Christie's versteigert Algorithmus-Kunstwerk | Kultur | DW | 25.10.2018
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Künstliche Intelligenz

Christie's versteigert Algorithmus-Kunstwerk

Ungewöhnliche Auktion bei Christie's: In New York kam das von einer Künstlichen Intelligenz angefertigte Kunstwerk "Edmond de Belamy" unter den Hammer - und erzielte einen unerwartet hohen Preis.

Laut Christie's ist der verschwommen wirkende Druck die erste Arbeit einer künstlichen Intelligenz (KI), die bei einem großen Auktionshaus zur Versteigerung kam. Die Versteigerung wurde als "Ankunft von KI auf der weltweiten Auktionsbühne" beworben.

KünstlerIn: "min G max D Ex[log(D(x))]+Ez[log(1-D(G(z)))]"

Das Bild zeigt einen Mann in dunkler Kutte mit weißem Kragen, der an einen französischen Geistlichen im 17. oder 18. Jahrhundert erinnert. Statt eines alten Meisters war hier allerdings ein Computer am Werk. Der Algorithmus, der das Werk produzierte, trägt den klangvollen Namen "min G max D Ex[log(D(x))]+Ez[log(1-D(G(z)))]". Trotz dieser Angabe, die rechts unten aufgedruckt ist: Klare Regeln, wer der Autor des Werkes ist und wer die Rechte daran besitzt, gibt es bisher nicht.

Hinter dem Werk steckt das Pariser Kollektiv Obvious, das im Februar bereits für 10.000 Euro eine Arbeit aus seiner Belamy-Reihe an Kunstsammler Nicolas Laugero Lasserre verkauft hatte. Grundlage für die nun versteigerte Arbeit war ein Datensatz aus 15.000 echten Porträts, die zwischen dem 14. und 20. Jahrhundert entstanden. Auf dessen Basis erzeugte der Algorithmus so lange Bilder, bis ein konkurrierender Teil des Algorithmus eines davon für ein vom Menschen geschaffenes hielt.

Verkaufspreis weit höher als vermutet

Der Verkaufspreis für "Edmond de Belamy" war vorher lediglich auf 7000 bis 10.000 Dollar geschätzt worden. Fünf Bieter trieben den Preis bei der Auktion am Donnerstag dann schließlich aber in die Höhe - auf 432.500 Dollar (rund 380.000 Euro). 

Der Kunstbegriff werde alle paar Generationen neu definiert, sagte Erin-Marie Wallace, deren Firma "Rare-Era Appraisals" Kunstwerke schätzt, dem Radiosender NPR. "Wir bestimmen neu, was Kunst im 21. Jahrhundert eigentlich ist. Kunst wird daran gemessen, was Leute bereit sind, dafür zu zahlen."

nf/wa (dpa, afp, Christie's)