Chinas Währung gibt weiter nach | Wirtschaft | DW | 30.07.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Währungen

Chinas Währung gibt weiter nach

Der Wertverfall des Yuan gegenüber dem Dollar geht weiter - und schwächt damit den Effekt der Strafzölle, die US-Präsident Trump verhängt hat. Doch Experten sehen keine Hinweise auf Manipulation durch Peking.

Auf den asiatischen Devisenmärkten waren auch heute wieder alle Augen auf den Yuan gerichtet. Nachdem die vergangene Woche von starken Verlusten geprägt war, verlor die chinesische Landeswährung (auch Renminbi genannt) am Montag zum US-Dollar weiter an Wert. Zwischenzeitlich mussten Händler für einen Dollar 6,85 Yuan bezahlen, so viel wie seit einem Jahr nicht mehr.

Die chinesische Währung ist seit Monaten unter Druck. Das spiegelt die Nervosität der Devisenmärkte wider angesichts der Frage, wie sich der Handelsstreit mit den USA auf die Wirtschaft des Landes auswirken könnte.

Die relative Stärke des Dollar ist auch ein Ergebnis der Geldpolitik der US-Notenbank Fed, die den Leitzins in diesem Jahr bereits zwei Mal erhöht hat und auch noch weiter anheben will, weil die Wirtschaft stark wächst. Die US-Wirtschaft war im zweiten Quartal so schnell gewachsen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 4,1 Prozent zu. 

Yuan unter Druck

Seit April hat der Yuan gegenüber dem Dollar mehr als sieben Prozent verloren. US-Präsident Donald Trump wittert Manipulation. "In China fällt die Währung wie ein Stein und unsere Währung geht hoch, und ich muss ihnen sagen, es ist zu unserem Nachteil", sagte Trump jüngst in einem Interview mit dem Sender CNBC.

Dahinter steckt der Vorwurf, dass China seine Währung gezielt abwertet, um Exporte auf den Weltmärkten zu verbilligen und damit die Auswirkungen der amerikanischen Strafzölle aufzufangen.

In der Tat ist die Abwertung des Yuan "wirkungsmächtige Wunderwaffe", wie der Ökonom Thomas Straubhaar schon in einem Gastkommentar für die DW schrieb. Sie wirke wie ein "flächendeckender Importzoll von sieben Prozent auf alle Produkte aus dem Ausland" und sei zusätzlich "eine Exportsubvention für alle chinesischen Hersteller auf den Weltmärkten". Mit der Abwertung des Yuan, so Straubhaar weiter, werde "die Wirkung der Trump'schen Strafzölle mehr als ausgehebelt".

Yi Gang Zentralbank China (Reuters/J. Lee)

Yi Gang, Gouverneur der chinesischen Zentralbank

Keine Hinweise auf Manipulation

Allerdings glaubt der Internationale Währungsfonds (IWF) nicht, dass China seine Währung gezielt abwertet. Gerade erst hat der IWF dem Land bescheinigt, dass der Wechselkurs des Yuan "auf einer Linie" mit den fundamentalen Faktoren seiner Wirtschaft liegt.

"Es gibt keine Hinweise auf Manipulationen" durch, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld in einem Interview laut Nachrichtenagentur AFP. Das Finanzministerium der USA sei in einem Bericht im April bereits selbst zu diesem Schluss gekommen.

Zwar ist Chinas Währung nicht frei konvertibel und kann am Tag nur in einer Handelsspanne von zwei Prozent schwanken. Doch Chinas Zentralbank orientiert sich bei der täglichen Festlegung des Wechselkurses am Markt.

Die Redaktion empfiehlt

"Die Regierung mischt sich diesmal nicht ein", sagt die unabhängige chinesische Wirtschaftskommentatorin Ye Tan. "Es ist die Marktentwicklung." So orientiert sich der Yuan an einem Korb von mehr als 20 Währungen, die ihrerseits oft eng mit dem US-Dollar verbunden sind: Steigt der US-Dollar, fällt der Yuan.

Nun hat die amerikanische Währung in sechs Monaten um sechs Prozent zum Euro zugelegt - und gegenüber einer Reihe von Währungen zusammen sogar um rund acht Prozent. Experten gehen daher davon aus, dass der Yuan eigentlich weiter fallen müsste, aber die Zentralbank ihn vielmehr davon abhält.

Chinas Schwaches Wachstum

"Es ist unwahrscheinlich, dass China eine starke und anhaltende Abwertung des Yuan will", stellt der US-Wirtschaftsprofessor Christopher Balding in einer Analyse für den Finanzdienst Bloomberg fest. "Das würde dazu führen, einen Haufen Probleme für einen anderen einzutauschen", argumentiert der China-Ökonom, der an der HSBC-Business-School in der südchinesischen Metropole Shenzhen unterrichtet.

"Verbraucher und Unternehmen müssten einen doppelten Schlag hinnehmen - Preiserhöhungen durch Zölle und weniger Kaufkraft durch eine schwächere Währung", so Balding. Denn wäre der Yuan billiger, müssten Chinas Bürger bei Importen mehr für ausländische Güter zahlen.

Der Pekinger Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou hat vor allem zwei Gründe für den schwachen Yuan ausgemacht. "Zum einen läuft die chinesische Wirtschaft nicht mehr gut", sagt Hu Xingdou. "Zum anderen trüben die Auswirkungen des Handelskrieges ziemlich stark die Zuversicht."

Der IWF erwartet, dass China Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 6,6 Prozent wächst - das wäre die schwächste Wachstumsrate seit 1990.

Auch Ökonom Hu glaubt nicht, Peking den Kurs seiner Währung manipuliert. Dafür gebe es keine Hinweise, außerdem sitze allen noch der Schrecken von 2015 in den Knochen, als ein schneller Kursverlust des Yuan zu massiven Kapitalabflüssen führte.

Anders als heute gab es damals keinen Grund für die plötzliche Yuan-Schwäche, was Unsicherheit an den Märkten weltweit auslöste. "Es gab 2015 Manipulationen", so Hu. "Aber dieses Mal stimmt es mehr mit der Marktentwicklung überein."

Kritik an Europa

Den Europäern hat Trump ebenfalls schon vorgeworfen, die Gemeinschaftswährung Euro künstlich schwach zu halten. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zielt darauf ab, die Zinsen niedrig zu halten und die Inflation anzuheizen. Ihr Milliarden-Kaufprogramm für Anleihen reduziert sie nur schrittweise, und den Leitzins in der Eurozone hält sie weiterhin bei null Prozent.

Davon abgesehen, dass die EZB damit nur mit einiger Verspätung die expansive Geldpolitik der Fed imitiert, sehen die meisten Ökonomen darin aber keine bewusste Manipulation des Euro.

Zinssenkungen und Anleihekäufe beeinflussen natürlich auch auf den Wechselkurs. "Wer mag, kann das Manipulation nennen", sagte Joachim Fels, Berater der Fondsgesellschaft Pimco der Frankfurter Allgemeinem Sonntagszeitung. "Aber dann ist jede Art der Geldpolitik Manipulation des Wechselkurses."

bea/hb (dpa, afp, reuters, FAS, CNBC)