Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel wütend über Deutsche Bank | Wirtschaft | DW | 02.10.2016
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Polemik gegen Selbstdarstellung des Geldhauses

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel wütend über Deutsche Bank

Die Deutsche Bank hatte sich als Opfer von Spekulanten hingestellt. SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist empört. Er wirft den Frankfurter Bankern vor, mit den gleichen Methoden zu arbeiten.

"Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer erklärt": Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sieht keinen Grund zum Mitleid mit der taumelnden Deutschen Bank und ihrem Management. Er mache sich vielmehr "Sorgen um die Menschen, die bei der Deutschen Bank beschäftigt sind", so der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler in ungewöhnlich heftiger Kritik während seines Flugs nach Teheran. Gabriel nahm damit Bezug auf jüngste Äußerungen von Bank-Chef John Cryan, der Spekulanten für den Absturz des Börsenkurses verantwortlich gemacht hatte, die das Vertrauen in das Kreditinstitut schwächen wollten.

John Cryan Deutsche Bank Pressekonferenz Frankfurt am Main (picture-alliance/dpa/F. von Erichsen)

Stellte sein Geldhaus als Opfer von Spekulanten dar: Bankchef Cryan

"Verantwortung für den Wahnsinn"

Gabriel machte für die aktuelle Krise des Frankfurter Geldhauses dagegen frühere Fehler des Managements verantwortlich. "Das Szenario ist, dass Tausende Menschen ihre Arbeit verlieren werden. Sie tragen jetzt die Verantwortung für den Wahnsinn, der betrieben wurde von verantwortungslosen Managern", sagte der Minister.

Auf die Frage nach möglichen staatlichen Finanzspritzen sagte er, seine Sorge gelte nicht so sehr der Bank wie dem Verlust von Jobs. 

Die Deutsche Bank stand zuletzt wegen eines Rechtsstreits in den USA stark unter Druck. Das US-Justizministerium forderte 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) wegen Geschäften mit faulen Hypothekenpapieren - die Bank hat für Rechtsstreitigkeiten aber nur rund 5,5 Milliarden Euro zurückgestellt. Die Nachricht von der US-Forderung löste Spekulationen über mögliche Staatshilfen aus, die sowohl von der Bank als auch von der Bundesregierung zurückgewiesen wurden.

Nervosität an der Börse

Unter dem Eindruck der Milliardenforderung war der Aktienkurs des Unternehmens am Freitag kurzzeitig zum ersten Mal überhaupt unter die Zehn-Euro-Marke gefallen. Es gab Gerüchte, einige Hedgefonds hätten Geschäfte mit der Bank zurückgefahren und Geldbestände abgezogen. Später legte der Kurs allerdings kräftig zu, als bekannt wurde, dass die Strafzahlung wohl deutlich niedriger ausfallen wird. Die Summe soll auf 5,4 Milliarden Dollar herabgesetzt werden, wie die Nachrichtenagentur AFP aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen erfuhr.

Wirtschaftsminister Gabriel hatte zuletzt im Streit um die Übernahme der Tengelmann-Supermarktkette durch Edeka eine schlechte Figur gemacht. Er wird bis Dienstag den Iran besuchen, um Chancen für die deutschen Unternehmen auszuloten. 

SC/stu (afp, dpa, rtr)

 

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