BVB-Profis leiden noch unter Bombenattentat | Fußball | DW | 19.03.2018
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Bundesliga

BVB-Profis leiden noch unter Bombenattentat

Beim Prozesses zum Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund werden einige Spieler und Thomas Tuchel gehört. Der Ex-Trainer sieht im Attentat den Grund für seine Entlassung beim BVB.

Der Eine erschreckt sich immer noch, wenn es irgendwo ein lautes Geräusch gibt, dem Anderen reichte die Zeit zur Verarbeitung nicht aus, der Dritte nimmt psychologische Hilfe in Anspruch. Der Bombenanschlag auf die Mannschaft des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund belastet die betroffenen Spieler und Betreuer auch heute noch. Das erklärten mehrere Leidtragende bei der Fortsetzung des Prozesses gegen Sergej W. vor dem Landgericht Dortmund am Montag in teilweise sehr persönlichen Aussagen.

"Das ist immer noch ein Thema in der Mannschaft. Ich kenne Spieler, die noch immer darunter leiden. Das war ein Anschlag auf das Leben", sagte Torwart Roman Weidenfeller: "Das hat mein Leben verändert." Er selbst nehme seitdem psychologische Hilfe in Anspruch: "Man ist immer noch betroffen, immer noch schreckhaft."

Kapitän Marcel Schmelzer erklärte, er zucke immer noch bei lauten Geräuschen zusammen. "Ich versuche, es wegzuschieben. Aber es gibt immer wieder Momente, in denen man denkt, was für ein Glück wir hatten."

Anschlag Grund für Vereinswechsel

Für Ex-Dortmunder Sven Bender, der seit dem Sommer bei Bayer 04 Leverkusen spielt, waren der Anschlag und der Umgang damit sogar ein Grund für seinen Vereinswechsel. Das traumatische Erlebnis "habe auch Einfluss" darauf gehabt, auch wenn zum größeren Teil aber sportliche Gründe den Ausschlag gegeben hätten. Bender bezeichnete es im Nachhinein als "Fehler", dass die Mannschaft am Tag nach dem Attentat zum Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den AS Monaco angetreten sei. "Für mich wurde das Thema schnell abgehakt. Das war schade, deshalb hat man auch nicht so viel drüber gesprochen", sagte er.

Deutschland Prozess um den Sprengstoffanschlag auf den BVB-Bus
(picture-alliance/dpa/B. Thissen)

Thomas Tuchel zu seiner Entlassung: "Der große Dissens bestand darin, dass ich im Bus saß und Aki Watzke nicht."

Auch Ex-Trainer Thomas Tuchel sieht einen direkten Zusammenhang zwischen seiner Entlassung bei Borussia Dortmund und dem Anschlag. "Davon würde ich ausgehen", sagte Tuchel auf die Frage des Oberstaatsanwaltes Carsten Dombert, ob er ohne das Attentat am 11. April über den Sommer hinaus BVB-Trainer geblieben wäre. Hintergrund ist der Streit mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke über den richtigen Umgang mit dem Anschlag am Abend des Viertelfinal-Hinspiels in der Champions League gegen den AS Monaco. 

Das Verhältnis zwischen Watzke und Tuchel galt am Ende als zerrüttet, auch wegen Meinungsverschiedenheiten bei diesem Thema. Nach dem Ende der vergangenen Saison trennten sich die Wege von Dortmund und Tuchel, obwohl dieser mit dem BVB den DFB-Pokal gewonnen hatte. "Aki [Watzke, Anm. Red.] hat das ja öffentlich schon gesagt, dass es großen Dissens gegeben hat. Das stimmte auch so", sagte Tuchel: "Der große Dissens bestand darin, dass ich im Bus saß und Aki nicht. Deshalb gab es auch eine andere Herangehensweise mit dem Umgang. Ohne das Aki jetzt vorhalten zu wollen." Er selbst spüre keine Nachwirkungen des Attentats, auch keine psychologischen Folgen. Allerdings sei er "absolut davon überzeugt", dass das Erlebnis Auswirkungen auf die Leistungen der Spieler gehabt habe.

Versuchter Mord in 28 Fällen

Vom Angeklagten Sergej W. gibt es inzwischen ein Geständnis: Er habe vor der Abfahrt des BVB zum Spiel gegen Monaco am 11. April am Teamhotel der Dortmunder drei Sprengsätze gezündet. W. bestreitet allerdings jegliche Tötungsabsicht. Das Motiv soll vielmehr Habgier gewesen sein. Mutmaßlich wollte Sergej W. nach seiner Tat am sinkenden Kurs der BVB-Aktie verdienen.

Die Staatsanwaltschaft wirft W. versuchten Mord in 28 Fällen, das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und schwere Körperverletzung in zwei Fällen vor. Der ehemalige BVB-Innenverteidiger Marc Bartra hatte einen Armbruch und Fremdkörpereinsprengungen erlitten, ein begleitender Polizist ein Knalltrauma.

asz/ck (sid, dpa)

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