang an skeptisch: denn die alten Kampfgenossen Machar und Kiir stellen die eigenen Interessen und die ihrer Volksgruppen an die erste Stelle. Die Korruption grassiert, Milliarden an internationaler Hilfe versanden. Außerdem geht der Streit mit dem Norden um Öl und den Verlauf der gemeinsamen Grenze weiter, immer wieder kommt es zu Kämpfen in der Grenzregion.