Brunei verteidigt Todesstrafe gegen Schwule | Aktuell Welt | DW | 23.04.2019
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Menschenrechte

Brunei verteidigt Todesstrafe gegen Schwule

Das Europäische Parlament hatte empfindliche Sanktionen gegen das Sultanat ins Gespräch gebracht. Jetzt sollen die Abgeordneten in Straßburg offenbar beruhigt werden - mit einem Schreiben aus Südost-Asien.

Brunei Sultan Hassanal Bolkiah - Neue Gesetze (Getty Images/AFP)

Sultan Hassanal Bolkiah hatte 2014 damit begonnen, die Scharia einzuführen (Archivbild)

Brunei hat die international heftig kritisierte Einführung der Todesstrafe gegen Homosexuelle verteidigt. Der "Guardian" zitiert aus einem Brief des Sultanats an die Abgeordneten des EU-Parlaments, in dem es heißt, Steinigungen als Strafe für gleichgeschlechtlichen Sex würden selten sein. Die Prognose wird damit begründet, dass stets zwei Männer von "hohem moralischem Rang und Frömmigkeit" als Zeugen erforderlich seien. Im Hinblick auf den Wunsch des Landes, seine traditionellen Werte und seine "Familienlinie" zu bewahren, fordere man "Toleranz, Respekt und Verständnis".

Anfang des Monats waren in Brunei härtere Strafgesetze in Kraft getreten. Auch Diebstahl soll künftig drakonisch bestraft werden: Diebe müssen damit rechnen, dass ihnen Hände und Beine amputiert werden. Grundlage dafür ist die Scharia, die im weiteren Sinne die religiösen und rechtlichen Normen im Islam regelt.

Clooney: "Hotels des Sultans boykottieren"

In dem Brief schreibt das Sultanat weiter, die internationale Kritik sei auf ein Missverständnis zurückzuführen. "Die Kriminalisierung von Ehebruch und Unzucht soll die Unantastbarkeit der Familienlinie und der Ehe von Muslimen gewährleisten."

Brunei Darussalam Omar Ali Saifuddin Moschee (Imago Images/D. Delimont)

Die Sultan-Omar-Ali-Saifuddin-Moschee in Bruneis Hauptstadt Bandar Seri Begawan (Archivbild)

Das EU-Parlament hatte in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, verschiedene Sanktionen zu prüfen, darunter das Einfrieren von Vermögenswerten, Visa-Verbote und eine schwarze Liste von Hotels. Unter anderem der Schauspieler George Clooney hatte gefordert, Hotels, die dem Sultan gehören, zu boykottieren.

In dem Sultanat auf der Insel Borneo sind zwei Drittel der mehr als 420.000 Einwohner muslimischen Glaubens. Seit einiger Zeit sind dort konservative islamische Kräfte auf dem Vormarsch. Schwule und Lesben werden in der ehemaligen britischen Kolonie seit Langem unterdrückt. Bislang standen auf homosexuelle Beziehungen bis zu zehn Jahre Haft.

jj/stu (dpa)

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