China und Vatikan schließen historisches Abkommen | Aktuell Asien | DW | 22.09.2018
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Religion und Politik

China und Vatikan schließen historisches Abkommen

Fast 70 Jahre hat es gedauert, bis sich China und der Vatikan auf die Ernennung von Bischöfen einigen konnten. Allerdings sei die Einigung erst einmal "provisorisch", erklären beide Seiten.

Papst Franziskus I. (li) beim Gruppenbild mit chinesischen Gläubigen (picture-alliance/Pressefoto ULMER/A. Lingria)

Papst Franziskus I. beim Gruppenbild mit chinesischen Gläubigen in Rom

Ziel sei, für die Katholiken in China Bischöfe zu haben, die sowohl in "Einheit mit Rom stehen, als auch von den chinesischen Autoritäten anerkannt werden. Die unterzeichnete Vereinbarung sei kein politisches, sondern ein pastorales Abkommen, so Papstsprecher Greg Burke.

Der Streit mit Peking über die Führung der katholischen Kirche schwelt seit Langem. Im Mittelpunkt steht die Frage, wer die Bischöfe ernennen darf. Die Staatskirche erkennt den Papst nicht als Autorität an, während ihm die im Untergrund agierende Kirche die Treue hält. Von den mehr als zehn Millionen Katholiken in China entzieht sich mehr als die Hälfte der Kontrolle des Staates und steht loyal zum Papst, wofür viele auch verfolgt werden. Nach ihrer Machtübernahme hatten die Kommunisten 1949 die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abgebrochen. Der Papst, der noch nie zu einem Besuch nach China reisen durfte, hatte wiederholt erklärt, die Spaltung der dortigen Kirche überwinden zu wollen.

Exkommunizierte Bischöfe

Einer der Knackpunkte in der Vereinbarung war wohl die Anerkennung von acht Bischöfen, die vom chinesischen Staat auserwählt worden waren, durch Papst Franziskus. Darunter ist Joseph Guo Jincai, Bischof von Chengde und Generalsekretär der offiziellen Bischofskonferenz, sowie die exkommunizierten Bischöfe Joseph Huang Bingzhang, Paul Lei Shiyin und Joseph Yue Fusheng. Damit stehen nun alle katholischen Bischöfe Chinas in Gemeinschaft mit Rom.

China Katholische Kirche (Getty Images/K. Frayer)

Katholische Kirche in China

Das chinesische Außenministerium erklärte knapp, in Peking sei ein "provisorisches"-Abkommen unterzeichnet worden, das auch eine Verbesserung der Beziehungen mit dem Vatikan vorsehe. Die kommunistische Führung in Peking hatte ein Abkommen bislang verweigert, da der Vatikan als einer von nur 17 Staaten weltweit Taiwan anerkennt. Peking betrachtet die Insel als abtrünnige Provinz, die eines Tages wieder mit dem Festland vereinigt werden soll. Der Vatikan hatte vor drei Jahren die lange ausgesetzten Verhandlungen mit Chinas kommunistischer Regierung wieder aufgenommen.

Gelassenheit in Taiwan

Taiwan sieht hingegen keine Auswirkungen des Abkommens auf seine diplomatischen Beziehungen zum Vatikan. Im Hinblick auf Bedenken, der Vatikan könnte nun auch seine Beziehungen zu Taiwan abbrechen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Taipeh, der Heilige Stuhl beschreibe das Abkommen selbst als nicht politisch oder diplomatisch. "Wir hoffen, dass das Abkommen die Religionsfreiheit in China verbessert", heißt es.

Nach dem historischen Abkommen mit Peking hat Papst Franziskus Chinas Katholiken zu Einigkeit aufgerufen. Es müsse eine "noch brüderlichere Kooperation" geben. Der Papst hoffe, dass die am gleichen Tag geschlossene Vereinbarung zu Bischofsernennungen alte Wunden überwinden und die volle Gemeinschaft aller chinesischen Katholiken herstellen helfe, erklärte der Vatikan.

"Spaltung beenden"

Der Vatikan knüpft an sein Abkommen mit der Volksrepublik China auch friedenspolitische Hoffnungen. Die Einigung, die eine Spaltung zwischen regierungstreuen Katholiken und einer Untergrundkirche beenden soll, sei von Bedeutung für eine Konsolidierung des Friedens in einer Zeit internationaler Spannungen, erklärte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

Litauen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in Vilnius (Getty Images/AFP/P. Malukas)

Hofft durch den Kompromiss auf Ausgleich: Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin

Ziel des Abkommens sei für den Vatikan eine größere Freiheit und Autonomie der Ortskirchen. Dafür brauche man Bischöfe, die vom Nachfolger Petri und von den legitimen Zivilbehörden ihres Landes anerkannt würden. Der Vatikan betrachte die Vereinbarung als Mittel für diesen Prozess, der eine "Zusammenarbeit aller" verlange, so Parolin.

Expertin äußert Kritik

Die China-Expertin Katharina Wenzel-Teuber sieht das Abkommen zwischen dem Vatikan und China zurückhaltend. Der Vatikan und Papst Franziskus hätten mit dem unterzeichneten Abkommen wenige Einflussmöglichkeiten, wenn etwa die chinesische Regierung eigene Bischofskandidaten ohne Zustimmung des Papstes durchdrücken sollte, sagte die Sinologin im Interview des Portals katholisch.de. Mit dem Abkommen akzeptiere der Vatikan, dass künftig Bischöfe unter Aufsicht der Behörden gewählt würden, sagte Wenzel-Teuber. Diese versuchten in der Regel, die Wahl "nach ihren eigenen Interessen zu beeinflussen". Der Papst hätte dann nur noch das Recht, der Personalie zuzustimmen oder sie abzulehnen.

cgn/kle (ap, afp, dpa, kna, rtre)

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