UEFA-Exekutive beschließt Champions-League-Reform | Sport | DW | 10.05.2022
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Champions League

UEFA-Exekutive beschließt Champions-League-Reform

Die Champions League sieht ab dem Jahr 2024 anders aus. Die UEFA-Exekutive überdenkt ihre ursprünglichen Vorschläge und passt sie der Kritik an. Mehr Teams, mehr Spiele und ein neuer Austragungsmodus.

Champions League Pokal

Der Champions-League-Pokal

Das UEFA-Exekutivkomitee hatte sich bereits im vergangenen Jahr entschieden: Die geplante Reform der Champions League soll ab 2024 umgesetzt werden. Nun hat das höchste Gremium des europäischen Fußballverbands in Wien erneut über einige Details des Plans diskutiert und einige Änderungen eingearbeitet. Der Grund: Viele Fan-Initiativen, aber auch der organisierte europäische Fußball hatten dringenden Korrekturbedarf gesehen.  

So soll die neue Champions League aussehen: 

In der Champions League wird ab 2024 nicht mehr wie gewohnt mit 32 Teams in acht Vorrundengruppen gespielt. Das Teilnehmerfeld wird um vier Mannschaften erhöht, die Zeit der Gruppenspiele hat ein Ende. Die dann 36 Teams spielen künftig in einem Ligasystem, in dem aber nicht jeder gegen jeden antritt. Jedes Team soll demnach acht statt bislang sechs Vorrundenspielen bestreiten: vier Heim-, vier Auswärtsspiele. Ursprünglich waren zehn Partien pro Mannschaft geplant gewesen.

32 Mannschaften qualifizieren sich wie zuvor über ihre heimischen Ligen. Zwei der vier zusätzlichen Startplätze gehen an die beiden in der Vorsaison erfolgreichsten Nationalverbände. Mit der nun beschlossenen Regelung würden in der aktuellen Saison England und die Niederlande profitieren und in der kommenden Spielzeit jeweils einen Königsklassen-Starter mehr stellen. Die weiteren beiden zusätzlichen Champions-League-Plätze sollen an die fünftbeste Nation, derzeit Frankreich, und an einen weiteren nationalen Meister gehen, der bislang nicht automatisch dabei war.

Damit ließ die UEFA-Exekutive ihren höchst umstrittenen Plan fallen, zwei der vier Champions-League-Tickets an Teams zu vergeben, die sich nicht über ihre nationalen Ligen qualifizieren konnten - allein auf der Grundlage der Ergebnisse der vergangenen fünf Jahre. Das galt als Entgegenkommen an jene großen Klubs aus England, Spanien und Italien, deren Plan einer eigenständigen Super League vor einem Jahr gescheitert war. 

Die besten acht Teams der Tabelle stehen künftig direkt im Achtelfinale. Die 16 dahinter platzierten Mannschaften tragen eine Playoff-Runde um die anderen acht Plätze aus. Vom Achtel- bis Halbfinale gibt es wie bisher Hin-und Rückspiele. Dann folgt das Finale in einem Spiel. 

"Wir sind überzeugt, dass das gewählte Format die richtige Balance trifft und dass es die Ausgeglichenheit des Wettbewerbs verbessert und stabile Einnahmen generiert, die zwischen Klubs, Ligen und der Fußball-Basis auf dem Kontinent verteilt werden können, während sich gleichzeitig die Popularität der Klub-Wettbewerbe steigert", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin.

Das war die Kritik an den ursprünglichen Plänen:

Die organisierten Fans der "Football Supporters Europe (FSE)" hatten in einem offenen Brief vor den Folgen der Reform gewarnt: "Am Ende wird Ihre Entscheidung das Spiel für eine ganze Generation prägen, mit Auswirkungen auf jede Liga, jeden Klub, jeden Spieler und Fan in Europa." Gerichtet war das Schreiben an die Klub-Vereinigung ECA, die mit zwei Sitzen im UEFA-Exekutivkomitee vertreten ist.

Die FSE hatte eine europaweite Bürgerinitiative zum Schutz des traditionellen Fußballs beschlossen. "Sport ist ein gesellschaftliches Gut, das allen gehört - nicht nur den Reichen und einer Elite", begründete die Organisation ihren Schritt. 

"Viele Fans haben sich in den letzten Monaten zu nötigen Reformen im Fußball Gedanken gemacht und gemerkt, dass ein zukunftsfähiger und nachhaltiger gesamteuropäischer Fußball ohne EU-weite Regulierungen schwer zu erreichen sein wird", sagte Helen Breit, Sprecherin der deutschen Fan-Initiative "Unsere-Kurve".

Der europäische Ligenverband European Leagues, in dem auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) organisiert ist, hatte unter anderem die geplante höhere Anzahl der Spiele kritisiert. "So eine Steigerung wird der großen Mehrheit der Klubs schaden und nur sehr wenigen nutzen", sagte der Däne Claus Thomsen, Vorsitzender der European Leagues. Zudem hatte die Organisation die Teilnahme von mehr nationalen Meistern in der Champions League gefordert.  

Des Weiteren sollten ausschließlich "sportliche Kriterien" über die Qualifikation entscheiden und nicht - wie ursprünglich von der UEFA geplant - die Ergebnisse der Klubs aus den vergangenen Jahren berücksichtigt werden. Das, so der Ligenverband, wäre eine Art Sicherheitsnetz für Großklubs, die eine schlechte Saison spielen, und verstoße gegen das Prinzip des Wettbewerbs. "Hier geht es um Herz und Seele des Fußballs. Das ist es, warum sich Fans jedes Wochenende für den Fußball begeistern", sagte Thomsen.

Zudem befeuert die derzeitige Praxis der Geldverteilung nach Meinung der European Leagues die zunehmende Ungleichheit und damit Langeweile in den jeweiligen Ligen (FC Bayern zehnmal in Folge deutscher Meister). Von den derzeit rund 3,5 Milliarden Euro Gesamteinahmen aus den europäischen Klubwettbewerben werden nur jeweils vier Prozent als Solidaritätszahlungen an die Klubs ausgeschüttet, die nicht mitspielen. Ab 2024 erhöhen sich die Einnahmen aus den TV-Verträgen auf rund fünf Milliarden Euro. 

Der Artikel wurde nach dem Beschluss der UEFA-Exekutive aktualisiert.

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