Chinas Justiz wirft Interpol-Chef Meng Hongwei Korruption vor | Aktuell Welt | DW | 08.10.2018
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Menschenrechte

Chinas Justiz wirft Interpol-Chef Meng Hongwei Korruption vor

Wo ist Meng? Seit Tagen wurde über das Verschwinden des Interpol-Chefs gerätselt. Jetzt wurde bekannt: Chinas Justiz ermittelt gegen ihn - wegen des Verdachts der Korruption.

Der Chinese Meng Hongwei habe "Bestechungsgelder angenommen" und werde verdächtigt, "gegen das Gesetz verstoßen" zu haben, erklärte das Sicherheitsministerium in Peking. Bei dem Verfahren gegen Meng, der auch chinesischer Vize-Minister für öffentliche Sicherheit ist, gehe es um mutmaßliche Gesetzesverstöße, teilte die Behörde mit.

Die internationale Polizeibehörde Interpol hatte erst am Sonntag den sofortigen Rücktritt ihres Präsidenten verkündet. Am Interpol-Sitz in Lyon sei eine entsprechende Erklärung eingegangen, in der er "mit sofortiger Wirkung" seinen Rücktritt erklärte.

Polizeischutz wegen Drohungen

Der Interpol-Chef war seit gut zwei Wochen nach einem Besuch in China verschollen. Mengs Ehefrau hatte den 64-Jährigen bei der Staatsanwaltschaft am Interpol-Sitz in Lyon als vermisst gemeldet, nachdem der Kontakt zu ihm nach der Abreise aus Frankreich am 25. September abgebrochen sei. Sie wurde nach Angaben der französischen Behörden unter Polizeischutz gestellt, weil sie Drohungen erhalten habe.

Grace Meng, Frau von Interpol-Präsident Meng Hongwei (Getty Images/J.Pachoud)

Hat Angst um ihre Sicherheit: Grace Meng (von hinten)

Am Samstag hatte Interpol von China eine Erklärung für das Verschwinden ihres Chefs gefordert. Die Erklärung der Anti-Korruptionsbehörde am Sonntag war die erste öffentliche Äußerung der chinesischen Behörden zu dem bis dahin rätselhaften Fall. 

Hochrangige Beamte verschwinden

In den vergangenen Jahren gab es mehrere Fälle, in denen hochrangige chinesische Beamte zunächst ohne Erklärung verschwanden, bis die Regierung Wochen oder sogar Monate später mitteilte, dass gegen sie ermittelt wird, oft wegen des Verdachts auf Korruption. Die chinesische Führung unter Präsident Xi Jinping hat der Korruption den Kampf angesagt. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche einst unantastbare Mitglieder der Kommunistischen Partei, der Regierung, des Militärs und Mitarbeiter staatlicher Unternehmen im Zuge der Kampagne verurteilt. Spektakulär war auch der Fall der erfolgreichsten chinesischen Schauspielerin Fan Bingbing, die drei Monate lang verschwunden war. Sie soll in einem Urlaubsresort festgehalten worden sein, wo sie den Behörden bei Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung half.

Mehr Schlüsselpositionen 

Meng wurde im November 2016 Interpol-Präsident. Die Personalie gehörte zu den Bemühungen Chinas, mehr Schlüsselpositionen in internationalen Organisationen zu besetzen, um Prestige und Einfluss in der Welt zu stärken. Übergangsweise werde nun der Koreaner Kim Jong Yang das Amt übernehmen, teilte Interpol mit. Ein neuer Präsident solle beim Treffen der Polizei-Organisation vom 18. Bis 21. November in Dubai gewählt werden. Generalsekretär von Interpol und damit Leiter der Ermittlungsarbeiten ist seit 2014 der ehemalige Vize-Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jürgen Stock.

sam/rb (afp, dpa)

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