China lässt Witwe von Dissident Liu Xiaobo ausreisen | Aktuell Welt | DW | 10.07.2018
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Menschenrechte

China lässt Witwe von Dissident Liu Xiaobo ausreisen

Sie stand unter strenger Bewachung - doch nun entließen die Behörden Liu Xia in die Freiheit. Ihr Ziel: Berlin. Menschenrechtler atmen auf. Denn die 57-Jährige ist gesundheitlich angeschlagen.

Liu Xia (Reuters/N. Elias)

Liu Xia, von der es nur wenige Fotos gibt, hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 2010

Die seit acht Jahren unter Hausarrest stehende Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo durfte überraschend ausreisen. Liu Xia habe das Land an Bord einer Maschine der finnischen Fluggesellschaft Finnair verlassen, sagten Freunde der Familie der Deutschen Welle. Sie wird demnach von Michael Clauss, dem deutschen Botschafter in Peking, begleitet.

Lius Bruder Hui gab die Nachricht, dass seine Schwester "ein neues Leben beginnt", in dem sozialen Netzwerk WeChat bekannt. Liu Xia will sich in Deutschland medizinisch behandeln lassen. Die Künstlerin, Fotografin und Dichterin leidet nach Aussagen ihrer Freunde unter schweren Depressionen.

Nobelpreisträger Liu Xiaobo (picture alliance/dpa)

Erhielt als erster Chinese den Friedensnobelpreis: Liu Xiaobo, der verstorbene Ehemann von Liu Xia (Archivbild)

Anklage gegen Unterdrückung

Die Freilassung erfolgt nur einen Tag nach einem Treffen von Chinas Ministerpräsident Li Keqiang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums betonte indes: "Es gibt keine Verbindung mit gegenwärtigen Besuchen von wichtigen Führern."

Deutschland hatte sich ebenso wie weitere Staaten mehrfach für die 57 Jahre alte Künstlerin eingesetzt. Das deutsche PEN-Zentrum hatte die chinesische Malerin und Dichterin vor knapp einem Jahr zum Ehrenmitglied ernannt - als Zeichen der Solidarität.

 

Regierungskritiker wiesen nach der Entscheidung der chinesischen Behörden zugleich darauf hin, dass Liu nicht im Vollsinne frei sei, weil ihr Bruder Liu Hui nicht mit ausreisen durfte. Er werde als "Geisel" zurückbehalten, sagte der Bürgerrechtler Hu Jia. Die Botschaft laute: "Dein Bruder ist hier. Du bist wie ein Flugdrachen an der Schnur. Die Grenzen deiner freien Meinungsäußerung sind in den Händen anderer."

Verdächtig durch Heirat

Ob die Künstlerin im Exil tatsächlich politisch aktiv werden will, ist allerdings völlig offen - nicht nur wegen ihres Gesundheitszustands. Liu Xia war selbst nie als Bürgerrechtlerin aktiv. Erst durch ihre Heirat mit Liu Xiaobo geriet sie ins Fadenkreuz der Staatssicherheit.

Hongkong Liu Xiaobo Trauermarsch (picture-alliance/AP/V. Yu)

Demonstranten in Hongkong gedenken im Juli 2017 des verstorbenen Regimekritikers Liu Xiaobo

Allerdings werden auch Liu Xias Werke als Anklage gegen die Unterdrückung unliebsamer Meinungen in China verstanden. Ihr Mann, der Dichter und Philosoph Liu Xiaobo, war vor einem Jahr im Alter von 61 Jahren an Krebs gestorben. Er war kurz zuvor nach langjähriger Haft in ein Krankenhaus verlegt worden. China hatte dem Sterbenskranken und seiner Frau damals trotz vieler Appelle die Ausreise verweigert. 2009 war der Schriftsteller wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Anlass war die "Charta 08", ein Aufruf für demokratische Reformen. Liu durfte auch den Friedensnobelpreis, der ihm als erstem Chinesen 2010 verliehen wurde, nicht selbst entgegennehmen.

jj/sam (dpa, afp, epd)

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