Chinas "Große Solarmauer" soll Energiewende voranbringen
Riesige Solarfelder entstehen in der Kubuqi-Wüste als Teil von Chinas Energiewende. Doch trotz technischer Herausforderungen und grüner Fortschritte bleibt die Region weiterhin ein wichtiger Standort des Kohleabbaus.

Solarboom in der Kubuqi-Wüste
Ein Meer aus Solarzellen erstreckt sich in der Kubuqi-Wüste in der Inneren Mongolei. China, das weltweit die meisten Treibhausgase ausstößt, baut seine Kapazitäten bei Wind- und Solarstrom rasant aus. Gleichzeitig stößt jedoch der geplante Ausbau der Kohleverstromung auf Kritik von Klimaschützern.
400 Kilometer Solarenergie
Bis zum Jahr 2030 soll hier das größte Solarkraftwerk der Welt entstehen: 400 Kilometer lang, durchschnittlich fünf Kilometer breit und mit einer installierten Leistung von 100 Gigawatt. Das entspricht etwa 100 modernen Atomkraftwerken. Die "Große Solarmauer" gehört zu den größten Energieprojekten und könnte die leistungsstärkste Solarenergieanlage weltweit werden.
Bis 2035: Chinas Energieziele wachsen stark
Gerade erst hat Chinas Präsident Xi Jinping während einer Videobotschaft an die Generalversammlung der Vereinten Nationen angekündigt, dass China bis 2035 die Kapazität für Wind- und Solarenergie auf 3,6 Milliarden Kilowatt ausbauen werde - mehr als das Sechsfache des Niveaus von 2020. Dies solle die Netto-Treibhausemissionen "um sieben bis zehn Prozent gegenüber dem Höchststand reduzieren".
Immense Emissionen
Kritiker sind unbeeindruckt. So erklärte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra, Xis Klimaziele seien angesichts des "immensen Fußabdrucks" Chinas "eindeutig enttäuschend". Chinas jüngste Beiträge blieben "weit hinter dem zurück, was wir für erreichbar und notwendig halten". China ist der weltweit größte Verursacher von Treibhausgasen, gefolgt von den USA.
Energiewende auf gigantischer Fläche
Eine Auswertung von Satellitenbildern zeigt, dass in der Kubuqi-Sandwüste in der Inneren Mongolei bereits über 100 Quadratkilometer mit Solarmodulen bedeckt sind. Solarparks in abgelegenen Wüstenregionen spielen eine wichtige Rolle in Chinas Strategie, bis 2060 CO₂-Neutralität zu erreichen.
Die größte Photovoltaikanlage der Welt
Die in Kubuqi erzeugte Energie soll Städte wie Peking und Tianjin versorgen - teils Hunderte Kilometer entfernt. Neue Hochspannungsleitungen sollen den Strom transportieren. Nach der Fertigstellung im Jahr 2030 sollen 3,46 Millionen Solarpanels jährlich 180 Milliarden Kilowattstunden Strom liefern - genug, um allein Pekings gesamten Bedarf von zuletzt 135,8 Milliarden Kilowattstunden zu decken.
Schwierige Bedingungen für Solaranlagen
Das abgelegene Wüstengebiet bringt aber auch große Herausforderungen mit sich: Sandstürme und Hitze mindern die Effizienz der Solaranlagen, Sandablagerungen erschweren die Reinigung. Laut chinesischen Staatsmedien sind die Module in Kubuqi jedoch technisch angepasst - mit selbstreinigenden Ventilatoren und doppelseitigen Zellen, die auch vom Boden reflektiertes Licht einfangen können.
Ausbau der Kohleverbrennung beunruhigt Klimaschützer
Der Ausbau der Solarenergie bedeutet nicht, dass fossile Brennstoffe aufgegeben wurden, besonders in der Inneren Mongolei, einer traditionellen Bergbauregion. In den ersten sechs Monaten des Jahres gingen Kohlekraftwerke mit 21 Gigawatt Leistung ans Netz - so viel wie seit 2016 nicht mehr, berichteten das Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) und der Global Energy Monitor (GEM).
Solarenergie schafft neuen Tourismus
Die glitzernden Solarfelder von Kubuqi gingen viral, zogen viel Aufmerksamkeit im Internet auf sich und haben die Region zu einem beliebten Ausflugsziel für Einheimische gemacht. Der 46-jährige Chang, der früher in der Kohleindustrie arbeitete, beschreibt den Wandel gegenüber der Nachrichtenagentur AFP als äußerst positiv für die Gegend.
Wüste im Wandel: Wie viel Raum bleibt?
Heute betreibt er ein Hotel mit Hütten, die in den Sanddünen unweit der Solarfelder liegen. Doch er befürchtet, dass die Ausweitung der Solarenergie die gesamte Wüste und damit auch diese neue Einnahmequelle verschlingen könnte. "Ich bin aber zuversichtlich, dass die Regierung uns ein wenig davon übrig lassen wird", sagt er.