Bulgarische Polizisten auf Dortmunds Straßen | Europa | DW | 03.11.2013
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Europa

Bulgarische Polizisten auf Dortmunds Straßen

Armutsmigration aus Bulgarien: Ein Teil der bulgarischen Zuwanderer bringt der Dortmunder Polizei seit Jahren Probleme. Deshalb hat sie nun Hilfe aus dem Herkunftsland der Flüchtlinge erhalten.

"Ich habe einige Gesichter wiedererkannt", erzählt Atanas Georgiev von der Polizeidirektion Plovdiv, der gemeinsam mit seinem Kollegen aus Sofia, Dimitar Dimitrov, für zwei Wochen nach Dortmund gekommen ist. Der Inspektor aus Plovdiv arbeitet seit 15 Jahren im Bereich der Kleinkriminalität in Bulgarien, meistens auf den Straßen des Romaviertels Stolipinovo. In Dortmund entdeckt er viele Ähnlichkeiten zu seiner Arbeit in der Heimat: "Unterschiede gibt es nur im Umfeld. Aber eigentlich ist die Situation hier ähnlich wie in Plovdiv, in den Romavierteln", sagt Georgiev.

Passanten überqueren die Mallinckrodtstraße in Dortmund: hier wohnen die meisten Zuwanderer aus Bulgarien. Copyright: DW/Bilyana Mihaylova

Mallinckrodtstraße in Dortmund: hier wohnen die meisten Zuwanderer aus Bulgarien.

Bulgarische Polizeibeamte sind damit nun bereits zum zweiten Mal in Dortmund. Beim ersten Mal waren sie 2011 in der Stadt, als es große Probleme mit der wachsenden Straßenprostitution gab. Die Stadt sah sich gezwungen, den Straßenstrich, auf dem vorwiegend bulgarische Prostituierte arbeiteten, zu schließen. Dafür holte sich die Dortmunder Polizei Hilfe aus deren Heimatland. Nun gilt das Hauptaugenmerk dem Kampf gegen Einbruch, Taschen- und Metalldiebstahl.

Seit 2007, als Bulgarien der EU beigetreten ist, kommen immer mehr Menschen aus Bulgarien nach Dortmund. Es sind zumeist Wirtschaftsflüchtlinge aus Plovdiv. Deshalb greift die Dortmunder Polizei wieder auf die Unterstützung aus Bulgarien zurück. Denn bulgarische Polizisten verstehen nicht nur die Landessprache, sie kennen sich auch mit der Mentalität und den Strukturen im bulgarischen Milieu aus.

Vorbereitung auf den freien Arbeitsmarkt

Norbert Wesseler, Polizeipräsident von Dortmund und der Wachleiter der Polizeiwache Nord Detlef Rath, in Dortmund Copyright: DW/Bilyana Mihaylova

Norbert Wesseler, Polizeipräsident von Dortmund: "Wir wollen vorbereitet sein"

In Dortmund fahren die Bulgaren mit ihren deutschen Kollegen Streife - in Zivil und unbewaffnet. Waffen benötigen sie auch nicht. Was zählt sind Personen- und Strukturkentnisse, die für die Dortmunder Polizei außerordentlich nützlich sein könnten. So jedenfalls die Hoffnung von Detlef Rath, Leiter der Polizeiwache Nord. Denn in Dortmund sind offiziell etwa 1700 Bulgaren gemeldet, darunter sind 300 bis 350 Personen von denen man vermutet, dass sie in Verbindung zu kriminellen Strukturen stehen.

Die meisten Bulgaren leben im nördlichen Teil von Dortmund. Hier gibt es auch die größten Probleme, sagt Dortmunds Polizeipräsident Norbert Wesseler. Er erwartet, dass die bisherige Zusammenarbeit mit der bulgarischen Polizei auch die Vorbereitungen für das nächste Jahr erleichtern wird. Denn: Ab 1. Januar haben Bulgaren und Rumänen freien Zugang zum Arbeitsmarkt der EU-Staaten. "Wir wissen nicht, wie viele Bulgaren noch zu uns kommen werden. Wir wollen aber darauf vorbereitet sein."

Warum steigt die Kriminalität?

Portraits von Atanas Georgiev und Dimitar Dimitrov in Dortmund Copyright: DW/Bilyana Mihaylova

In Dortmund angekommen: die bulgarischen Polizisten Atanas Georgiev und Dimitar Dimitrov

Die Idee kam von bulgarischer Seite - die Behörden wollten sich nicht mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, sie blieben bei den Problemen, die Deutschland mit den Wirtschaftsmigranten hat, teilnahmslos. Und so werden den Polizeibeamten Sozialarbeiter folgen - so genannte Integrationslotsen. Denn die meisten Zuwanderer aus Bulgarien sind der deutschen Sprache nicht mächtig und deshalb nicht in der Lage, die nötigen Formalitäten zu erledigen.

Das ist eine der Ursachen, warum viele Opfer von Mafiastrukturen werden, erzählt Marita Hetmeier, ehemaliges Mitglied des Dortmunder Stadtrates: "Es gibt einerseits einen offiziellen Weg - man kann mit dem Linienbus oder mit dem Flugzeug von Plovdiv nach Dortmund kommen. Dann gibt es aber eine Vielzahl inoffizieller Wege, das heißt: Jemand von hier organisiert einen Kleinbus, fährt dorthin, lädt Leute ein, bringt sie hierhin, verteilt sie hier auf Wohnungen, gibt ihnen Anweisungen wo sie hingehen sollen, wo sie arbeiten sollen… All das kostet Geld. Die Menschen, die kommen, müssen jeden einzelnen dieser Schritte bezahlen." Oft finden die Flüchtlinge aber keine Arbeit und sie können diese Dienste nicht bezahlen. Trotzdem kommt laut Hetmeier derjenige, der das Geld haben will und sagt: "Ich will jetzt Geld von Dir. Tu irgendwas! Und wenn es auf regulärem Weg nicht geht, dann in der Grauzone oder der Kriminalität."

Die Stadt möchte die Lage der Ankömmlinge verbessern

Auch im Dortmunder Stadtrat erhofft man sich Hilfe durch den Aufenthalt der bulgarischen Polizisten in der Stadt. "Wir müssen uns um die Menschen kümmern, die hier leben", sagt Dortmunds Rechtsdezernentin Diane Jägers. Die größten Probleme seien die fehlenden Sprachkenntnisse, Arbeitslosigkeit und Angst vor den Behörden. Diese Barrieren müssen abgebaut werden, fordert Diane Jägers.

Die bulgarische Regierung beabsichtigt ihrerseits, auch weitere deutsche Städte zu unterstützen. Und das nicht nur mit Polizisten, sondern auch mit Sozialarbeitern. Georgi Nenov, Vertreter des bulgarischen Innenministeriums in der bulgarischen Botschaft in Berlin, sagt im Gespräch mit der DW, dass in den nächsten Monaten bulgarische Sozialarbeiter nach Mannheim, Duisburg, Berlin und Hannover reisen werden. "Wir wollen zeigen, dass wir vertrauenswürdige Partner sind. Wir hoffen außerdem, dass dadurch das Image Bulgariens etwas aufgebessert werden kann."

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