China weist deutschen Studenten aus | Aktuell Asien | DW | 12.08.2018
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Pressefreiheit

China weist deutschen Studenten aus

Der Journalismus-Student David Missal hat in China über die Verfolgung von Menschenrechtsanwälten recherchiert - doch er musste das Land verlassen. Nach offizieller Begründung fehlte ihm das richtige Visum.

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Ausgewiesen wegen Menschenrechtsfilm

Der 24-jährige David Missal hat offiziell bestätigt, dass er am Sonntag ausreisen musste. Seine Aufenthaltserlaubnis sei verkürzt und ein neues Visum für das nächste Semester verweigert worden, sagte er der Deutschen Presseagentur. Insgesamt hatte er zehn Tage Zeit, um das Land zu verlassen. Im Internet veröffentlichte Missal ein Foto seines nun ungültigem Visums.

Seinen Angaben zufolge begründeten die chinesischen Behörden ihre Entscheidung demnach damit, dass seine Aktivitäten nicht von seinem Studentenvisum gedeckt waren. Auf Nachfrage, was damit gemeint sei, sollen die Beamten nur geantwortet haben: "Das weißt du schon selbst."

Gefährliches Projekt

Missal, der an der Pekinger Tsinghua Universität das erste Jahr eines Master-Studiengangs absolviert hat, geht davon aus, dass die Ausweisung mit seiner Arbeit über die Verfolgung von Menschenrechtsanwälten in China zusammenhängt. Seitdem die Sicherheitsbehörden vor drei Jahren zum Schlag gegen inzwischen mehr als 300 Bürgerrechtsanwälte, Mitarbeiter von Kanzleien und Aktivisten und deren Angehörige ausgeholt haben, sind viele von ihnen zu Bewährungs- und teilweise auch langen Haftstrafen verurteilt worden.

Missal filmte und interviewte Anwälte und Angehörige. Unter anderem begleitete er Li Wenzu, die Frau des inhaftierten Menschenrechtsanwalts Wang Quanzhang. Sie war im April zu einem 100-Kilometer-Marsch aufgebrochen, um auf das Schicksal ihres Mannes aufmerksam zu machen. Bald darauf wurde sie von Polizisten gestoppt und faktisch unter Hausarrest gestellt. 

Missal berichtete, dass auch er wegen Recherchen festgehalten und verhört wurde. In der zentralchinesischen Stadt Wuhan, wo er mit dem Anwalt des bekannten Aktivisten Qin Yongmin sprach, nahmen ihn Polizisten mit auf die Wache und forderten ihn auf, zurück nach Peking zu fahren. 

Demonstranten halten Bilder von Qin Yongmin und Wu Gan hoch (Foto: picture-alliance)

In Hong Kong demonstrierten im vergangenen Jahr Menschen für die Bürgerrechtler Qin Yongmin (links) und Wu Gan

In China gibt es für ausländische Journalisten viele Vorgaben: Nur wer über ein Journalisten-Visum und eine Arbeitserlaubnis verfügt, darf berichten und selbst dann setzen sich Journalisten einem großen Risiko aus. Missal war nicht als Journalist registriert, habe aber die Erlaubnis seines Professors für das Projekt erhalten. Erst später habe die Universität Bedenken angemeldet. Die Hochschule war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. 

Studienaufenthalt als "Experiment"

Für den Osnabrücker, der schon einen Abschluss in China-Studien hat, war das Journalismus-Studium in Peking stets "auch ein Experiment". Er wusste, wie schlecht es um die Pressefreiheit in der Volksrepublik steht. "Es ist aber nochmal etwas anderes, wenn man es am eigenen Körper erlebt", sagte Missal: "Man hofft, dass es zumindest an den Universitäten mehr Freiheiten gibt. Dem ist aber nicht so." 

Er sei zudem zweimal von einem Universitätsvertreter gewarnt worden, das politisch sensible Thema zu verfolgen. Missal wollte aber weiter daran arbeiten, um "die chinesische Gesellschaft und Politik kennenzulernen". Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), bei dem Missal Stipendiat ist, bedauerte in einer Mitteilung die aktuellen Entwicklungen, sprach aber von einem Einzelfall. 

Vor drei Jahren musste Journalistin ausreisen

China gehört der Organisation Reporter ohne Grenzen zufolge zu den Ländern mit den meisten inhaftierten Journalisten und Bloggern. In der Rangliste zur globalen Pressefreiheit liegt das Land auf Platz 176. Jeden Tag werden Anweisungen an die staatlich kontrollierten Medien verschickt, über welche heiklen Themen nicht berichtet und wozu nur die offizielle Berichterstattung der Staatsagentur Xinhua benutzt werden darf. Zudem unterliegt das Internet einer scharfem Zensur. Auch die Arbeitsbedingungen für ausländische Journalisten verschlechtern sich, wie Umfragen des Auslandskorrespondentenclubs (FCCC) ergaben. Vereinzelt kam es auch vor, dass ausländische Journalisten ausgewiesen wurden. Zuletzt musste 2015 die französische Journalistin Ursula Gauthier das Land verlassen. 

jmw/fab (dpa, ap)

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