Chamenei stellt sich hinter Revolutionsgarden | Aktuell Nahost | DW | 17.01.2020
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Nach Protesten im Iran

Chamenei stellt sich hinter Revolutionsgarden

Erstmals seit 2012 hat Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei in Teheran das Freitagsgebet geleitet. Er nutzte den Auftritt, um den Westen scharf zu attackieren. Aus Washington folgte eine Warnung.

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Chamenei: Stärke ist nicht nur militärisch

In seiner Predigt verteidigte der mächtigste Mann der Islamischen Republik ausdrücklich die Revolutionsgarden gegen scharfe Kritik. Die Truppe stehe für die Sicherheit der Nation, betonte Chamenei. Die einflussreiche Elitetruppe hatte die volle Verantwortung für den Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs übernommen, nachdem die iranische Führung dies tagelang abgestritten hatte. Der Abschuss der Maschine und das späte Eingeständnis hatten massive Proteste gegen die Staatsspitze in Teheran und anderen Städten ausgelöst. Dabei waren auch Rufe nach dem Rücktritt Chameneis laut geworden. Bei dem Absturz wurden alle 176 Insassen, zumeist Iraner und Kanadier, getötet.

Chamenei bekräftigte, der Flugzeugabsturz sei ein "tragischer Unfall" gewesen und habe die Iraner erschüttert. "Einige" Menschen versuchten jedoch, das Unglück so darzustellen, dass "das großartige Märtyrertum und die Aufopferung" von General Ghassem Soleimani in Vergessenheit gerate. Die Feinde Irans versuchten so, die Revolutionsgarden zu schwächen. Die Demonstranten im Iran beschuldigte er, die "feige" Tötung des Generals durch das US-Militär herunterspielen zu wollen. Den USA warf er eine "terroristische Natur" vor. Chamenei bezeichnete den US-Präsidenten Donald Trump als Clown, der nur vorgebe, das iranische Volk zu unterstützen, aber in Wahrheit giftige Dolche in ihren Rücken stoße.

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Die Reaktion aus Washington ließ nicht lange auf sich warten. Trump kritisierte die Aussagen "des sogenannten 'Obersten Anführers' des Irans" auf Twitter scharf. "Er sollte vorsichtig mit seinen Worten sein!" Chamenei habe in seinem Freitagsgebet "böse Dinge" über die USA und Europa gesagt. Derweil stürze die iranische Wirtschaft ab und die Bevölkerung des Landes leide, so Trump.

US-Streitkräfte hatten den iranischen Top-General Anfang Januar mit einem gezielten Drohnenangriff im Irak getötet. Darauf beschoss der Iran zwei US-Stützpunkte in dem Nachbarland mit Raketen. Die Revolutionsgarden erwarteten daraufhin nach eigenen Angaben einen Vergeltungsschlag der USA und verwechselten das Flugzeug mit einem Marschflugkörper. Trump verzichtete auf die Ankündigung militärischer Vergeltung.

Politischer Kurs bleibt unverändert

Der oberste geistliche Führer versicherte, die jüngsten Proteste hätten keine Auswirkung auf den politischen Kurs des Landes. "Das iranische Volk liebt und will den Widerstand gegen die Weltmächte und keine Kapitulation, auch 41 Jahre nach der Revolution", sagte Chamenei. "Wir haben keine Angst vor diplomatischen Verhandlungen", fügte er hinzu. Mit den USA und unter Druck wolle man aber nicht verhandeln. Die Reaktion des EU-Trios im Atomstreit habe gezeigt, dass auch auf sie kein Verlass sei. "Wir sollten nicht vergessen, dass sowohl Deutschland als auch Frankreich den Irak im Krieg gegen uns (1980-88) unterstützt haben", so der Ajatollah.

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Millionen von Menschen seien zur Trauerfeier für den getöteten Al-Kuds Kommandeur Ghassem Soleimani auf die Straße gegangen, sagte Chamenei. Einige Hunderte, die ihn mit ihren Parolen beleidigt hätten, seien von feindlichen Medien im Ausland getäuscht worden. Sie würden den Willen des Volkes nicht ändern können, so der Ajatollah, der laut Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Belangen hat.

Letzte Freitagspredigt im Jahr 2012

Das letzte Mal hatte Chamenei zum 33. Jubiläum der iranischen Revolution im Februar 2012 das Freitagsgebet in der Teheraner Mosalla-Moschee geleitet. Damals befand sich der internationale Atomkonflikt mit dem Iran auf einem Höhepunkt. Auch der Auftritt des geistlichen Oberhaupts an diesem Freitag ist nach Ansicht von Beobachtern ein Signal an die Bevölkerung des krisengeschüttelten Landes.

Laut Medienberichten nahmen Zehntausende am Freitagsgebet teil und bekräftigten die Aussagen Chameneis mit Parolen wie "Tod den USA" und "Keine Kompromisse, keine Kapitulation, nur Kampf gegen die USA". Das Freitagsgebet wurde auf mehreren Kanälen des Staatsfernsehens live übertragen. Im Vorfeld des Freitagsgebets waren zahlreiche Polizisten im Einsatz, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur afp berichteten. Die iranischen Behörden hatten landesweit zu Kundgebungen im Anschluss an das Gebet aufgerufen, mit denen die Gläubigen ihre Unterstützung für die iranischen Streitkräfte und die Revolutionsgarden hervorheben sollten.

kle/rb (rtr, dpa, afp)

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