China sperrt Tibet für Touristen | Aktuell Asien | DW | 20.02.2019
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Asien

China sperrt Tibet für Touristen

Der 60. Jahrestag der Flucht des Dalai Lama aus Tibet naht - und China schließt die Region für ausländische Urlauber, zumindest bis zum 1. April. Die Sicherheitslage in der Region ist angespannt.

Touristen wefen Glücksbringer in die Luft (Foto: picture-alliance)

Touristen können bis zum 1. April die Yumbulagang Festung in der Nähe von Lhasa nicht besuchen (Archivbild)

Wie mehrere chinesische Reiseagenturen bestätigten, sollen Ausländer bis zum 1. April nicht mehr einreisen dürfen. Die notwendige Genehmigung werde erst zu diesem Datum wieder erteilt. Wann die Sperre in Kraft getreten ist, ist unklar. 

Vor wichtigen politischen Treffen oder Jahrestagen hat China in der Vergangenheit ausländischen Urlaubern immer wieder den Zugang nach Tibet verboten, die Nachrichtenagentur AP spricht sogar von einem "jährlichen Vorkommnis". Dennoch hat der 60. Jahrestag der Flucht des Dalai Lama im März besondere Sicherheitsvorkehrungen zur Folge: Tibet ist auch für ausländische Journalisten und Diplomaten fast vollständig gesperrt

Selbstanzündungen als Protest gegen chinesische Politik

Die kontaktierten Reisebüros begründeten die aktuelle Schließung mit einer "Regierungsanweisung". Andere gaben das tibetische Neujahrsfest als Grund an, das aber bereits am 5. Februar gefeiert wurde

Pferde wirbeln Sand auf (Foto: picture-alliance)

Zum tibetischen Neujahrsfest veranstalteten Reiter ein Pferderennen

Generell ist es schwierig, überhaupt Informationen über die tatsächlichen Bedingungen zu bekommen. Hinzu kommt, dass sich in den vergangenen Jahren weit mehr als 100 Tibeter selbst angezündet haben, um gegen die chinesische Politik in den tibetisch bewohnten Gebieten zu protestieren.

Großer Aufstand vor 60 Jahren

Tibet liegt auf einem zwischen 3600 und 5200 Meter hohen Plateau und wird deshalb auch "Dach der Welt" genannt. Vom 15. Jahrhundert an entwickelte sich das buddhistische Königreich zu einem Mönchsstaat mit dem Dalai Lama als Oberhaupt und Lhasa als Hauptstadt.

Dalai Lama trifft Wissenschaftler aus China (Foto: Imago/Hindustan Times)

Der Dalai Lama lebt in Indien im Exil, wo er im November Wissenschaftler aus China empfing

1950 marschierte China mit seiner Volksbefreiungsarmee in Tibet ein und annektierte das Gebiet 1965 als Autonome Region Tibet. Weil die Tibeter die Entführung ihres Anführers befürchteten, entbrannte am 10. März 1959 ein großer Aufstand, in dessen Verlauf der heute 83 Jahre alte Dalai Lama mit seinen Gefolgsleuten ins indische Exil flüchtete. Im März 2008 kam es in Lhasa zu schweren Ausschreitungen, nachdem Mönche der Flucht gedacht hatten. Mehrere Tibeter wurden damals getötet.

Viele Touristen lieben Tibet

China deklariert Tibet als Teil des chinesischen Territoriums und sieht den Dalai Lama als gefährlichen Separatisten. Trotz der schwierigen Sicherheitslage ist Tibet ein immer beliebteres Reiseziel für viele Touristen. 2018 kamen laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua 33 Millionen Besucher in die Region, 2017 waren es mehr als 25 Millionen.

jmw/kle (dpa, ap)