China: Hype um neue Sonderwirtschaftszone | Wirtschaft | DW | 10.04.2017
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Wirtschaft

China: Hype um neue Sonderwirtschaftszone

Mehr als zehn Prozent Plus pro Tag - vier Tage in Folge: Unweit von Peking soll eine neue Sonderwirtschaftszone entstehen, und Aktien von Firmen, die damit zu tun haben, gehen schon jetzt an der Börse durch die Decke.

China Neue Region für die Entwicklung um Peking (picture-alliance/dpa/Imaginechina/ Wang Yixuan)

Aufbau einer neuen Sonderwirtschaftszone: Baustelle in der Provinz Hebei

Bei zehn Prozent Zugewinn für eine Aktie am Tag ist Schluss an der Börse in Schanghai. Dann ist das Tageslimit pro Aktie erreicht. Aber es sind gleich mehr als zwanzig Unternehmenswerte, die dieses Limit in diesen Tagen erreichen, und bei allen Firmen hängt das mit einem Vorhaben zusammen, das schon jetzt als "Jahrtausend-Projekt" vermarktet wird: die neue Sonderwirtschaftszone Xiongan unweit von Peking.

Es geht um Immobilien-Unternehmen, um Baufirmen, um Lieferanten von Zement und Stahl und ähnlichem, was man braucht, wenn man schnell viel bauen will. Derart groß ist der runauf die entsprechenden Aktien, dass die chinesische Finanzaufsicht schon versucht gegenzusteuern, indem sie mehrere Firmen auf dem Börsenzettel warnte, den Kunden keine überzogenen Versprechungen zu machen.

"Prägend für das Jahrtausend"

Dabei hatte die Propaganda aus Peking am vorletzten Wochenende das ganze große Rad gedreht: Da sei "vom Zentralkomitee der KP rund um den Genossen Xi Jiping eine große, historische und strategische Entscheidung" getroffen worden, die "prägend für das kommende Jahrtausend" sei. Mit diesen Worten berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua von dem Beschluss über die neue Sonderwirtschaftszone, die die Hauptstadt besser mit der umgebenden Region verzahnen soll.

China Neue Region für die Entwicklung um Peking (picture-alliance/dpa/Imaginechina/Niu Bo)

Alter Mann in Hebei: Misstrauischer Blick auf die Lieferung von Baumaterial

Das Gebiet für die geplante Sonderwirtschaftszone liegt rund 100 Kilometer von Peking entfernt in der Provinz Hebei und soll sich langfristig über 2.000 Quadratkilometer erstrecken. Der Hafen von Tianjin und die Provinzhauptstadt von Hebei liegen ähnlich weit entfernt. Der Aufbau der Wirtschaftszone wird als Versuch der Führung in Peking gewertet, die Hauptstadt mit ihrer Luftverschmutzung, dem Bevölkerungswachstum und dem chaotischen Verkehr zu entlasten.

Groß wie New York

Xiongan soll irgendwann drei Mal so groß wie New York werden. Noch ist die Provinz Hebei eine verhältnismäßig arme Gegend mit viel Schwerindustrie. Die Hoffnungen der Behörden richten sich offenbar auch darauf, durch die neue Wirtschaftszone das Wachstum der Volkswirtschaft wieder zu beflügeln, das im letzten Jahr den schwächsten Wert seit einem Vierteljahrhundert aufwies. Das wird im laufenden Jahr Prognosen zufolge nicht anders sein.

Das Gebiet von Xiongan soll es ähnlichen Projekten nachtun, die zu großen Erfolgen wurden: Gemeint sind die Sonderwirtschaftszone von Shenzen aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Süden des Landes und das Gebiet von Pudong bei Schanghai, das in den neunziger Jahren ausgebaut wurde.  

China Sheung-Yue-Fluss zwischen Shenzen und Hong Kong (Getty Images/AFP/F. Dufour)

Vorbild Shenzen: Blick auf die Stadt im Zentrum der Sonderwirtschaftszone

Innerhalb von Stunden, nachdem die Nachricht bekannt geworden war, nahmen sich Investoren aus dem ganzen Land die Gegend von Xiongan vor. Lokale Medien berichteten, dass die Hotels der Gegend plötzlich ausgebucht waren. Die Preise für eine durchschnittliche Wohnung dort verdoppelt sich nahezu im Laufe eines Tages.

Dieser Trend setzte sich an der Börse von Schanghai fort. "Wir haben es mit einem stark von Schlagzeilen getriebenen Markt zu tun", so Conita Hung, unabhängige Analystin aus Hongkong in der vergangenen Woche. "Der einzige Grund für den Optimismus ist die Nachricht von der neuen Wirtschaftszone, aber es ist unwahrscheinlich, dass das sehr nachhaltig ist."

ar/ul (rtr, afp

 

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