Chalifa Haftar: Ein General gibt nicht nach | Aktuell Afrika | DW | 09.04.2019
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Libyen

Chalifa Haftar: Ein General gibt nicht nach

Wer Tripolis hat, der hat auch die Macht, hoffen manche in Libyen. Seit Tagen versuchen die Truppen der sogenannten Libyschen Nationalarmee, die Hauptstadt sturmreif zu schießen. Den UN bleiben nur Appelle.

Libyen Kämpfe in Tripolis (picture-alliance/ZumaPress)

Regierungstruppen in Tripolis bereiten sich auf neue Angriffe vor

Nach dem jüngsten Luftangriff auf den einzig verbliebenen Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, die sofortige Einstellung aller Kampfhandlungen gefordert. Die Situation müsse deeskaliert werden, um einen umfassenden Konflikt zu verhindern, sagte sein Sprecher in New York. Es gebe für den Konflikt keine militärische Lösung. Alle Parteien seien aufgefordert, "unverzüglich einen Dialog über eine politische Lösung aufzunehmen".

Ein "Anti-Terror-Kampf"?

Guterres verurteilte den Angriff auf den Airport und machte dafür die sogenannte Libysche Nationalarmee (LNA) von General Chalifa Haftar verantwortlich. Am Montag hatten Kampfjets den militärischen Teil des Flughafens Mitiga bombardiert. Der Flugbetrieb sei eingestellt und das Gelände evakuiert worden, hieß es. Flüge würden bis auf weiteres ins 200 Kilometer entfernte Misrata umgeleitet.

Infografik Der Konflikt in Libyen DE

Seit Donnerstag rückt die LNA auf Tripolis vor. Ihr Befehlshaber Haftar gilt als mächtigster Gegenspieler von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch. Dessen Regierung der nationalen Einheit in Tripolis wird international anerkannt. Das libysche Parlament dagegen hat seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2014 seinen Sitz im ostlibyschen Tobruk. Dort und im Süden des Landes kontrolliert der - mit dem Parlament verbundene - General die größten Gebiete, darunter auch zahlreiche Ölförderanlagen. Während Haftar von einem "Anti-Terror-Kampf" spricht, glauben Beobachter, dass es bei dem Feldzug in Wahrheit um die Resourcen des Landes geht.

Libyen ist seit dem Sturz des früheren Machthabers Muammar Gaddafi im Jahr 2011 gespalten. Haftar diente unter Gaddafi als hochrangiger Offizier. 

Zu Beginn der Woche hatten sich seine Kämpfer rund um die Hauptstadt Gefechte mit Regierungstruppen geliefert. Der General ließ die Stadt auch aus der Luft angreifen. Auch aus dem etwas weiter östlich gelegenen Wadi Rabi wurden Zwischenfälle gemeldet. Nach Regierungsangaben sind bisher mindestens 35 Menschen getötet worden. Rund 40 weitere Menschen sollen seit Beginn der Offensive verletzt worden sein.

Hilfsorganisationen in Sorge

Um sich vor dem drohenden Krieg in Sicherheit zu bringen, haben nach UN-Angaben bislang etwa 3000 Frauen, Männer und Kinder die Flucht ergriffen. Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge erklärte, die Mehrheit sei bei Angehörigen in sichereren Regionen untergekommen. Einige seien auch in ein Lager im Vorort Tadschura gebracht worden, rund 30 Kilometer östlich von Tripolis. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärte, sie sei "äußerst besorgt" nicht wegen eingeschlossener Zivilisten in Tripolis, sondern auch wegen der Migranten, die derzeit "in Internierungslagern in den betroffenen Gebieten" lebten. So liege beispielsweise das Lager Ain Sara direkt im Kampfgebiet.

ml/fab (rtr, afp, dpa)

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